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APPENZELLERLAND: Jedem Kanton seine Leuchttürme

Top und Flop liegen nahe beieinander, wenn es um Projekte geht, die ausstrahlen und Touristen anlocken sollen. An Ideen mangelt es nicht, oft hapert es jedoch an den Finanzen oder an einer konsequenten Durchsetzung.
Monika Egli

Monika Egli

monika.egli@appenzellerzeitung.ch

Rehetobel will ein Leuchtturmprojekt (s. Ausgabe vom 6. April). Leuchtturmprojekt? Das hatten wir doch schon öfters, und zwar nicht nur im Appenzellerland. Leuchttürme werden in der ganzen Schweiz fast schon inflationär geplant, der Ausdruck nützt sich langsam ab. Denn nicht alles, was Leuchtturm genannt wird, ist auch ein solcher. Rehetobel beispielsweise will am Ort des ehemaligen Altersheims Ob dem Holz, wo eine Sportsclinic hätte entstehen sollen, «ein der Umgebung angemessenes Leuchtturmprojekt». Damit ist das ambitionierte Vorhaben so gut wie gestorben. «Der Umgebung angemessen» verheisst nichts Mutiges, nichts, was die Ostschweiz noch nicht gesehen hätte.

Leuchtturmprojekte sollen ausstrahlen, über die Gemeinde, möglichst sogar über die Region, den Kanton hinaus. Die Redaktion hat Projekte zusammengetragen, die im Vorfeld als Leuchttürme angepriesen worden sind, und hat sie mit kleinen Leuchttürmen bewertet. Darunter hat es gelungene, solche, die erst auf dem Weg sind, und andere, die enttäuscht haben. Das Maximum, fünf Türmchen, hat keines erreicht. Ideen waren noch zahlreiche weitere vorhanden, so zum Beispiel die Pflege des Biedermeiers in Heiden, die Schaukäserei in Stein, die Sportschule Appenzellerland, das Roothus in Gonten, das Zeughaus in Teufen, der Schwägalp Schwinget ... Wir haben uns für Projekte der jüngeren Vergangenheit entschieden.

Projekt 1

Das neue Hotel auf der Schwägalp bietet viel, nebst diversen Restaurants einen Wellnessbereich, 68 Zimmer und eine Sonnenterrasse. Es feierte Ende 2015 nach zweijähriger Bauzeit Eröffnung. Der Beton wurde aus Aushubmaterial direkt vor Ort hergestellt. Wer ein Seminar organisieren will, muss frühzeitig reservieren, «Säntis – das Hotel» ist eine Erfolgsgeschichte. Trotzdem gibt es nur vier von fünf möglichen Leuchttürmen: Im durchgestylten Berggasthaus ist die Gemütlichkeit etwas verloren gegangen, und die Freundlichkeit der Bedienung kann leider nicht durchwegs gelobt werden. (eg)

Projekt 2

1997 an der Urne abgeschafft, 2010 ein Nein zur Wiedereinführung: Die politische Ausserrhoder Landsgemeinde ist Geschichte. Stattdessen hat eine Genossenschaft 2005 eine Kulturlandsgemeinde auf die Beine gestellt. Der kostenlose Anlass, ausdrücklich für die ganze Bevölkerung, findet seither ununterbrochen statt, greift gesellschaftliche Fragen auf und verfasst als Essenz eine Sendschrift. Für die Idee gibt es einen Leuchtturm, für die originelle, sehr aufwendige Organisation einen zweiten. Mehr liegt nicht drin, denn die Kulturlandsgemeinde hat ihren Zweck nicht erfüllt. Sie ist ein Anlass von Kulturschaffenden für Kulturschaffende. (eg)

Projekt 3

Anders als im Hinterland, wo man den Traditionen stark verhaftet ist, wurden die Viehschauen im Vorderland langsam aber sicher zu einem Auslaufmodell. Auf Anregung des Tourismusverbandes, für den Viehschauen von hoher Bedeutung sind, haben sich die Vorderländer neu orientiert und Erlebnisviehschauen mit Festzelt, Tombola, Wettbewerben und Marktständen organisiert. Gerade den Bauern, die alleine von der Auffuhr ihrer Tiere kaum die Kosten decken konnten, verhalf dies zu Mehreinnahmen. Profitieren können aber auch die Marktfahrer und der Tourismus hat viel Aufschwung erfahren. (eg)

