APPENZELLERLAND: Erhöhte Keimzahl in der Urnäsch

Das Ausserrhoder Amt für Umwelt hat die Wasserqualität in hiesigen Flüssen und Bächen untersucht. Das Baden an fast allen wichtigen Badeplätzen beider Appenzell ist bedenkenlos möglich. An einer Stelle wird davon abgeraten.

Patrick Baumann
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An diesem Flussabschnitt der Urnäsch wurde die Probe mit den erhöhten Keimzahlen entnommen. (Bild: Patrick Baumann)

An diesem Flussabschnitt der Urnäsch wurde die Probe mit den erhöhten Keimzahlen entnommen. (Bild: Patrick Baumann)

APPENZELLERLAND. Wie jeden Sommer haben die Umweltämter der beiden Appenzell die Wasserqualität an häufig genutzten Badeplätzen untersucht. Laut einer Medienmitteilung des Kantons schöpften die zuständigen Stellen in den vergangenen Tagen Wasserproben und liessen diese vom interkantonalen Labor Schaffhausen auswerten. «Fast alle Standorte weisen gute mikrobiologische Befunde auf», sagt Karlheinz Diethelm, Abteilungsleiter Wasser und Stoffe beim Ausserrhoder Amt für Umwelt. «Lediglich beim Badeplatz Furt an der Urnäsch wurden erhöhte Konzentrationen von E. coli und Enterokokken-Bakterien festgestellt.»

Indikator für andere Bakterien

Bei E. coli und Enterokokken handelt es sich um Fäkalkeime, die aus dem Verdauungstrakt von Mensch oder Tier stammen. Sie können zu Durchfall, Erbrechen und Unwohlsein führen. «Wir testen aber nicht aufgrund der Gefährlichkeit auf diese zwei Bakterienarten, sondern weil sie gute Indikatoren für weitere, eventuell krankmachende Keime sind», sagt Diethelm. An Stellen mit hoher Belastung durch Enterokokken und E.-coli-Bakterien sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch andere Keime in hoher Konzentration vorkommen. Ein Test auf weitere Keime, die sich im Wasser befinden könnten, ist laut Diethelm aber viel zu aufwendig.

Keine grosse Gefahr

«Grundsätzlich ist das Vorhandensein von E. coli und Enterokokken für Personen mit intaktem Immunsystem nicht gefährlich», sagt Diethelm. «Problematisch wird es nur, wenn man sehr viele davon aufnimmt. Zum Beispiel durch Trinken des belasteten Wassers. Das Schlucken grösserer Mengen Wasser sollte in Flüssen und Seen aber allgemein unterlassen werden», so Diethelm weiter. «Mit einer geringen bakteriellen Belastung muss in allen Flüssen und Seen gerechnet werden.» Nach Möglichkeit sollte man deshalb nach dem Baden in Flüssen und Seen duschen und sich gut abtrocknen. Weiter sollte man das Baden bei trüber Wasserführung unterlassen. Badeplätze nahe und unterhalb von Kläranlagenleitungen und solche mit schlechten Probeergebnissen seien zu meiden. Ganz in der Nähe des beliebten Badeplatzes Furt befindet sich die Abwasserreinigungsanlage Furt. Einen Zusammenhang zwischen dieser und der erhöhten Belastung des Gewässers schliesst Diethelm aber aus. «Einen direkten Zusammenhang mit der Kläranlage gibt es nicht. Als die Abwasseranlage letztmals erweitert wurde, hat man darauf geachtet, dass das Wasser unterhalb des Badeplatzes eingeleitet wird.»

Einfluss des Wetters

Die Badewasserqualität von Bächen und Flüssen wird vom Einzugsgebiet beeinflusst und ist zudem stark wetterabhängig. «Die gemessene Qualität ist daher nur eine Momentaufnahme. Sie kann vor allem durch starke Regenfälle kurzfristig ändern», sagt Diethelm. Bei starken Regenfällen drohe eine Verschlechterung des Wassers durch das Ausschwemmen von Stoffen aus landwirtschaftlich genutzten Böden oder durch Regenüberläufe der Schmutzwasserkanalisation. Gewässer besitzen natürlicherweise eine Selbstreinigungskraft, welche allerdings begrenzt ist.

Karlheinz Diethelm Abteilungsleiter Wasser und Stoffe beim Amt für Umwelt AR (Bild: pd)

Karlheinz Diethelm Abteilungsleiter Wasser und Stoffe beim Amt für Umwelt AR (Bild: pd)