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«Ehrenamtliche Arbeit mit Füssen getreten»: Im Appenzellerland gibt es Ärger um den Abtransport von Dampflok Madlaina

Der Montag war für hiesige Eisenbahn-Nostalgiker ein schwarzer Tag. Die Dampflok Madlaina, die jahrzehntelang auf dem Netz der Appenzeller Bahnen (AB) verkehrte, wurde frühmorgens von einem Tieflader am Bahnhof Herisau abgeholt. Vorausgegangen war der Aktion eine längere Auseinandersetzung.
Karin Erni
Einige Mitglieder des Dampfloki-Vereins Appenzeller Bahnen posieren noch ein letztes Mal mit der Lok Madlaina, in die sie unzählige Arbeitsstunden investiert haben. (Bild: Karin Erni)

Einige Mitglieder des Dampfloki-Vereins Appenzeller Bahnen posieren noch ein letztes Mal mit der Lok Madlaina, in die sie unzählige Arbeitsstunden investiert haben. (Bild: Karin Erni)

«Es isch e Sünd, da me sonebes weggeh muess», sagt der Innerrhoder alt Regierungsrat Alfred Wild mit Wehmut in der Stimme, als die Dampflok Madlaina ein letztes Mal aus dem Herisauer Depot geschoben wird. Sie ist verkauft worden und soll ab nächstem Jahr Touristen und Ausflügler durch den Jura ziehen.

Der «Dampfloki-Verein Appenzeller Bahnen» als Besitzer der Lokomotive hatte keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als die Lok zu verkaufen, wie aus den Protokollen der letzten Hauptversammlung ersichtlich ist. Im Jahresbericht schrieb Präsident Andreas Schaad:

«Wenige Wochen vor dem auch den AB bekannt gegeben Termin des Probeheizens wurde die Drehscheibe im Bahnhof Herisau entfernt, das Loch verfüllt und zugeteert.»

Dies sei unsachgemäss passiert und vieles kaputt gemacht worden. Ohne eine solche Drehscheibe kann eine Dampflok nicht eingesetzt werden, da sie nach jeder Fahrt gewendet werden muss.

«Uns ist ein Verkehren auf dem Schienennetz der AB faktisch verwehrt geblieben», schreibt der Präsident. Auch sei eine seit Jahren versprochene Wartungsgrube für die Lok nie realisiert worden. Der Verein hat daraufhin den AB beschieden, auf eine weitere Zusammenarbeit zu verzichten.

«Wer jahrelange ehrenamtliche Arbeiten für den Tourismus mit Füssen tritt, dem scheint es auch ohne uns gut genug zu gehen», schreibt Schaad frustriert.

Appenzeller Bahnen sehen Sache anders

Dass die Drehscheibe zerstört wurde, stimme nicht, entgegnet AB-Direktor Thomas Baumgartner.

«Sie liegt demontiert auf unserem Depotgelände und wir liefern sie bei Bedarf an jeden gewünschten Ort.»

Der Abbau der Drehscheibe sei wegen der geplanten Arealentwicklung des Bahnhofs Herisau nötig geworden. «Dort verschieben wir die Geleise und verlegen unsere Werkstatt nach Appenzell.» Der richtige Ort für die Drehscheibe wäre ohnehin Gossau, fügt Baumgartner an. «Es braucht sie an den Endstationen, die andere befindet sich ja in Wasserauen.»

Die AB hätten dem Verein auch ihre eigenen Unterhaltsanlagen zur Verfügung gestellt, damit sie diese nutzen könnten, so Baumgartner. «Wir haben das im Rahmen der Möglichkeiten wiederholt angeboten.»

Die Appenzeller Bahnen hätten generell kein Interesse an Dampffahrten, weil sie den Betrieb stören, mutmasst man dagegen beim Dampfloki-Verein. Das stimme so nicht, sagt Baumgartner.

«Wir haben zwar einen anspruchsvollen Taktfahrplan, aber man würde sicher ein paar Zeitfenster für Dampffahrten finden.»

Aber solche Fahrten müssten aktiv vermarktet werden und das sei schwierig für einen Verein. Zudem seien die Vorschriften und Anforderungen an einen Dampfbetrieb sehr hoch. Nicht zuletzt mangle es auch an ausgebildeten Dampflokführern.

