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APPENZELLERLAND: Ammoniak ist der Blumen Tod

Dank umweltfreundlicherer Heizsysteme und Autos wird unsere Luft immer sauberer. Hoch bleibt hingegen die Ammoniakbelastung. In der Pflicht steht hier die Landwirtschaft.
Karin Erni
Artenreiche Blumenwiesen gibt es heute nur noch in den höheren Lagen des Appenzellerlandes. (Bild: ©appenzell.ch)

Artenreiche Blumenwiesen gibt es heute nur noch in den höheren Lagen des Appenzellerlandes. (Bild: ©appenzell.ch)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Wer in der Ostschweiz wohnt, kennt das typische Sommerproblem: Kaum ist die Kohle für den Grillabend angezündet oder die frisch gewaschene Wäsche an der Leine aufgehängt, weht von irgendwoher penetranter Güllegeruch, der schlimmstenfalls einen Rückzug in die eigenen vier Wände nötig macht.

Was unsereinem einfach nur stinkt, hat für die Natur ernsthafte Konsequenzen: Der in der Gülle enthaltene Ammoniak geht je nach Temperatur mehr oder weniger stark in die Luft über und entfaltet seine Wirkung an Orten, wo dies nicht erwünscht ist. «Ammoniakverluste aus der Landwirtschaft gefährden naturnahe Ökosysteme durch den hohen Stickstoffeintrag und tragen zur Versauerung von Böden bei. Betroffen sind insbesondere sensible Gebiete wie Wälder, Moore, Feuchtgebiete sowie artenreiche Trockenwiesen und Weiden», schreibt die Luftqualitätsüberwachung Ostluft in ihrem aktuellen Bericht zur Luftqualität in der Ostschweiz. Dort ist auch zu lesen, dass die Landwirtschaft mit über 90 Prozent an den Ammoniakemissionen beteiligt ist.

Es wachsen die «falschen» Pflanzen

«Der im Ammoniak enthaltene Stickstoff fördert das Pflanzenwachstum», erklärt Andres Scholl, Leiter der Fachstelle Natur und Landschaft von Appenzell Ausserrhoden. Wiesenblumen wie Margeriten, Wiesensalbei, Thymian oder Habermark sind dagegen auf eher magere Böden angewiesen. Sie werden von stickstoffliebenden Arten wie Gras oder Löwenzahn verdrängt. Doch das sind nur die sichtbaren Folgen der ungewollten Düngung über die Luft. Der hohe Stickstoffeintrag habe auch einen Einfluss auf das Bodenleben, so Scholl. «Gerade das Ökosystem Wald reagiert empfindlich auf Veränderungen. Bäume und Pilze können gewisse Nährstoffe nur noch unzureichend aufnehmen, was zu Krankheiten führt.»

Das Problem sei erkannt und es werde auch schon seit längerem etwas dagegen unternommen, sagt Peter Federer vom Ausserrhoder Amt für Umwelt. Ausserrhoden habe gemeinsam mit dem Bund in den Jahren 2010 bis 2016 ein Projekt zur Verminderung des Ammoniakeintrages in der Landwirtschaft durchgeführt. «Wir haben viel Öffentlichkeitsarbeit bei den Landwirten geleistet und sie über die bodennahe Ausbringung der Gülle mittels Schleppschläuchen informiert. Der Einsatz dieser Geräte wurde finanziell unterstützt. Diese Massnahmen hätten eine Verringerung des Ammoniakeintrages in die Umwelt um zehn Prozent bringen sollen», so Federer. Trotz der finanziellen Förderung von betrieblichen und baulichen Massnahmen habe keine klare Abnahme der Ammoniakbelastung festgestellt werden können. «Die Reduktion um zehn Prozent kann messtechnisch über die Messdauer nicht klar nachgewiesen werden, dazu braucht es mehr Messjahre oder stärkere Reduktionen», so Federer.

Andere Länder machen vor, wie das gelingen könnte. Dänemark zum Beispiel hat etwa dieselbe Viehdichte wie die Schweiz, aber emittiert im Verhältnis nur gut die Hälfte an Ammoniak in die Luft. Möglich wurde dies – wenig erstaunlich – durch Zwang. Weil die freiwilligen Massnahmen nicht genügend Erfolg brachten, wurden sie per Gesetz für obligatorisch erklärt.

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