APPENZELLERLAND: Schluss mit Co-Präsidien

Der Kirchenrat duldet auf der Basis der heutigen Gesetzgebung ab 2018 keine Zweierpräsidien mehr. Öffentlich wird diese Debatte wegen einer von der Kirchenvorsteherschaft Stein lancierten Interpellation.

Roger Fuchs
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Die Kirchenvorsteherschaft von Stein wehrt sich gegen eine Gesetzesauslegung des Kirchenrates. (Bild: APZ)

Die Kirchenvorsteherschaft von Stein wehrt sich gegen eine Gesetzesauslegung des Kirchenrates. (Bild: APZ)

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch

«Eine Kirchgemeinde hat eine Person verbindlich als Präsidentin oder Präsidenten aufzuführen, die von der Kirchgemeindeversammlung gewählt worden ist», sagt Koni Bruderer. Er steht dem Kirchenrat der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell vor. Die Vorsteherschaft der Kirchgemeinde Stein sieht dies anders. Folglich hat das aus Helene Löffel-Meier und Heinz Mauch bestehende Co-Präsidium die neu in der Synode sitzende Pfarrerin Irina Bossart animiert, auf die bevorstehende Herbstsession hin eine Interpellation einzureichen. Wie Bossart ausführt, ist aktuell in der Kirchenverfassung verankert, dass die Stimmberechtigten aus der Mitte der Kirchenvorsteherschaft diejenigen Personen wählen würden, welche «das Präsidium» und «das Kassieramt» innehaben. «Wir sind der Ansicht, dass der Begriff Präsidium sich nicht nur auf eine Person bezieht, sondern ganz einfach definiert, dass eine verbindliche präsidiale Führung ausgewiesen werden muss», sagt Bossart. Und das lasse auch ein Co-Präsidium zu.

Koni Bruderer hält dagegen. Nach juristischen Abklärungen würden sie klar die Position vertreten, dass stets eine Person ins Präsidium und eine ins Kassieramt zu wählen sei. Insbesondere bei rechtlichen Streitigkeiten sei es wichtig, einen offiziellen Ansprechpartner ausweisen zu können. Natürlich stünde einem Gremium offen, intern die Arbeit frei zu verteilen. Seinen weiteren Ausführungen zu Folge stehen derzeit nebst Stein noch die Kirchgemeinden Rehetobel, Waldstatt und Gais unter einem Co-Präsidium. In Walzenhausen amtet ein Verwalter und in Bühler besteht noch bis zur Kirchgemeindeversammlung 2018 eine Interimslösung. «Nach intensiven Gesprächen ist inzwischen mit allen ausser Stein eine Lösung gefunden worden», sagt Koni Bruderer.

Steiner Pfarrerin will keine Scheinlösungen

Die Pfarrerin und Synodale Irina Bossart verteidigt das Anliegen ihrer Kirchenvorsteherschaft in Stein. «Ich finde das Co-Präsidium eine ideale Lösung.» Einfach jemanden als Präsidenten oder Präsidentin zu bestimmen und dann hinter den Kulissen trotzdem so etwas wie ein Co-Präsidium zu schaffen, wäre eine Scheinlösung, die sie lieber verhindern wolle. «Überdies muss man in der heutigen Zeit auch froh sein, wenn sich Leute für ein Amt melden. Zu zweit lässt sich die Last verteilen und man hat eventuell auch eher den Mut, sich für eine solche Aufgabe zu entscheiden.» Auch lasse sich ein Co-Präsidium theologisch begründen. Jesus habe die Apostel jeweils zu zweit losgeschickt.

An der Herbstsynode vom 27. November wird der Kirchenrat die Interpellation beantworten und dabei seine Sicht der Dinge darstellen. Zu einer offenen Diskussion kommt es nur, wenn dies von den Synodalmitgliedern beschlossen wird. Wird die Sichtweise des Kirchenrates nach der Beantwortung von den Interpellanten als falsch erachtet, bleibt ihnen der Weg über einen Rekurs oder das Einreichen einer Motion an einer späteren Synode. Die Motion wäre verbindlicher und könnte mit einem Auftrag verbunden werden. Eine Änderung des geltenden Rechts – also eine Teilrevision der Kirchenverfassung – würde eine Volksabstimmung bedingen. Was folglich heute feststeht: «Für die Legislatur 2018 bis 2022 wünschen wir eine Bereinigung im Sinn unserer Gesetzgebung», so Koni Bruderer. Für die laufende Legislatur brauche hingegen ­keine Kirchgemeinde etwas zu ändern.