SCHWELLBRUNN: Von Schwellbrunn ins Kloster

Meisterflorist Walter Zellweger macht sich an eine neue Herausforderung: Anfang April vertritt er die Ostschweiz an den Schweizer Meisterschaften. Zellweger überlässt nichts dem Zufall, die Gestaltung der Werke ist minutiös geplant.

Karin Erni
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Meisterflorist Walter Zellweger und Assistentin Katrin Keller überprüfen die Abmessungen der Installation. (Bild: ker)

Meisterflorist Walter Zellweger und Assistentin Katrin Keller überprüfen die Abmessungen der Installation. (Bild: ker)

SCHWELLBRUNN. Der Florist und Farbdesigner Walter Zellweger erklimmt Stufe um Stufe auf der Erfolgsleiter: Vor zwei Jahren absolvierte er mit Bravour die Meisterprüfung. Es folgte eine Einladung des Kunsthauses Aargau für eine Ausstellung, bei der es galt, klassische Kunstwerke floral zu interpretieren. Im letzten Herbst qualifizierte sich der Schwellbrunner an der Ostschweizer Meisterschaft zur Teilnahme an den Schweizer Meisterschaften. Diese werden vom 8. bis 10. April im Kloster Wettingen ausgetragen. Die Gewinnerin oder der Gewinner unter den 16 Teilnehmenden behält den Titel für vier Jahre und darf die Schweiz an den Europa- und Weltmeisterschaften vertreten.

Leben in Schlössern und Burgen

Bereits seit einiger Zeit bereitet sich Walter Zellweger mit seiner Assistentin Katrin Keller auf den Wettbewerb vor. Die beiden pflegen im Beruf eine projektbezogene Zusammenarbeit. Für die Meisterschaft hilft sie ihm dabei, Ideen weiterzuentwickeln und den passenden künstlerischen Ausdruck zu finden. Das Hauptthema des Wettbewerbs lautet: «Das Leben in Aargauer Schlössern und Burgen». Die Teilnehmenden müssen je ein florales Werk zu vier verschiedenen Aufgabenstellungen anfertigen. Diese tragen geschichtsträchtige Titel wie «Ein Strauss für das Burgfräulein», «Tafeln unter Mönchen», «Marktgeschehen» sowie «Adel oder Pöbel».

Seine Inspirationen holt sich Zellweger an vielen Orten, nur nicht bei anderen Floristen. Er will seinen eigenen Stil pflegen. «Um mich nicht beeinflussen zu lassen, habe ich ganz bewusst darauf verzichtet, mir die Arbeiten der letzten Wettbewerbe anzuschauen», sagt Zellweger. Lieber sieht sich der Inhaber eines eigenen Floristikunternehmens historische Filme an. Eine gute Inspirationsquelle seien auch Kindheitserinnerungen, sagt der frischgebackene Vater. «Als Kind erlebt man vieles intensiver und bildhafter.» Vom Märchen Aschenbrödel inspiriert scheint der Brautstrauss in Form einer mittelalterlichen Haube zu sein. Unter einem zarten Schleier wölbt sich ein feines Gerüst aus Metallstäben; sie beherbergen den eigentlichen Brautstrauss. Die Themen «Schleier» und der Begriff «unter die Haube kommen» hätten ihn zu diesem Werk inspiriert, sagt Zellweger.

Künstlerische Umsetzung

Bei der praktischen Umsetzung legt der Meisterflorist grossen Wert auf die verwendeten Materialien. «Im Mittelalter hatte man nur wenige zur Verfügung. Eisen, Holz und Leder waren die wichtigsten.» Diese baut er in die Prüfungsarbeiten ein. Im Zeughaus St. Gallen hat er für diesen Zweck eine ganze Kiste alter Geldsäckel aus Leder erstanden. Diese bilden beim Thema Marktgeschehen den Boden der Installation. Aus den Geldbeuteln «wachsen» blühende Zweige als Sinnbild für den florierenden Handel.

Zum Thema «Essen unter Mönchen» lässt sich Zellweger vom Sinnbild der klösterlichen Ruhe leiten. Die schlichten Holznäpfe auf dem Tisch sind mit eng gesteckten Blüten gefüllt. «Ich verwende bewusst nur eine Sorte Blumen, damit ein ruhiges Bild entsteht.» Irritiert stellt die Betrachterin fest, dass der Tisch aus Plastik ist. Das sei bewusst so gewählt, erklärt der Florist. «Das Arrangement soll auf keinen Fall angestaubt wirken. Der auf Hochglanz polierte Tisch bringt einen spannenden Gegensatz hinein.»

Öffentliche Ausstellung der Arbeiten im Kloster Wettingen: Samstag, 9. April: 13 bis 18 Uhr Sonntag, 10 April: 10 bis 17 Uhr

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