APPENZELLERLAND: Das iPad als Küchenhelfer

Hygiene ist in der Gastronomie ein Dauerthema. In diesem Bereich wollen drei Ostschweizer Kantone eine Pionierrolle spielen. Sie lancieren eine App, mit der sich Mitarbeiter selbst schulen können.
Karin Erni
Petra Hämmerle, Geschäftsführerin der Entwicklungsfirma Konvink, erklärt den Gastropräsidenten von Inner- und Ausserrhoden Stephan Sutter und Markus Strässle die neue Hygiene-Lernplattform. (Bild: Karin Erni)

Petra Hämmerle, Geschäftsführerin der Entwicklungsfirma Konvink, erklärt den Gastropräsidenten von Inner- und Ausserrhoden Stephan Sutter und Markus Strässle die neue Hygiene-Lernplattform. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

«Die Situation ist gut», sagt Kurt Seiler. Er ist Kantonschemiker von Ausser- und Innerrhoden sowie Schaffhausen und als solcher für die Kontrolle der Hygiene in den Gastronomiebetrieben der drei Kantone verantwortlich. Seine Mitarbeiter führten im Jahr 2017 in den 1300 Gaststätten rund 1000 Inspektionen durch und nahmen dabei 900 Proben. Davon mussten sieben Prozent beanstandet werden. Was nach relativ viel tönt, ist gemäss Seiler relativ wenig. «Wir untersuchen in erster Linie heikle Produkte.»

Dennoch will man die Zahlen weiter verbessern. Hilfe leisten soll dabei eine neue Lernplattform, mit der Mitarbeitende aus der Gastronomie ihre Hygienekenntnisse verbessern können. Das Lebensmittelinspektorat hat die Software bei der Schaffhauser Firma Konvik in Auftrag gegeben. Die Kosten betragen für die drei Kantone 30'000 Franken. Das sei günstig, erklärt Seiler. «Den Rest der Kosten trägt die Entwicklerfirma. Diese behält im Gegenzug das Recht, die Plattform ausserhalb der drei Kantone zu vermarkten.» Die Gastronomiebetriebe von Ausser- und Innerrhoden und Schaffhausen können die neue Software gratis nutzen. «Die neue App soll einen spielerischen und niederschwelligen Zugang zur Materie vermitteln», so Seiler. Trotz kantonal unterschiedlicher Anforderungen (Innerrhoden kennt noch immer die Wirteprüfung, Ausserrhoden hat diese abgeschafft) wolle man damit einen gemeinsamen minimalen hygienischen Standard setzen.

Gastronomie ist Problembranche

Die Gastronomiebetriebe stehen unter grossem wirtschaftlichen Druck. Der Fachkräftemangel im Gastgewerbe nimmt kontinuierlich zu, was zu einem intensiveren Schulungsaufwand für die Unternehmer führt. Unter den Mitarbeitenden finden sich viele Fremdsprachige und Quereinsteiger. Hier setze die Hygiene-Lernplattform an, erklärt Christian Wagner, Leiter der Lebensmittelinspektorate. Grundlage bilden die WHO-Hygieneregeln «Fünf Schlüssel zu sicheren Lebensmitteln.» Aus diesen Punkten und aus dem Wissen der Lebensmittelkontrolle, wo die meisten Fehlerquellen liegen, entstanden 25 kurze Videosequenzen. Diese sind bewusst sprachunabhängig gestaltet. Gearbeitet wird mit verständlichen Symbolen. Die Begleittexte zu den Videos wurden in zehn Sprachen übersetzt. Den Lerneffekt kann jeder Anwender selber durch einen Test überprüfen. Weiter bietet die App Merkblätter und Formulare zum Herunterladen.

Keine Konkurrenz zu Kursen der Gastroverbände

Die Gastropräsidenten der beiden Appenzell zeigen sich denn auch sehr erfreut über das neue Angebot. Markus Strässle von Gastro Appenzellerland AR sagt: «Da wir keine Grundausbildung mehr haben, sind wir froh, auf dieses Angebot zurückgreifen zu können.» Für Stephan Sutter von Gastro AI stellt das Angebot eine Entlastung der Gastwirte bei der Mitarbeiterschulung dar. «Wir haben bei uns viele fremdsprachige Saisonniers.» Auch die Lebensmittelkontrolleure erhoffen sich eine Vereinfachung ihrer Arbeit. So werden in zwei Videos die Untersuchungs- und Inspektionsberichte erklärt. Bei konkreten Beanstandungen könnten die Kontrolleure den Mitarbeitern des Gastronomiebetriebs das entsprechende Lernvideo vorführen, so Kurt Seiler. «Wir sind aber keine Berater, sondern immer noch Kontrolleure.»

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