Kopf-an-Kopf-Rennen für Whisky

Am Freitag haben die ersten zwei Personen den Whiskytrek im Alpstein vollendet. Nur zwei Minuten nach dem St. Galler Daniel Pfister hält die Appenzeller Schriftstellerin Angelika Wessels die 27. Flasche in den Händen – ein wahrer Fotofinish.

Roger Fuchs
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Angelika Wessels präsentiert das Ergebnis des Whiskytreks: 27 Flaschen à 10cl. Inzwischen ist sie bereits zur zweiten Sammeltour aufgebrochen. (Bild: Ruth Frischknecht)

Angelika Wessels präsentiert das Ergebnis des Whiskytreks: 27 Flaschen à 10cl. Inzwischen ist sie bereits zur zweiten Sammeltour aufgebrochen. (Bild: Ruth Frischknecht)

APPENZELL. Zwischen 200 und 300 Personen haben sich bislang entschieden, am Appenzeller Whiskytrek – der höchstgelegenen Whiskytour der Welt – mitzumachen. Sie alle sind dabei, Whiskyflaschen zu sammeln. In 27 Berggasthäusern gibt es solche. Die Flaschen können als Sammelobjekte in einem eigens für die Tour hergestellten Setzkasten zu Hause aufgestellt werden. Am letzten Freitag, zwei Minuten vor 12 Uhr, hat Daniel Pfister aus St. Gallen als erster den Whiskytrek beendet. Nur zwei Minuten später hielt auch Angelika Wessels aus Meistersrüte die letzte gesuchte Whiskyflasche in den Händen. Für Pfister wie auch für Wessels war ausgerechnet die Tierwis der letzte noch zu besuchende Ort.

Sprint über Himmelsleiter

Angelika Wessels hätte es in den Händen gehabt, das Rennen zu gewinnen. Morgens um 9.15 Uhr trafen sich die beiden auf dem Rotsteinpass, wo sie sich gegenseitig als Konkurrenten «outeten». Als Daniel Pfister und sein Kollege, der den Trek aber nicht absolviert, loseilten, habe sie ihnen noch eine halbe Stunde Vorsprung gegeben, sagt Angelika Wessels. Dann sputete sie selbst über den Lisengrat, kletterte die Himmelsleiter hinunter und sprang über die Schneefelder. Nur mit wenig Rückstand traf sie in der Tierwis ein. Den Sieg möge sie Daniel Pfister, der viel investiert habe, gönnen.

Bei der Brauerei Locher in Appenzell, wo die Fäden für den Trek zusammenlaufen, wird bestätigt, dass man bislang keine Kenntnis von anderen Berggängern habe, welche bereits sämtliche Whiskyflaschen gesammelt hätten. Es werde aber auch keine Statistik darüber geführt.

Bücher statt Whisky

Angelika Wessels fand die Idee des Whiskytreks von Beginn weg «genial». Zum einen verbringe sie fast jede freie Minute im Alpstein, zum anderen liebe sie Whisky, Schnäpse und Liköre. Letztlich sei aber gar nicht der Whiskytrek ihr eigentliches Ziel gewesen. Stattdessen beliefere sie zurzeit im Auftrag des Appenzeller Verlags sämtliche Berggasthäuser mit der Neuauflage der Monographie «Der Alpstein». Und sie habe gleichzeitig allen Bergwirten je drei Exemplare ihres Alpstein-Romans «Einsatz im Alpstein» gebracht.

Die Flaschen austrinken

Einmal gesammelt, stellt sich die Frage, was man mit den Whiskyflaschen anstellen soll. «Ich werde diese zusammen mit Gästen und meiner Mutter, die Whisky ebenfalls liebt, geniessen und trinken», sagt Angelika Wessels. Die eigenen Degustationsnotizen würden sie dann mit den Beschreibungen in der Whiskytrek-Broschüre vergleichen. Die Flaschen der zweiten Trektour, die Angelika Wessels bereits gestartet hat, will sie zuhause in der zugehörigen Box aufstellen.

Viele der Whiskys hat die Schriftstellerin unterwegs vor Ort probiert. Besonders behagt hätten ihr jener in der Bollenwees (Zweigelt-Fass), der Meglisalp (Portwein-Fass) und dem Rotsteinpass (Madeira-Fass). Aber auch im Ahorn, Kaubad und Mesmer gäbe es guten Whisky. Ganz zu schweigen vom «Scharfen» in der Scheidegg. «Ich kann mich echt nicht entscheiden», sagt Angelika Wessels, die Fast-Siegerin des Whiskytreks.