Appenzellerland
Internationale Holzknappheit führt zur Rückbesinnung auf einheimisches Holz ‒ es gibt aber einen Haken

Bauholz ist derzeit rar und teuer. Das spüren vor allem Schreinereien und Zimmereien. Die hiesigen Waldeigentümer können aber nur bedingt von der Situation profitieren.

Karin Erni
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Holz ist derzeit ein beliebter Baustoff.

Holz ist derzeit ein beliebter Baustoff.

Bild: Sandra Ardizzone / AGR


Weltweit wird viel gebaut und renoviert. Die grossen Verbraucher USA und China decken sich mit Bauholz vermehrt in Europa ein. Wegen der Coronakrise mussten teilweise die Kapazitäten in der Holzverarbeitung heruntergefahren werden. Die Folgen sind steigende Preise. Gewisse Importprodukte sind bis zu 60 Prozent teurer als im Januar. Obwohl 32 Prozent der Schweiz aus Wald besteht, werden schätzungsweise 60 bis 80 Prozent aller Holzprodukte aus dem Ausland importiert.

Appenzeller Holzbauer unterschiedlich betroffen

Wie stark ist Appenzell Ausserrhoden als Holzbaukanton von dieser Entwicklung betroffen? Gemäss Walter Rotach, Sektionsleiter von Holzbau Schweiz, leiden nicht alle Betriebe gleichermassen unter dem Holzmangel. Es seien vor allem jene mehr betroffen, die viel ausländisches Holz verarbeiten. Für seinen Betrieb, die Mettler Holzbau GmbH in Schwellbrunn, sei das Problem etwas weniger akut, sagt Rotach.

Walter Rotach, Sektionsleiter von Holzbau Schweiz.

Walter Rotach, Sektionsleiter von Holzbau Schweiz.

Bild: PD
«Wir setzen schon länger auf Schweizer Holz. Die bewährte Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten aus der Nähe kommt uns auch jetzt zugute.»

Über Jahre war Schweizer Holz im Vergleich zu ausländischen Produkten etwas teurer, nun sei es umgekehrt, sagt Rotach. «Dies hat einen regelrechten Bestellansturm auf Schweizer Produzenten ausgelöst. Wie eine Neckertaler Leimholzproduzentin aber beweist, kann die einheimische Holzindustrie ihre Produktivität zum Teil innert kürzester Zeit massiv ausbauen.» Generell habe ein Umdenken stattgefunden, sagt Rotach. «Die öffentliche Hand zum Beispiel fördert bei eigenen Bauten die Verwendung von nachhaltig produziertem Schweizer Holz.» Die Vorteile möglichst kurzer Lieferketten würden in diesen international turbulenten Zeiten offensichtlich, so Rotach. «Das wird längerfristig auch die private Bauherrschaft überzeugen.»

Rohholzimporte sinken

Rohholzimporte in Tonnen im ersten Quartal von 2017 bis 2021 (in Tausend)
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Faires Miteinander wichtig

Probleme bereiten den Schweizer Holzbauern die massiv angestiegen Lieferzeiten. Für gewisse Produkte haben sich die Lieferfristen von wenigen Tage auf mehrere Wochen oder sogar Monate ausgedehnt. Mangelware seien insbesondere diverse Holzwerkstoffplatten, sagt Walter Rotach. «Händler sprechen von den akutesten Lieferproblemen, die sie je erlebt haben. Es gibt Lieferanten, bei denen man vorübergehend nicht einmal mehr bestellen kann.» Weil diese Platten in der Schweiz kaum noch produziert werden, müssen sie aus Europa importiert werden. Zusätzlich habe leider eine Hortung stattgefunden, sagt Rotach. «Um diese schwierige Situation zu meistern, ist aber ein faires Miteinander wichtig. Denn es gilt, unseren guten Ruf zu bewahren!» Die Lage könnte sich auch relativ schnell wieder entspannen, so der Fachmann. «Wir hoffen, dass bis Ende Jahr eine Normalisierung stattfindet.»

Waldbesitzer profitieren bis jetzt wenig

Ständerat Daniel Fässler präsidiert den Verband der Waldeigentümer.

Ständerat Daniel Fässler präsidiert den Verband der Waldeigentümer.

Bild: Hanspeter Schiess

Als «verrückt» bezeichnet Daniel Fässler die aktuelle Situation auf dem Holzmarkt. Der Innerrhoder Ständerat ist Präsident von WaldSchweiz, dem Verband der Waldeigentümer. «Im Schweizer Wald wachsen jedes Jahr elf Millionen Kubikmeter Holz nach. Lediglich vier bis fünf Millionen Kubikmeter davon werden genutzt. Zusätzlich liegt noch immer viel Schadholz in den Wäldern.» Doch die heimischen Holzbauer könnten nun nicht einfach auf Schweizer Holz zurückgreifen, obwohl genug vorhanden wäre, so Fässler. «Ein Grossteil der Verarbeitung wurde längst ins billigere Ausland ausgelagert. Die noch bestehende Holzindustrie verfügt nicht über die Kapazitäten, die zusätzlich geforderten Mengen zu verarbeiten und bereitzustellen. Ein Teil des Schweizer Stammholzes wird daher exportiert und kommt in Form von Holzprodukten und Halbfabrikaten wieder zurück ins Land.»

Fässler will Waldnutzung fördern

In der Schweiz müsse aufgrund der Waldgesetzgebung praktisch jeder Baum einzeln aus dem Wald geholt werden, und dies bei topografisch oft anspruchsvollen Verhältnissen, erklärt Daniel Fässler. «Mit dieser Produktionsweise stehen wir in Konkurrenz mit Ländern, in denen auf grossflächigen Monokulturen kostengünstig maschinell geerntet werden kann.» Der Verband WaldSchweiz setze sich für vernünftige Produzentenpreise ein, sagt Fässler.

«Holz hat keinen Grenzschutz, im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Produkten.»

Er habe daher schon vor einem Jahr im Parlament einen Vorstoss eingereicht. Wenn alles wie geplant verläuft, wird dieser nächste Woche vom Ständerat abschliessend gutgeheissen. Der Vorstoss fordert vom Bundesrat rasche Massnahmen, um die Rahmenbedingungen für die Schweizer Waldbewirtschaftung zu verbessern. In einem ersten Schritt sollen vom Bund für die NFA-Programmvereinbarungen und ergänzende Massnahmen in vier Jahren 100 Millionen Franken für Waldpflege, Sicherheitsholzschläge und klimaangepasste Waldverjüngung ausgerichtet werden. Hinzu kommen Beiträge der Kantone in mindestens gleicher Höhe. Dadurch würde der Wald auch in Zukunft bewirtschaftet und es käme mehr Holz auf den Markt, ist der Ständerat überzeugt.

Für Daniel Fässler hat die gegenwärtige Krise im Holzmarkt nebst der Aussicht auf bessere Produzentenpreise noch eine gute Seite: «Die jetzige Situation zeigt uns die Gefahren einer zu grossen Abhängigkeit vom Ausland auf.»