UNTERWEGS: Ein Pilger-Schnuppertag

Am Samstag werden im Appenzellerland zahlreiche Jakobspilger anzutreffen sein. Aufgeteilt auf 46 Routen, soll der ganze Jakobsweg Schweiz an diesem Tag bewandert werden.

Roger Fuchs
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Unterwegs auf dem Jakobsweg kurz vor Urnäsch. (Bild: PD)

Unterwegs auf dem Jakobsweg kurz vor Urnäsch. (Bild: PD)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

Jedes Jahr schreiben die Medien von einer neuen Rekordzahl von Pilgern, die auf dem Jakobsweg Santiago de Compostela erreichen und dort das Grab des Apostels Jakobus besuchen. Gut 270 000 Pilgerinnen und Pilger aus 146 Ländern waren es im letzten Jahr, 1452 davon kamen aus der Schweiz, wie aus der Statistik des Pilgerbüros hervorgeht. Den kommenden Samstag, 20. Mai, hat der Dachverband Jakobsweg Schweiz zu einem nationalen Pilgertag erklärt. Ziel ist jedoch nicht Sant­iago de Compostela, sondern das Bewandern der gesamten Via Jacobi samt aller bekannter Zubringerrouten in der Schweiz. 46 geführte Touren werden dazu an diesem Tag angeboten, fünf davon führen durch das Appenzellerland (siehe Kasten).

Pilgern ist mehr als Wandern

«Wir wollen mit diesem Projekt unseren Dachverband präsentieren und den Menschen die Möglichkeit bieten, einen Schnupper-Pilgertag zu erleben», sagt Walter Wilhelm. Er ist evangelisch-methodistischer Pfarrer in Birsfelden und leitet die zuständige Projektgruppe. Den Mehrwert des Pilgertages sieht er darin, dass nicht nur in Gruppen gewandert wird, sondern unterwegs auch Impulse zu verschiedenen Themen angeboten werden. Pilgern ist gemäss Wilhelm längst nicht mehr nur eine katholische Domäne und mehr als ein Wandererlebnis. Pilgerinnen und Pilger würden aus einer inneren Motivation her­aus starten, sei es um neue Kräfte zu tanken oder um in Übergangssituationen wie beispielsweise bei einem Stellenwechsel oder bei partnerschaftlichen Veränderungen das eigene Leben wieder zu ordnen. Der Pfarrer vergleicht insbesondere das Langzeitpilgern mit einem Weiher, in welchem der Alltag langsam absinkt und Tag für Tag die Klarheit wächst, wer man ist und was man will.

Den Jakobspilgerweg gibt es seit dem 9. Jahrhundert. Der Legende nach liegt im spanischen Santiago de Compostela der 44 nach Christus in Jerusalem hingerichtete Jakobus begraben. Er war einer der zwölf Apostel von Jesus von Nazareth. «Nach der Wiederentdeckung seines Grabes machten sich Leute aus ganz Europa auf den Weg dorthin», sagt Walter Wilhelm zu den Ursprüngen des Jakobsweges. Dies erklärt denn auch die Tatsache, dass der Jakobsweg ein ganzes Wegsystem mit vielen Verästelungen ist. Startpunkt ist gemäss Wilhelm letztlich vor jeder Haustüre. Die Wege vereinen sich an verschiedenen Sammelpunkten, ein solcher Punkt sei beispielsweise Einsiedeln.

In der Ostschweiz laufen die Fäden für den Pilgertag Schweiz beim erfahrenen Pilgerleiter Josef Schönauer zusammen. Auf seiner Website «pilgern.ch» sind denn auch alle notwendigen Informationen zu finden. Dabei heisst es, dass die Teilnahme an einer Etappe kostenlos ist. Anreise und Heimreise müssen selbst organisiert werden. Verpflegung unterwegs aus dem Rucksack.

Weitere Informationen: www.pilgern.ch/pilgertag