Appenzellisches Flair in Hemberg

HEMBERG. Mit der Rekordzahl von über 600 Tieren feiert Hemberg seine bisher grösste Viehschau. Dabei bot sich dem Zuschauer gestern ein Mix aus Toggenburger und Appenzeller Sennentradition.

Katharina Rutz
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Sennisch: 15 traditionelle Sennen fuhren an der gestrigen Viehschau in Hemberg auf, angeführt vom Geissbuben. (Bilder: Katharina Rutz)

Sennisch: 15 traditionelle Sennen fuhren an der gestrigen Viehschau in Hemberg auf, angeführt vom Geissbuben. (Bilder: Katharina Rutz)

Eine gelbe Lederhose sticht ins Auge, verhaltenes Zäuerlen dringt ans Ohr. Doch dies ist Hemberg und nicht irgendein Ort im Appenzellerland. Die Nähe zum Nachbarkanton zeigt sich allerdings einmal mehr in den Hemberger Traditionen. Braune und gelbe Trachtenhosen der Sennen halten sich auf dem Viehschauplatz die Waage und die Sennen stehen mit gesenkten Köpfen zusammen und geben ein Zäuerli zum Besten.

Publikumsmagnet

15 Sennen ziehen aus allen Richtungen nach Hemberg und pilgern nacheinander auf den Viehschauplatz Hemberg. Das Publikum steht zahlreich an der Strasse und begrüsst die Geissbuben und -mädchen, die Schellenkühe und Sennen und die gesetzteren Bauern im braunen Brusttuch mit dem Stier bei der Hand. Auf dem dick mit Stroh bedeckten Viehschauplatz scheint ein Durcheinander zu herrschen.Die Helfer wissen jedoch genau, wohin die Kühe und Kälber angebunden gehören, die etwas verwirrt frei auf dem Platz herumstöbern.

Jedes Tier wurde von seinem Besitzer bereits zu Hause mit einer Etikette angeschrieben. So füllen sich die Latten der insgesamt 31 Abteilungen auf dem Hemberg. Erstmals gibt es auch eine Abteilung speziell für das Original Braunvieh. «Dieses Jahr haben wir über 600 Tiere», so Johannes Roth, Präsident der Viehschaukommission und des Braunviehzuchtvereins Hemberg. So viel wie noch nie.

Dies sei vor allem einigen jungen Bauern zu verdanken, die dieses Jahr das erste Mal teilnehmen, sagt Johannes Roth. «Ausserdem trägt sicher das gute Wetter zur grossen Anzahl an Tieren bei».

Ein Landwirt, dem das Wetter am Viehschautag auch passte, war Johannes Näf. Er fährt schon viele Jahre an die Viehschau, obwohl dies auch immer ein gewisses Mass an Stress fürs Vieh bedeute, sagt er. Bei den angenehmen Temperaturen halte sich dieser jedoch bei den Tieren in Grenzen.

«Ich selber bin auch etwas nervös», gibt er zu. Doch die Freude an der Tradition und am Wettbewerb machen das Nervenflattern wett. In den Wettbewerb schickt er 49 Tiere in praktisch allen Kategorien. «Ich konnte auch schon ganz vorne dabei sein und rechne mir auch heute Chancen aus», sagt er. Ob es reiche, komme jedoch erst aus.

Nachdem alle Tiere an ihrem Lattenplatz stehen und je nachdem noch schnell von ihren Besitzern gewaschen wurden, werden sie der kritischen Begutachtung der Richter unterzogen. An der Viehschau Hemberg übernahmen diese Aufgabe gestern Sepp Räss, Roland Bischof, Kurt Gähwiler und Wisi Wenk.

Lucia heisst die Miss

Sie kürten Lucia zur Miss Hemberg. Die Kuh stammt aus dem Stall von Bauer Hansueli Rechsteiner vom Bächli. Vize-Miss wurde Klara von Christian Frei.

Die fünfköpfige Viehschau-Kommission braucht nur eine Sitzung zur Vorbereitung des im Dorfkalender von Hemberg wichtigen Anlasses. «Jeder weiss, was er zu tun hat», erklärt Johannes Roth. Sein zufriedenes Gesicht sagt aus, dass dies auch dieses Jahr der Fall war.

Weitere Spezialpreise: Wanderpreis Erstmelkkühe: Wiola von Hansueli Rechsteiner, Rinderchampion: Olga von Johann Roth, Schöneuter ältere: Klara von Christian Frei, Schöneuter jüngere: Wiola von Hansueli Rechsteiner, Höchste Lebensleistung: Ramona von Hansueli Schmid.

Bild: Katharina Rutz

Bild: Katharina Rutz