APPENZELLERLAND: Die Alpen und ihr Nutzen

Viele Appenzeller Bauernfamilien verbringen seit Generationen jeden Sommer auf der Alp. Der Aufenthalt in der Höhe fördert die Gesundheit der Tiere. Auch der Tourismus profitiert: Die spezielle Form der Bewirtschaftung trägt dazu bei, die typische Kulturlandschaft zu erhalten.

Karin Erni
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Vroni Zellweger verarbeitet die anfallende Milch zu Alpkäse.

Vroni Zellweger verarbeitet die anfallende Milch zu Alpkäse.

APPENZELLERLAND. Rund 20 000 Schweizer Älpler sind dieses Jahr wieder mit ihren Tieren in die Berge gezogen. Auch einige Appenzeller Bauernfamilien verbringen den Sommer auf der Alp. So wie Vroni und Walter Zellweger aus Urnäsch. Sie bewirtschaften die Alpbetriebe Kleinbetten, Grossbetten, Grossbalmen, Dorwees, Nisser, Nosshalden, die an der Süd- und der Westflanke des Kronbergs liegen. Alleine würden sie das nicht schaffen, daher helfen weitere Familienmitglieder mit. Und Arbeit gibt es hier oben mehr als genug. «Wir leben mit dem Tag, stehen um fünf Uhr mit der Sonne auf und gehen um zehn Uhr bei Sonnenuntergang ins Bett. Wir arbeiten viel, aber das traditionelle und einfache Leben in dieser Welt macht Freude. Im Frühjahr mag ich es jeweils kaum erwarten, hinaufzugehen», sagt Vroni Zellweger.

Kühe lieben das Alpleben

Auf den kräuterreichen Weiden sömmern sie während zwölf Wochen 33 Kühe, davon 25 eigene, Rinder, Kälber und Ziegen. Zudem halten sie zwei Pferde mit Fohlen. Die Pferde werden für verschiedene Arbeiten wie Strohtransport, Misten und Jauche ausbringen eingesetzt. Für das Sömmern der Tiere auf der Alp sprächen mehrere Gründe, sagt Walter Zellweger: «Mit dem Alpbetrieb können wir den Heimbetrieb in Urnäsch aufstocken. Will heissen: Während die Tiere sich ihr Futter auf der Alp suchen, kann der Bauer im Tal unten seine Wiesen heuen und so Futter für den Winter sparen. Vroni Zellweger ergänzt: «Für Kühe und Rinder ist die Alp Wellness, sie werden kräftig und robust.» Und es gefällt ihnen offensichtlich: Die alperfahrenen Kühe ziehen jedes Frühjahr mit grossem Drang auf die bekannten Alpweiden.

Alpkäse und Alpschwein

Die Herstellung von hochwertigen Alpprodukten ist für die Alpwirtschaft von zentraler Bedeutung. Auf der Alp Kleinbetten verarbeitet Vroni Zellweger die Milch zu Alpkäse und Butter. Diese Alpprodukte werden auf der Alp, daheim oder auf dem Herisauer Markt verkauft. Mit der anfallenden Schotte und der Buttermilch und etwas Mischfutter werden gegen 20 Alpschweine gefüttert. Ihr Fleisch wird im Herbst als beliebte Spezialität verkauft.

Die Alpwirtschaft trägt wesentlich zur Attraktivität des Appenzellerlandes bei. Die Älplerinnen und Älpler sorgen mit ihrer Bewirtschaftung für eine grosse Pflanzenvielfalt und dafür, dass man hier wandern, biken und Ski fahren kann. Die Alpen prägen unsere Bauernkultur, was vor allem beim «Öberefahre» beim Zauren und «Schelleschötte» gepflegt wird.

Jedes Jahr erholen sich Tausende von Touristen und Wanderer im Alpgebiet. «Sie erfreuen sich an unserer Arbeit, an den Tieren und an der Vielseitigkeit unserer Pflanzenwelt», sagt Walter Zellweger. «Es ist wichtig, dass wir Älpler ein wohlwollendes Verständnis für die Wanderer pflegen, was von diesen auch sehr geschätzt wird.»

Mit dieser monatlichen Artikelserie möchte der Bauernverband die Besonderheiten der Appenzeller Landwirtschaft anhand konkreter Beispiele aufzeigen. Der Bauernverband AR vereinigt 620 Bauernfamilien und vertritt deren Interessen. www.appenzellerbauern.ch

Blick auf die Alp Kleinbetten, wo Vroni und Walter Zellweger aus Urnäsch ihr Vieh sömmern. (Bild: Hansjürg Hörler)

Blick auf die Alp Kleinbetten, wo Vroni und Walter Zellweger aus Urnäsch ihr Vieh sömmern. (Bild: Hansjürg Hörler)