APPENZELLERLAND: Mehr dubiose Internetgeschäfte

Während in Ausserrhoden die Straftaten 2016 zurückgegangen sind, nahmen sie in Innerrhoden beinahe um 40 Prozent zu. Neue Formen der Kriminalität stellen die Polizei vor Herausforderungen.

Alessia Pagani
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Dank Prävention sind die Einbrüche 2016 zurückgegangen. (Bild: TZ)

Dank Prävention sind die Einbrüche 2016 zurückgegangen. (Bild: TZ)

Alessia Pagani

alessia.pagani@appenzellerzeitung.ch

In Appenzell Ausserrhoden sind 2016 weniger Straftaten begangen worden als noch im Vorjahr. Die Gesamtzahl liegt gemäss der Kriminalstatistik bei 1922 Fällen (2015: 2276). Am häufigsten mit 1725 Fällen wurde gegen das Strafgesetzbuch (StGB) verstossen (so Vermögensdelikte, Delikte gegen Leib und Leben, Delikte gegen sexuelle Integrität, Gewalt). Hinzu kommen 170 Widerhandlungen gegen das Betäubungs- und 27 Delikte gegen das Ausländergesetz. Die Straftaten im Bereich des Strafgesetzbuches sind um 12 Prozent zurückgegangen und liegen somit im schweizweiten Mittel. «Ausserrhoden ist im Bereich der Kriminalität ein sicherer Kanton», sagt Graziosa Gairing. Wie die Chefin der Kriminalpolizei erklärt, liegt die Aufklärungsrate bei guten 64,5 Prozent. «Im Schweizer Vergleich liegt sie bei uns sehr hoch.» Bei Delikten gegen die sexuelle Integrität liege sie gar bei 95,7 Prozent, bei den beiden 2016 registrierten Vergewaltigungen bei 100 Prozent. «Wir bemühen uns bei schweren Straftaten sehr und legen Wert darauf, dass genügend Einsatzkräfte vorhanden sind», so Gairing. Zudem pflege die Polizei eine enge Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. Bei den Gewaltstraftaten wurde eine Abnahme von 18 Prozent festgestellt. Erfreulich ist, dass 2016 weder ein versuchtes noch ein vollendetes Tötungsdelikt registriert worden ist. Die Zahl der einfachen Körperverletzung hingegen stieg leicht von 12 auf 13 Fälle an.

Ein Grossteil der Straftaten geht auf Diebstähle zurück. 2016 wurden 70 Einbruchdiebstähle registriert, was einem Rückgang von 16 Prozent entspricht. «Das ist ein neuer Tiefstand», so Gairing. «Mit guter und präventiver Arbeit kann einiges verhindert werden.» So hätte die Kantonspolizei nach einer Einbruchserie im Vorderland Anfang Jahr die offene und verdeckte Ermittlung aufgenommen und die Patrouillen intensiviert. Die Täter hätten zwar nicht gefasst werden können, weitere Einbrüche seien allerdings nicht registriert worden. Ein weiterer Grund für den Rückgang sei, dass Diebesgut nicht einfach abgesetzt werden könne und es schnell an Wert verliere. «Zudem wird in Ausserrhoden eine konsequente Spurensicherung durch den Kriminaltechnischen Dienst durchgeführt.» Dies sei wichtig, weil die Täterschaft meist keine Aussagen mache und sich die Polizei demnach auf Fakten berufen müsse.

Während die Zahlen bei der Mehrheit der Straftaten rückläufig war, hat die Polizei mit neuen Formen der Kriminalität zu kämpfen. «Wir merken immer mehr Anzeigen im Bereich von dubiosen Onlinegeschäften.» Gairing spricht von einer Zunahme um 50 Prozent. «Die Täter sind sehr schwer zu ermitteln. Häufig agieren sie aus dem Ausland.» Erfreulich sehen die Zahlen hingegen bei den Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz aus. «Wir haben einen frappanten Rückgang von 33 Prozent verzeichnet», so Gairing. Dies vor allem, weil im vergangenen Jahr keine grossen Fälle mit mehreren Abnehmern registriert worden seien. Hingegen waren 2016 drei Drogentote zu beklagen, im 2015 war es einer.

Ein Verfahren und 111 Straftaten

Während die Straftaten in Ausserrhoden gesamthaft zurückgegangen sind, registriert die Innerrhoder Kantonspolizei eine Zunahme von 39 Prozent auf 599 Fälle (2015: 431). Es handelt sich dabei um den zweithöchsten Wert seit der Einführung der detaillierten gesamtschweizerische Statistikerhebung 2009. Die Aufklärungsquote liegt bei 63,6 Prozent, was 381 Straftaten entspricht.

Zum hohen Wert hat unter anderem ein einziges Ermittlungsverfahren geführt, bei dem 111 Straftaten – 57 Veruntreuungen und 54 ungetreue Geschäftsführungen – registriert wurden. Die Straftaten gegen das Vermögen stiegen dadurch von 188 im 2015 auf 312 im 2016.