APPENZELLER ZWEIERBOB: Projekt Olympia-Bob auf Eis gelegt

Der Olympia-Express mit Beat Hefti und Alex Baumann schien für die Saison 2017/18 aufgegleist, doch der Appenzeller Zweierbob erlebt in Pyeongchang wohl doch kein Comeback.

Urs Huwyler
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Die Appenzeller Beat Hefti und Alex Baumann gewann an den letzten Olympischen Spielen gemeinsam die Silbermedaille. (Bild: UHU)

Die Appenzeller Beat Hefti und Alex Baumann gewann an den letzten Olympischen Spielen gemeinsam die Silbermedaille. (Bild: UHU)

Urs Huwyler

redaktion

@appenzellerzeitung.ch

Das Bobteam Hefti befindet sich in der ersten Phase der Vorbereitung für die Olympia-Saison 2017/18. Thomas Lamparter (Chef Leistungssport Swiss Sliding/Bobverband) hat in der Vergangenheit wiederholt betont, für die Winterspiele in Pyeongchang stehe einzig und allein der Erfolg im Zentrum. Anscheinend setzt der Verband dabei voll auf Rico Peter und nicht auf den vierfachen Medaillengewinner Beat Hefti aus Schwellbrunn.

Denn Lamparter verkündete an einer Sitzung mit den Piloten sowie Vertretern des Bobverbandes und von Swiss Olympic, dass alles für Rico Peter getan werde. Der Aargauer sollte auch im Zweier gesetzt werden. Dabei zählten in der Saison 2016/17 laut Selektionskonzept eigentlich die WM und der Weltcup in Pyeongchang als Selektionswettkämpfe. Beat Hefti (15./18.) war zweimal schneller als Peter (16./23.). Bei der Olympia-Hauptprobe in Südkorea hatte der Aargauer den zweiten Durchgang sogar verpasst.

Beat Hefti verlangt faire Chance

«Eine Bevorzugung wäre daher seltsam», findet Beat Hefti und steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Dem Slogan «Wir wollen fairen Sport» folgend müsste nach Ansicht des Schwellbrunners die Chancengleichheit gewährt sein. Ein denkbares Szenario: Wer sich im Weltcup oder an der WM mit einem Schweizer Anschieber – Rico Peter setzte mehrfach einen Holländer ein – unter den Top 8 (Diplomplatz) klassiert, hat das Olympia-Ticket gelöst. «Bei zwei Quotenplätzen müssten danach die Quervergleiche unter den andern Teams über die Nomination entscheiden», sagt Hefti.

Mit Rico Peter und Beat Hefti verfügt die Schweiz über zwei Spitzenpiloten. Die interne Nummer drei, der 30-jährige «Nachwuchspilot» Clemens Bracher, muss als Athlet der Gruppe zwei (Athleten mit mittelfristigem Medaillen-/Diplompotenzial) zwei Top-16-Ränge erreichen, Beat Hefti den Zweier dagegen zweimal unter die besten Acht steuern, um die Selektion zu rechtfertigen. «Wenn wir die gleichen Weltcup-Resultate vorzuweisen haben, soll unter den über Dreissigjährigen der weniger alte Pilot selektioniert werden», sagt der Appenzeller. Fakt ist aufgrund der Leistungstests, dass Beat Hefti athletisch der leistungsstärkste Pilot ist. Fakt ist zudem: Hefti hat seine Klasse wiederholt im Zweier und Vierer unter Beweis gestellt.

Verstärkung durch einen zusätzlichen Anschieber

Das Problem besteht nicht in der Olympia-Selektion (Zuständigkeit: Swiss Olympic), sondern bei der Saisonplanung von Swiss Sliding. Auf einzelnen Bahnen ist es einfacher, ein gutes Resultat zu erzielen als auf andern. Direktvergleiche der Kandidaten auf der gleichen Bahn sind gefragt. Die Erkenntnis, nicht auf den schnellsten und erfahrensten Zweierpiloten verzichten zu können, dürfte sich auch beim Schweizer Bobverband irgendwann durchsetzen.