WOLFHALDEN: Hunde chippen für die Katz'?

In der Schweiz müssen alle Hunde per Gesetz mit einem Mikrochip versehen und mit ihrem aktuellen Halter in der nationalen Hundedatenbank registriert sein. Der Fall von Erika Fritsche aus Wolfhalden zeigt, dass das Chippen seine Tücken hat.

Karin Erni
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Der kurze Piks hat manchmal eine lange Geschichte zur Folge. (Bild: fotolia)

Der kurze Piks hat manchmal eine lange Geschichte zur Folge. (Bild: fotolia)

WOLFHALDEN. In der Schweiz hat jeder Hund einen Mikrochip zu tragen. Er dient der Identifikation und soll Abklärungen nach Beissunfällen, bei Seuchen oder Diebstahl erleichtern. So zumindest die Theorie. In der Praxis scheint das System nicht über alle Zweifel erhaben zu sein, wie der Fall von Erika Fritsche aus Wolfhalden zeigt.

Ihr wurden im letzten Herbst zwei Möpse gestohlen. Obwohl sie diese nach eigenen Angaben umgehend bei der damals noch aktiven Hundedatenbank Anis als gestohlen meldete, konnte der mutmassliche Dieb die Hunde in einer Berner Tierarztpraxis auf seinen Namen umschreiben lassen. Kürzlich hat Fritsche einen der Hunde zurückerhalten und wollte ihn beim Tierarzt wieder auf ihren Namen eintragen lassen. «Das war aber nicht möglich, weil der Hund nun auf den Dieb registriert ist», sagt sie entrüstet. «Dabei verfüge ich immer noch über das Originaldokument.» Den Tierhalter koste das Chippen eines Hundes 150 Franken, das sei hinausgeworfenes Geld, regt sich die Appenzellerin auf.

Sie machte ihren Fall in den Medien publik. Das wiederum rief das Ausserrhoder Veterinäramt auf den Plan. Es meldete sich postwendend bei Erika Fritsche und verlangte, dass sie den Hund, der sich wieder in ihrem Besitz befinde, umgehend auf ihren Namen registrieren lassen müsse. Ansonsten drohe ihr eine Strafanzeige. «Wie soll ich das denn machen, wenn die Tierdatenbank die Umregistrierung gar nicht zulässt?», fragt Erika Fritsche. Sie finde es lachhaft, dass die beteiligten Behörden nicht besser zusammenarbeiten.

Veterinäramt wehrt sich

Sascha Quaile, Kantonstierarzt beider Appenzell, will zum konkreten Fall aus Datenschutzgründen keine Stellung nehmen. Er verweist auf die Tierseuchenverordnung. Der Hundehalter beziehungsweise die Hundehalterin sei für die Korrektheit der Angaben in der Datenbank zuständig. Das Veterinäramt überprüfe diese bei Bedarf und treffe im Einzelfall Massnahmen, falls nicht korrekt geführte Daten entdeckt würden. Diese reichten von schriftlichen Hinweisen bis hin zu Strafanzeigen.

Wechsel der Datenbank

Der Wechsel von der Hundedatenbank Anis zum neuen System Amicus Anfang Jahr könnte verantwortlich für das Registrierungsproblem sein. Das alte System, das bis Ende Dezember 2015 in Betrieb war, war weniger streng bei der Registrierung eines Besitzerwechsels. «Ich musste aber schon früher den Käufern meiner Welpen immer einen Begleitbrief mitgeben, damit sie den Hund auf sich schreiben lassen konnten», wendet Fritsche ein. Besonders wurmt sie, dass sie gegen die fehlbare Tierärztin in Bern keine Anzeige erstatten konnte. «Die Ausserrhoder Polizei wollte mir weismachen, das sei kein Straftatbestand. Hier wird offensichtlich mit ungleichen Ellen gemessen.»

Offenbar hat sich im Verlauf der Recherche der Appenzeller Zeitung doch noch etwas getan: Der Tierarzt von Erika Fritsche sagte am Telefon, er habe von der Tierdatenbank Amicus soeben die Bestätigung erhalten, dass eine Umschreibung des Hundes nun doch möglich sei.