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APPENZELLERLAND: Am Ende zählt ein grosses Herz

Der Ausserrhoder Filmemacher Thomas Lüchinger hat einen Film über die Begleitung von Sterbenden gedreht. Das hat auch in ihm viele Gedanken und Emotionen ausgelöst.
Roger Fuchs
Das Bewusstsein der Endlichkeit treibt Thomas Lüchinger an, Träume zu verwirklichen. (Bild: Roger Fuchs)

Das Bewusstsein der Endlichkeit treibt Thomas Lüchinger an, Träume zu verwirklichen. (Bild: Roger Fuchs)

APPENZELLERLAND. Vier Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die Menschen in der letzten Lebensphase begleiten, stehen im Zentrum von «Being there – da sein». So heisst der neue Film des 63jährigen Thomas Lüchinger aus der Lustmühle. «Ich will die Menschen zum Nachdenken bringen», sagt er. «Unter anderem darüber, ob sie auch selbst in der Lage wären, bei Sterbeprozessen wertfrei, offen, feinfühlig und akzeptierend mit allen Gefühlen einfach nur da zu sein. Überdies macht der Film den Wert von freiwillig Engagierten bei Palliativorganisationen und Hospizdiensten sichtbar.» Lüchinger nennt sie «die Heldinnen und Helden des Alltags», würden sie doch ein Sterben in vertrautem Rahmen ermöglichen. Angehörige fehle beim heutigen Stress oft die für die Begleitung notwendige Zeit.

Vier Jahre hat Thomas Lüchinger am Film gearbeitet. Seine Protagonisten traf er in den USA, Nepal, Brasilien und in der Schweiz. Um sich emotional auf das Thema vorzubereiten, hat er selbst ein Seminar in Sterbebegleitung besucht. Auslöser für den Film war die Begleitung seiner Mutter während der letzten Stunden des Daseins. «Da kam in mir die Frage auf, wen ich in derselben Situation an meiner Seite wissen möchte.» Seine Antwort heute: Alle im Film vorgestellten Sterbebegleiterinnen und -begleiter kämen für ihn in Frage. «Am Schluss zählt primär die Tatsache, dass sich Begleitende Zeit nehmen, wirklich präsent zu sein. Und dass sie ein grosses Herz haben.»

Aus Respekt nie Moment des Sterbens gefilmt

Mit Nepal hat Thomas Lüchinger auch den buddhistischen Kulturkreis in seinen Film eingebunden – ein bewusster Entscheid. Hier würde sich der Sterbeprozess nicht im Versteckten abspielen. Nie mehr vergessen wird der Filmemacher den Besuch im Pashupatinath-Tempel, wo 24 Stunden am Tag öffentliche Kremationen stattfinden. Bis zu 300 Menschen seien im Durchschnitt anwesend und würden das Geschehen mitverfolgen. «Dabei läuft alles würdig und feierlich ab», sagt Thomas Lüchinger. Ein weiterer Unterschied manifestiert sich darin, dass in Nepal Angehörige von Sterbenden im Hospiz schlafen und essen. Kinder spielen auf Betten von Sterbenden Computerspiel. Weder in Nepal noch in den anderen Kulturen hat Thomas Lüchinger den Moment des Sterbens gefilmt. «Der Fokus liegt klar auf den Begleitenden und auf dem Umgang mit der Realität des Sterbens.»

Die Filmarbeit hat auch in Thomas Lüchinger einiges ausgelöst. «Es ist wichtig, sich immer wieder bewusst zu werden, dass das Leben endlich ist», sagt er. Dieses Bewusstsein versuche er in seine alltäglichen Entscheide einzubinden. Angesichts der beschränkten Lebenszeit sei es ihm heute wichtiger denn je, Träume auch zu verwirklichen. Ein solcher Traum sei beispielsweise, nochmals nach Nepal zu fliegen und dort einen weiteren Film zu drehen. Zudem nehme er sich mehr Zeit für Freundschaften und er sei gelassener geworden, wenn ihn Dinge aufregen würden. Letztlich hat sich mit dem Film auch sein Verhältnis zum Tod verändert. Bislang habe das Sterben für ihn etwas Herbstliches gehabt. «Während der Filmarbeit habe ich das Gefühl bekommen, dass der Sterbeprozess viel näher beim Frühling liegt», sagt Thomas Lüchinger. «Ich habe Sterben und Tod nicht als etwas Schlimmes erlebt, sonders als etwas Natürliches. Und dies mit dem ganzen Spektrum an Gefühlen.»

Der Film läuft dieser Tage schweizweit an. Premiere im Cinetreff Herisau in Kooperation mit Palliative Ostschweiz ist am 4. November, 20 Uhr. Thomas Lüchinger ist anwesend. Am 11. Dezember, 10 Uhr, Matinée im Kino Rosental Heiden. Alle Daten unter www.being-there.ch

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