HERISAU: Besitzerin trauert um totgetretenen Hund Chicco

Der Herisauerin Martina Trolp gehörte der Berner-Sennenhund-Mischling, der am Donnerstag von einem Mann brutal zu Tode getreten worden ist. Die gesundheitlich angeschlagene Frau vermisst ihren vierbeinigen Begleiter.

Karin Erni
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Partner Toni Baumann und Kater Felix trösten Martina Trolp über den Verlust ihres geliebten Hundes Chicco hinweg. (Bild: ker)

Partner Toni Baumann und Kater Felix trösten Martina Trolp über den Verlust ihres geliebten Hundes Chicco hinweg. (Bild: ker)

HERISAU. Die tödliche Attacke eines offenbar psychisch gestörten Mann auf einen Berner-Sennenhund-Mischling an der Oberdorfstrasse in Herisau hat letzte Woche schweizweit für Schlagzeilen gesorgt. Der mutmassliche Täter konnte am Samstag von der Ausserrhoder Kantonspolizei ermittelt und verhaftet werden. Es handelt sich gemäss Polizeimeldung um einen 30jährigen, psychisch angeschlagenen Mann. Er befinde sich zur Behandlung in einer psychiatrischen Klinik und sei noch immer nicht einvernahmefähig.

Täter schleppte Hund weg

Im Gespräch mit den beteiligten Personen zeigt sich, dass der Sachverhalt nicht genau so war, wie es in den Polizeimeldungen geheissen hatte. Die Hundebesitzerin Martina Trolp hatte das Tier nämlich nicht am Tatort, sondern vor dem Beistandsamt, das sich im Haus Baumgarten an der Poststrasse befindet, angeleint. Bauarbeiter einer nahen Baustelle hätten gesehen, wie der Mann den Hund an der Leine Richtung Oberdorfstrasse gezerrt und an einen Metallpfosten gebunden hatte. Dort begann er, auf den Hund einzutreten. Als Passanten eingriffen, floh er.

Kerzen, Blumen und Karten als Beileidsbezeugungen für Chicco an der Oberdorfstrasse. Hier war allerdings nicht der Tatort. (Bild: ker)

Kerzen, Blumen und Karten als Beileidsbezeugungen für Chicco an der Oberdorfstrasse. Hier war allerdings nicht der Tatort. (Bild: ker)

Ein herbeigerufenes Taxi wollte den verletzten Hund nicht transportieren. Schliesslich habe ihn der Tierarzt abgeholt, erzählt Martina Trolp. Der Hund starb jedoch noch in der Praxis an seinen inneren Verletzungen. "Es war furchtbar", erinnert sich die Hundebesitzerin. "Das Einzige, was ich von Chicco noch heimnehmen durfte, waren das Halsband und die Leine." Diese Erinnerungsstücke musste sie nun aber der Polizei zur Spurensicherung abgegeben.

Hund als Helfer

Der Vorfall geht Martina Trolp sichtlich nahe. Sie kann nachts kaum noch schlafen, die Ereignisse verfolgen sie: "Der verletzte Hund bot einen grauenhaften Anblick. Die Augen waren verdreht, die Zunge hing aus dem Maul heraus und war ganz blau." Die 53-Jährige ist bereits zweimal an einem Hirntumor erkrankt und musste sich Operationen und Chemotherapien unterziehen. Sie verdanke dem Hund viel. "Er hat mir über schwierige Zeiten hinweggeholfen." Vor zwölf Jahren hat sie den Berner-Sennenhund-Appenzeller-Mix aus dem luzernischen Root Luzern als viermonatigen Welpen zu sich genommen. Sie sei mit Chicco in die Hundeschule gegangen, habe Erziehungskurse und Agility-Training gemacht mit ihm. Chicco habe viele Freunde gehabt, zwei- und vierbeinige, sagt Martina Trolp. Zahlreiche Leute hätten ihre Anteilnahme gezeigt und hätten ihr Hilfe angeboten, sagt Martina Trolp. 350 Franken habe sie seinerzeit für Chicco bezahlt. "Aber so einen Hund kann man nicht mit Geld ersetzen."

Partner Toni Baumann und Kater Felix trösten Martina Trolp über den Verlust ihres geliebten Hundes Chicco hinweg. (Bild: ker)

Partner Toni Baumann und Kater Felix trösten Martina Trolp über den Verlust ihres geliebten Hundes Chicco hinweg. (Bild: ker)

Täter droht Gefängnis

Beim Straftatbestand handle es sich um Tierquälerei, sagt der Mediensprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei, Marcel Wehrlin. Diese könne mit einem Freiheitsentzug von mindestens sechs Monaten bestraft werden. "Die Beurteilung erfolgt durch die Staatsanwaltschaft. Eine verminderte Zurechnungsfähigkeit, wie sie in diesem Fall wahrscheinlich ist, kann sich strafmildernd auswirken."