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzellerl Bahnen. (Bild: Ralph Ribi)

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzellerl Bahnen. (Bild: Ralph Ribi)

Auch die Dampflok Rosa, die zwischen Rorschach und Heiden verkehrt sei, würden die AB gerne wieder ins Programm aufnehmen, versichert Baumgartner. «Sie ist jedoch defekt. Der Verein, dem sie gehört, klärt derzeit ab, ob und wie sie repariert werden könnte.»

Die Appenzeller Bahnen hätten durchaus Interesse an historischem Bahnmaterial, so Baumgartner weiter. «Wir haben eigens eine Stiftung gegründet, die historische Fahrzeuge betriebsfähig hält und in Stand stellt. Da die Lok Madlaina aber keine Originallok der Appenzeller Bahnen ist, entspricht sie nicht dem Stiftungszweck und kommt daher dafür nicht in Frage.»

Madlainas bewegte Geschichte

Die Dampflok G ¾ Nr. 14 verliess 1902 die Lokomotivfabrik Winterthur und stand lange Jahre bei der Rhätischen Bahn im Einsatz. Weil bei den Appenzeller Bahnen der Wunsch nach Dampffahrten bestand, aber die letzten eigenen Lokomotiven, die «Säntis» und die «Altmann» lange zuvor nach Abessinien verkauft worden waren, kaufte der Dampfloki-Verein AB im Jahr 1972 ein revisionsbedürftiges Fahrzeug von der Rhätischen Bahn.

Die Lok wurde aufgerüstet und auf den Namen Madlaina getauft. 1974 unternahm sie ihre Jungfernfahrt im Appenzellerland und wurde überall begeistert empfangen, wie zahlreichen Medienberichten aus jener Zeit zu entnehmen ist.

Ein Bild aus besseren Tagen: Die Lokomotive Madlaina dampfte jahrzehntelang durchs Appenzellerland. (Bild: PD)

Ein Bild aus besseren Tagen: Die Lokomotive Madlaina dampfte jahrzehntelang durchs Appenzellerland. (Bild: PD)

Von 1974 bis 2003 war sie regelmässig unterwegs. In den 70er- und 80er-Jahren konnten zwischen 30 und 40 Fahrten jährlich durchgeführt werden. Doch immer wieder waren teure Reparaturen und Revisionen fällig. Um Kosten zu sparen, leisteten die Mitglieder des Vereins unzählige Arbeitsstunden an Fronarbeit. Weil nach 2003 im Appenzellerland keine Fahrten mehr möglich waren, wurde die Lok im Jahr 2015 an den Partnerverein «Ballenberg-Dampfbahn» ausgeliehen.

Neue Heimat in der Westschweiz

Ab nächstem Jahr soll Madlaina regelmässig durch den Jura dampfen. Sie wurde für einen eher symbolischen Preis an die nicht gewinnorientierte Firma La Traction SA verkauft. Diese hat den Zweck, Publikumsfahrten mit historischem Rollmaterial durchzuführen. Im Protokoll heisst es:

«Dort ist Madlaina nicht nur geduldet, sondern erwünscht.»

Ein kleiner Trost bleibt den Vereinsmitgliedern: Sie haben sich das Recht gesichert, an zwei exklusiven Sonderfahrten mit Madlaina in deren neuen Heimat teilnehmen zu können. Die beiden historischen Bahnwagen, die der Verein noch besitzt, übergibt er der Stiftung Historische AB samt 20'000 Franken. Bedingung ist, dass das Geld für die Aufarbeitung der Waggons verwendet wird.

Der Dampfloki-Verein wird anschliessend liquidiert. Ein Teil des Vereinsvermögens von derzeit 48'000 Franken wird im Sinne der Stiftungen verwendet, die den Verein finanziell unterstützt haben. Die Mitglieder wollen anschliessend eine Interessengemeinschaft gründen, die das Vorkaufsrecht auf die Lokomotive hält, falls die Jurassier sie doch nicht behalten wollen. Für einige ist das durchaus vorstellbar: «Ich bin gespannt, wann wir sie wieder zurückholen», sagt eines der Vereinsmitglieder hoffnungsvoll, als der Lastwagen mit der aufgeladenen Lokomotive Richtung Autobahn davonfährt.

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