APPENZELLERLAND: Risiko Bahnübergang

Bahnübergänge bergen ein grosses Gefahrenpotenzial und müssten deshalb genügend gesichert sein. Hier sind die Appenzeller Bahnen klar im Rückstand.

Elias Eggenberger
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Eine Blinklichtanlage mit Andreaskreuz in Speicher. (Bild: PD)

Eine Blinklichtanlage mit Andreaskreuz in Speicher. (Bild: PD)

Elias Eggenberger

elias.eggenberger@ appenzellerzeitung.ch

Schon wieder ein Unfall an einem Bahnübergang: Erst letzte Woche wurde ein siebenjähriger Knabe von einem Zug gestreift. Nun kollidierte ein Auto mit einem Zug in Urnäsch. Beide Unfälle ereigneten sich an Übergängen, die nur mit Blinklichtanlagen gesichert sind. Die Anlagen haben aber bei beiden Unfällen einwandfrei funktioniert. «Unsere Bahnübergänge entsprechen grösstenteils den gesetzlichen Vorschriften. An Orten, an denen das nicht der Fall ist, sind Sanierungsarbeiten geplant», versichert Alexander Liniger. Laut dem Bundesamt für Verkehr liegt die Schuld bei solchen Unfällen meist beim Individualverkehrsteilnehmer.

Die Sanierung der Bahnübergänge ist seit längerer Zeit Thema im Appenzellerland. Auf das Jahr 2014 wurde vom Bundesamt für Verkehr eine gesamtschweizerische Sanierung aller Bahnübergänge gefordert. Für viele Bahnbetreiber war dieser Termin nicht realistisch. Auch die Appenzeller Bahnen konnten ihn nicht einhalten. Zwischen 2003 und 2016 wurden 334 Bahnübergänge im Appenzellerland saniert oder aufgehoben. Das sind aber lange nicht alle: 135 Bahnübergänge entsprechen bis heute nicht den gesetzlichen Sicherheitsvorgaben. Die Sanierungsarbeiten ­seien aber alle in Planung. Zahl­reiche Projekte würden jedoch durch Einsprachen blockiert. «Die Leute wollen Sicherheit, aber nicht vor der eigenen Haustür», sagt ­Liniger. Auch der Bahnübergang Bleicheli, an welchem letzte ­Woche ein Siebenjähriger verunfallte, entspricht nicht den Sicherheitsstandards. Gesichert ist ­dieser nur mit einem Blinklicht­signal. Das Gesetz sieht vor, dass er durch eine einseitige Schranke ergänzt werden muss. Das Projekt ist bereits geplant, die Baubewilligung wurde im August 2016 erteilt. Etliche Bahnübergänge im Appenzellerland sind mit Blinklichtanlagen und Warnglocken oder einem Andreaskreuz gesichert. Das Gesetz erlaubt dies in einer Ausnahmeregelung: An Bahnübergängen mit schwachem Strassenverkehr darf eine Blinklichtanlage angebracht werden. Schranken könne man aus Platzgründen nicht an allen Bahnübergängen installieren. Die Schranken müssen einen Mindestabstand zur Schiene und zur Strasse haben. Dieser könne nicht überall gewährleistet werden. «Ein rotes Blinklicht gilt aber klar als Fahrverbot», sagt Liniger. Seit Beginn der Sanierungsarbeiten gebe es weitaus weniger Unfälle an Bahnübergängen. Auch schweizweit sind die Unfall­zahlen gesunken.

Kritische Stimmen bezüglich Bahnsicherheit melden sich aus Teufen. Die Initianten der Kurztunnelinitiative klagen über das grosse Risiko, welches die Bahn mit sich bringt. Der ehemalige Regierungsrat Jakob Brunschweiler gehört zum Initiativkomitee. Er sagt: «Die enge Ortsdurchfahrt der Bahn ist kritisch, vor allem weil Gegenverkehr herrscht. Gröbere Unfälle sind mir keine bekannt, aber Blechschäden und kritische Situationen hat es schon oft gegeben. Die Appenzeller­bahnen sind bei der Bahnübergangssicherung im Rückstand.» In Teufen habe es aber keinen Sinn, teure Bahnsicherungen vorzunehmen, solange man noch nicht wisse, wie es weitergehe mit dem Kurztunnel.