Appenzellertänze «schlääzig ond löpfig»

Das Roothuus Gonten, Zentrum für Appenzellische Volksmusik, ist um eine Publikation reicher. Aus dem riesigen Fundus des Archivs hat Musikfachmann Mathias Weidmann alte Handschriften herausgepickt und ein Notenheft für zwei Violinen erstellt.

Esther Ferrari
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GONTEN. Das neue Heft enthält 25 Stücke verschiedener Herkunft und verschiedenen Alters, vorwiegend mittleren Schwierigkeitsgrades. Am Mittwochabend, an der Präsentation im «Roothuus», spielten zwei original Streichmusik-Formationen – die «Roothuus Musig» und eine Nachwuchsformation – Tänze aus dem neuen Heft. Mathias Weidmann, bei den «Alten» mit der Geige dabei – die «Jungen» begleitete er bei einigen Stücken mit der Bassgeige –, machte auf die zwei Stile in der Appenzellermusik aufmerksam. Da sei die einfache tänzerische Bauernmusik und die etwas Gehobenere, mit Anlehnung an die Wienermusik.

Lieblich oder lüpfig

«Schlääzig ond löpfig» seien zwei Grundeffekte in der Appenzeller Musik. «Schlääzig» bedeute lieblich und anmutig, mit lang ausgezogenen Bogenstrichen, «löpfig» sei fröhlich, übermütig mit kurzen, hüpfenden Bogenstrichen. Die Spielarten kämen häufig in den verschiedenen Teilen eines Tanzstückes vor.

Die Auswahl der Stücke für das neue Heft war für Mathias Weidmann nicht einfach. Er wählte aus Handschriften von unbekannten Komponisten, aber auch von bekannten wie Josef Peterer-Wild «Gehrseff», Jakob Neff «Däfi», Jakob Anton Knill, Emil Walser, Anton und Hermann Moser. Wenn nicht vorhanden, versah er die Stücke mit einer zweiten Stimme. Für gewöhnlich ist bei alten Musik-Handschriften nur eine Stimme gesetzt. Das weitere Arrangieren der Musik ist Interpretation.

Vergessene Stücke

Die Zuhörer bekamen manch schönes «Appezeller Stöckli» aus Innerrhoden und Ausserrhoden zu hören: Mazurka, Wälzerli, Polka, Schottisch, Marsch. Es war eine Freude, mit welcher Begeisterung die junge Appenzeller Formation mitspielte. Einfachere Melodien und anspruchsvollere Stücke wechselten sich ab. Das geübte Ohr mag feine Unterschiede bemerkt haben; Inner- und Ausserrhoder setzen die Akkorde anders. Und was die unbekannten «Musik-Stöckli» aus dem Archiv betreffe; wenn sie Noldi Alder nicht kenne, dann kenne sie wirklich niemand, meinte Mathias Weidmann. Das Zielpublikum für die wiederentdeckten Stücke des neuen Hefts sind Volksmusik-begeisterte Musikanten.

Auf die Präsentation und einen gespendeten Apéro folgte die Stobete, bei der einige Gäste zu ihren Instrumenten griffen. Für Joe Manser, den abtretenden Geschäftsführer des Roothuus Gonten, war es der vorletzte Anlass. Am Freitag, 5. Oktober, ist er bei der «Singlosi» in Gonten dabei.