Projekt 4

Es wurde als Leuchtturm für den Tourismus und Aushängeschild für Appenzell Ausserrhoden angepriesen: ein neues Wellbeing & Health Resort. Doch am Schluss sind am gewählten Standort in Waldstatt die Verhandlungen zwischen den Grundeigentümern und potenziellen Investoren gescheitert, weshalb die Redaktion denn auch nur einen Leuchtturm vergibt – sozusagen als Erinnerung. Es sei bedauerlich für die gesamte Region, liess sich nach dem Scheitern der Waldstätter Gemeindepräsident Andreas Gantenbein zitieren. Und so bleibt der Wunsch nach einem neuen Viersternehotel für die Region Appenzellerland pendent. (rf)

Projekt 5

Schwellbrunn ist im vergangenen Jahr zum schönsten Dorf der Schweiz gekürt worden. Über 50000 haben beim entsprechenden Voting ihre Stimme für die Gemeinde abgegeben. Es folgte ein grosses Fest. Es würden seither gefühlsmässig auch mehr Tagesgäste gezählt, hiess es in den ersten Wochen und Monaten danach. Und heute: Irgendwie scheint, als ob ausserhalb des Dorfes die Euphorie wieder abgeflacht, wenn nicht gar versandet ist. Und man fragt sich, ob eine solche Chance nicht stärker hätte genutzt werden können: beispielsweise mit der Schaffung zusätzlicher Übernachtungsmöglichkeiten. (rf)

Projekt 6

Im Jahr 2027 hätte die Expo in der Ostschweiz durchgeführt werden sollen. Zusammen mit den Kantonen St. Gallen und Thurgau wollte Appenzell Ausserrhoden etwas Grosses in die Region holen. Allein schon drei Leuchttürme gäbe es dafür, dass mit der Landessausstellung Impulse in der Ostschweiz geschaffen worden wären. Einen weiteren gäbe es dazu, weil der Ausserrhoder Kantonsrat dem Vorhaben zugestimmt hat. Im Thurgau und in St. Gallen wurde das Projekt an der Urne aber abgelehnt. Und so verschwindet der Papiertiger in der Schublade. Für Idee und Mut zum Ausserrhoder Ja gibt es dennoch einen Leuchtturm. (bei)

Projekt 7

Das Kleintheater Alte Stuhlfabrik in Herisau war nie als Leuchtturmprojekt gedacht. Trotzdem entwickelt es sich allmählich dazu. Die «Stuhlfabrik» hat Strahlkraft über die Dorfgrenzen hinaus. Bestes Beispiel: Der bekannte Schauspieler Mike Müller (Giacobbo/Müller) hat sich gleich selber um einen Auftritt bemüht. Am 3. Mai spielt Marco Rima in der Stuhlfabrik – und zwar gratis: Die Einnahmen gehen zu Gunsten der «Stuhlfabrik». Denn obwohl hier unter Gastgeber Philipp Langenegger Erfreuliches gedeiht, lässt sich das Kleintheater nur mit grossen Anstrengungen rentabel finanzieren. (pk)

Projekt 8

Vor zehn Jahren wurde das Drehrestaurant auf dem Hohen Kasten eröffnet. Seither zog es viele Touristen und Einheimische auf den Berg. 2009 gewann das Drehrestaurant den Best of Swiss Gastro Award in der Kategorie «Activity». Doch die anfängliche Begeisterung für diesen Leuchtturm im Appenzellerland ist inzwischen zur Normalität geworden. Trotzdem werden stets gute Jahresergebnisse erzielt. Doch es braucht neue Ideen, wie den Europa-Rundweg, um weiterhin beim Publikum punkten zu können. Von uns gibt es vier von fünf Leuchttürmen. Das Drehrestaurant wirkt weiterhin als Magnet, wenn auch etwas angejahrt. (cap)

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