APPENZELLERLAND: Mit einer App wird die Zugfahrt zum Erlebnis

Morgen Freitag lancieren die Appenzeller Bahnen die «Fensterplatz-App». Mit dieser erhalten die Gäste auf der Zugfahrt einen Reiseführer via Smartphone.

Gianni Amstutz
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Kurz nach der Abfahrt in St.Gallen erhält der Nutzer Informationen zur Stiftsbibliothek. (Bild: Gianni Amstutz)

Kurz nach der Abfahrt in St.Gallen erhält der Nutzer Informationen zur Stiftsbibliothek. (Bild: Gianni Amstutz)

«Das Appenzellerland hat nun etwas mit London, Paris und Wien gemeinsam», sagt Marketingleiterin der Appenzeller Bahnen Sabrina Huber. «In einem roten Fahrzeug können die Leute via Kopfhörer interessante Fakten zu ihrer Umgebung erfahren.» Möglich wird das durch eine Gratis-App der Appenzeller Bahnen namens «Fensterplatz», die ab heute erhältlich ist. Alles was man braucht, ist ein Smartphone und ein gültiges Ticket der Appenzeller Bahnen. Die App funktioniert wie die Audioreiseführer aus den in Grossstädten bekannten Sightseeing-Bussen. Bei Sehenswürdigkeiten werden einem Fakten zu einem gewünschten Thema erzählt.

Dabei kann der Nutzer aus den Bereichen Politik und Wirtschaft, Land und Leute, Brauchtum/Kultur/Geschichte und Eisenbahn auswählen. Jede dieser Touren spielt an verschiedenen Orten, Informationen zum gewählten Thema ein. Wählt man etwa den Bereich Brauchtum/Kultur/Geschichte erzählt einem eine Frauenstimme auf Höhe der Haltestelle Riethüsli, dass hier die Appenzeller einst gegen die St.Galler gekämpft hätten. Mittlerweile seien die Leute aus dem Appenzellerland den St.Gallern aber friedlich gesinnt.

350 Punkte auf dem gesamten Bahnnetz

Insgesamt 350 Attraktionen gibt es, verteilt auf das gesamte Bahnnetz der Appenzeller Bahnen. An manchen Punkten werden die Audioinhalte durch Bilder ergänzt, die auf dem Smartphone eingeblendet werden. Diese sind allerdings zurückhaltend eingesetzt. «Die App heisst schliesslich Fensterplatz. Sie soll nicht bezwecken, dass die Leute die ganze Zeit auf ihr Smartphone starren», sagt der Produktentwickler der Firma Noexis AG, Sandro Kälin. Neue Inhalte könnten aber jederzeit hinzugefügt werden.

Momentan ist die App nur auf Deutsch erhältlich. Eine englische und französische Version ist in Planung. Denn nicht zuletzt wurde die App auch für Touristen entwickelt. Deshalb ist keine Internetverbindung nötig, um die App zu nutzen. Nur zum Download derselben braucht man Datenvolumen. Mit 240 Megabyte ist die App nicht gerade klein. «Wir empfehlen Touristen deshalb, die App an einem Wifi-Hotspot herunterzuladen», sagt Sabrina Huber.

Die Appenzeller Bahnen versuchen, mit der App die Frequenzen steigern. Gerade zu Randzeiten will man mit dieser App mehr Fahrgäste in die Züge locken. Ausserdem biete man Touristen einen attraktiven Weg, das Appenzellerland zu erkunden. Heutzutage liege Touring, also das individuelle Reisen, bei dem man in kurzer Zeit möglichst viel erlebe und sehe im Trend, sagt Sabrina Huber. «Mit der App springen wir auf diesen Zug auf.»

Tamara Springer, Sandro Kälin und Sabrina Huber (v. l.) haben gemeinsam an der Entwicklung der «Fensterplatz-App» gearbeitet. (Bild: Gianni Amstutz)

Tamara Springer, Sandro Kälin und Sabrina Huber (v. l.) haben gemeinsam an der Entwicklung der «Fensterplatz-App» gearbeitet. (Bild: Gianni Amstutz)

Eineinhalb Jahre dauerte die Entwicklung der App. Über die Entwicklungskosten gaben die Appenzeller Bahnen keine Auskunft. Von den beiden Appenzell wurden sie mit insgesamt 30000 Franken unterstützt. Bisher ist die App werbefrei. Ob das so bleibt, steht noch nicht fest. «Die Fensterplatz-App wäre eine ideale Plattform, um darauf für Anlässe oder Hotels zu werben», sagt Huber. Falls Werbung platziert würde, müsste das in einem vernünftigen Mass geschehen. «Das Erlebnis soll immer im Vordergrund stehen.»