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APPENZELLERLAND: Auszeichnung für Alte Drogerie

Laut dem Verein Appenzellerhaus heute gehen traditionelle appenzellische Gebäude im Dorfbild unter. Beliebt sind moderne Bauten, die überall stehen könnten. Der Verein prämierte zwei Gebäude, die diesem Trend etwas entgegensetzen.
Lisa Wickart
Der Verein Appenzellerhaus heute prämierte die Alte Drogerie mit 10 000 Franken. (Bild: LIW)

Der Verein Appenzellerhaus heute prämierte die Alte Drogerie mit 10 000 Franken. (Bild: LIW)

«Das ist ein perfektes Beispiel für andere Gemeinden», sagt Lorenz Tanner, Aktuar des Vereins Appenzellerhaus heute. Gemeint ist die Alte Drogerie in Trogen, die gestern vom Verein mit 10000 Franken prämiert wurde. Auch Uschi und Hans Steingruber erhielten für ihr Haus in Urnäsch den Anerkennungspreis. Grund für die Prämierung: die beispielhafte Erhaltung der Appenzeller Baukultur.

Vor zwei Jahren begann der Umbau der Alten Drogerie. Das Ziel: ein Mehrgenerationenprojekt, dass der Appenzeller Tradition treu bleibt. Moderne Elemente wurden mit Tradition vermischt. Die alte Schindelfassade wurde beibehalten. An die Fassade wurde ein freistehender moderner Balkon geschraubt. Neben dem holzigen Treppenhaus wurde ein Lift eingebaut. Auf dem Schindeldach wurden Solarpenals angebracht. Im Untergeschoss sind traditionelle Butzenscheiben zu sehen. Am Haus liegt eine alte Remise an. Sie wird vom Nachbar genutzt und darum so belassen. «Wir haben eng mit der Denkmalpflege zusammengearbeitet», sagt die Architektin Dorothee Bachmann. Die Balkone seien jedoch ein Diskussionspunkt gewesen. «Wir konnten uns nun darauf einigen, dass die Balkone farblich an die Fassade angepasst werden», so Bachmann. Die Besonderheit der Wohnungen: Eine grosse Wohnfläche mit wenig Räumen. «Es ist ein ungewöhnliches Haus und das braucht ungewöhnliche Mieter», sagt Dorothee Bachmann und schmunzelt.

Traditionelles Gebäude aus dem 17. Jahrhundert

Umgebaut hat das Gebäude die Genossenschaft Mehrgenerationen Ost. «Die Genossenschaft ist gemeinnützig. Dieses Modell ist nicht üblich in der Ostschweiz», sagt Bachmann. «Die Alte Drogerie war unser Pilotprojekt. Wir sind mit 700 Franken gestartet. Durch Investoren konnten wir das Projekt schliesslich umsetzen. Momentan zählen wir 30 Genossenschafter, die uns helfen, neue Mehrgenerationenprojekte zu finanzieren. Unser aktuelles Projekt steht in Rehetobel.» Im Untergeschoss des Hauses in Trogen befindet sich ein Gemeinschaftsraum, eine Gemeinschaftsküche und der alte Ladenraum, der gemietet werden kann. «Unsere Idealvorstellung eines Mehrgenerationenhauses ist, dass das Leben dort stattfindet, wo man wohnt. Ein Atelier, Büro oder Werkstatt soll im Wohngebäude entstehen», begründet Bachmann diese Entscheidung. Der Alten Drogerie wird eine Legende nachgesagt: Der Cousin von Johann Caspar Zellweger, dessen Name unbekannt ist, soll die Alte Drogerie im 17. Jahrhundert gebaut haben. Da das imposante Gebäude von Johann Caspar Zellweger – der bekannte Fünfeckpalast in Trogen – ihm die Sonne stahl, fasste der Verärgerte einen Entschluss: Er liess das Haus so hoch bauen, dass Johann Caspar Zellweger die Seesicht verwehrt wurde.

Neubau im Stil eines alten Bauernhauses

Das zweite Projekt, das vom Verein Appenzellerhaus heute prämiert wurde, steht in Urnäsch. Auf dem Grundstück Widen 199 stand noch vor drei Jahren ein ­altes Bauernhaus mit einem Schweinestall. Vor acht Jahren wurde der Stall zu einem Bürotrakt umfunktioniert. Es stellte sich dann die Frage, was mit dem Wohnhaus passieren sollte. «Die Raumeinteilung war sehr ungünstig. Unser Plan war es, aus dem Bauernhaus ein Einfamilienhaus zu schaffen. Dafür war das alte Gebäude aber schlicht zu klein», sagt Uschi Steingruber, Eigentümerin des Hauses. An das Haus wurden über die Jahre immer mehr Elemente angebaut. «Ein Umbau war in unseren Augen nicht der richtige Weg. Darum entschieden wir uns, das Haus abzubrechen und neu aufzubauen», sagt Steingruber. Das Wohnhaus wurde ganz im Stil des alten Bauernhauses errichtet. Der grösste Unterschied seien die Dimensionen. Durch grosse Schiebefenster kommt mehr Licht in die Räume. Der hintere Teil des Stalls wird heute noch als Schafstall genutzt.

Der Verein Appenzellerhaus heute vergibt jährlich ein bis zwei Anerkennungspreise von 10 000 bis 20 000 Franken an Hauseigentümer. Prämiert werden Neu- und Umbauten von ­Appenzellerhäusern. Hauseigentümer können sich selbst für die Prämierung anmelden. Der Verein fördert Bauten nach Appenzellischer Baukultur. «Das Appenzellerland wird immer gesichtsloser. Uniforme Häuser, die überall stehen könnten, nehmen Überhand. Tra­ditionelle Appenzellerhäuser ­gehen im Dorfbild unter. Wir wollen diesem Trend etwas ­ent­gegensetzen», sagte Lorenz Tanner.

Tradition wird mit modernen Elementen vermischt. (Bild: LIW)

Tradition wird mit modernen Elementen vermischt. (Bild: LIW)

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