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APPENZELLERLAND: Bauboom mit Folgen: 500 Wohnungen stehen leer

Der Bauboom hat Folgen: Die Leerstände ziehen auch in der Region an. Besonders betroffen ist Waldstatt. In Ausserrhoden kommt ein spezifisches Problem dazu.
Jesko Calderara
Immer mehr Objekte auf dem Ausserrhoder Immobilienmarkt finden keinen Käufer oder Mieter. (Bild: Urs Jaudas)

Immer mehr Objekte auf dem Ausserrhoder Immobilienmarkt finden keinen Käufer oder Mieter. (Bild: Urs Jaudas)

Jesko Calderara

jesko.calderara

@appenzellerzeitung.ch

In Appenzell Ausserrhoden stehen 2017 mehr Wohnungen leer als ein Jahr zuvor. Dies zeigen die Zahlen des Bundesamts für Statistik, die jährlich jeweils am 1. Juni erhoben werden. Demnach ist die sogenannte Leerwohnungsziffer um 0,3 auf 2,02 Prozent angestiegen. Vor fünf Jahren lag sie noch bei 1,68 Prozent. Die Kennzahl gibt an, wie viele Einfamilienhäuser, Eigentums- und Mietwohnungen prozentual vom Gesamtbestand zum Verkauf oder zur Miete ausgeschrieben sind. Gemäss der diesjährigen Statistik sind in Ausserrhoden rund 500 Wohnungen und knapp 90 Häuser davon betroffen. Die Leerwohnungszählung bezieht sich auf denjenigen Teil des Wohnungsangebots, für den nicht sofort eine Nachfrage vorhanden ist. Im Zeitverlauf ist die Leerwohnungsziffer ein Indikator für Ungleichgewichte im Wohnungsmarkt.

Seit Jahren sind die Leerstände in Ausserrhoden höher als im Schweizer Durchschnitt. So betrug die Leerstandquote 2016 landesweit 1,3 Prozent – allerdings mit steigender Tendenz. Für den UBS-Immobilienanalysten Maciej Skoczek ist die Situation in Ausserrhoden trotzdem noch nicht besorgniserregend. «In ländlichen Gegenden gibt es strukturell höhere Leerstände als in boomenden Städten wie Zürich.» Dort stehen zurzeit nur 0,5 Prozent aller Wohnungen leer. Skoczek verweist in diesem Zusammenhang auf einige Aargauer Gemeinden, wo bis zu fünf Prozent aller Objekte auf Käufer oder Mieter warteten. So gesehen stehe Ausserrhoden besser da.

Gesättigte Nachfrage nach teuren Objekten

Vermehrt warnen Experten vor den Risiken auf dem Immobilienmarkt. Ernst Bischofberger ist ein profunder Kenner der Verhältnisse im Appenzellerland. Der Präsident des Hauseigentümerverbands Appenzell Ausserrhoden relativiert die Befürchtungen, wonach ein Überangebot droht. «In der Region wird nicht auf Halde gebaut», sagt Bischofberger. Vielmehr habe es im Kanton aufgrund der alten Bausubstanz einen Nachholbedarf gegeben. Die Frage bleibe offen, wann die Nachfrage nach Neubauwohnungen gesättigt sei. Bei teuren Immobilien habe man diesen Punkt bereits erreicht, sagt Bischofberger. «Allgemein sind die Käufer kritischer geworden.» Das Preis-Leistung-Verhältnis müsse stimmen. Einen starken Einbruch auf dem Wohnungsmarkt erwartet er noch aus einem weiteren Grund nicht. Grosse institutionelle Investoren wie Pensionskassen hätten die Region kaum auf dem Radar. Daher gebe es keine ausgeprägten Schwankungen.

Die höchste Leerstandsziffer aller Ausserrhoder Gemeinden weist dieses Jahr Waldstatt mit 3,62 Prozent aus. Aber selbst in Orten wie Teufen und Herisau gibt es verhältnismässig viele Wohnungen auf dem Markt. Das Problem, nicht nur in diesen Gemeinden, seien vor allem die Altbauten, gibt Bischofberger zu bedenken. «Sanierungsbedürftige Wohnungen ohne Balkon und mit schlechter Raumaufteilung lassen sich kaum vermieten.» Dies zeigen auch die statistischen Zahlen. Demnach sind nur 90 der freien Objekte im Kanton neu erstellte Wohnungen.

Keine leeren Wohnungen in Trogen

Am anderen Ende der Rangliste sind die Mittelländer Gemeinden Trogen und Gais zu finden. Dort ist kaum freier Wohnraum zu finden, und der Immobilienmarkt entsprechend ausgetrocknet.

Maciej Skoczek erwartet in Zukunft landesweit einen weiteren Anstieg der Leerstände. Er begründet seine Einschätzung mit der regen Bautätigkeit. Noch immer würden jährlich rund 5000 Wohnungen gebaut, sagt der UBS-Immobilienanalyst. Gleichzeitig sinke aber die Nachfrage, nicht zuletzt aufgrund der rückläufigen Einwanderung.

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