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Nächster Halt Ouagadougou: Appenzeller Züge fahren bald in Afrika

Von Burkina Faso in die Elfenbeinküste statt von Gossau nach Wasserauen: Am Dienstag wurde das erste nach Afrika verkaufte Fahrzeug der Appenzeller Bahnen abtransportiert.
Karin Erni
Passanten machen ein letztes Bild vom Bahnwagen, der die Werkstatt in Gais auf der Strasse verlässt. Bild: Karin Erni

Passanten machen ein letztes Bild vom Bahnwagen, der die Werkstatt in Gais auf der Strasse verlässt. Bild: Karin Erni

Es «sträzt» wie aus Kübeln, als der belgische Tieflader am frühen Dienstagmorgen bei der Werkstatt der Appenzeller Bahnen (AB) in Gais vorfährt. Nicht nur der Himmel weint, auch der eine oder andere Bahnmitarbeiter wirft einen traurigen Blick in Richtung der bereitstehenden Bahnwagen. Zwischen 35 und 55 Jahren sind sie auf dem Schienennetz der AB verkehrt. Sie wurden gut gewartet und sind technisch in einwandfreiem Zustand. Doch nun sind sie nicht mehr zeitgemäss und wurden durch neue Fahrzeuge ersetzt.

Doch die alten Kompositionen erhalten in Afrika ein zweites Leben. Sie werden zwischen Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, und Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, verkehren. Dreimal pro Woche soll der Zug die 1200 Kilometer lange Strecke zwischen dem Atlantik und dem Innern Westafrikas in 18 Stunden Fahrt absolvieren. Weil die Strecke nicht elektrifiziert ist, werden die Züge durch Diesellokomotiven amerikanischer Bauart angetrieben. Damit alles zusammenpasst, erhalten die Fahrzeuge in Frankreich ein sogenanntes «Refit», das heisst sie werden auf die neuen Verhältnisse umgerüstet. Unter anderem werden die alten Wagen auch mit einer Klimaanlage ausgestattet. Dazu werden in den nicht mehr benötigten Triebwagen entsprechende Aggregate eingebaut.

Eine Delegation der Bahnbetriebe der Elfenbeinküste sowie von Burkina Faso war bei den Appenzeller Bahnen. Bild PD

Eine Delegation der Bahnbetriebe der Elfenbeinküste sowie von Burkina Faso war bei den Appenzeller Bahnen. Bild PD

Verkauf ins Ausland als gute Lösung

Eine Delegation der Bahnen der Elfenbeinküste sowie von Burkina Faso besuchte im Februar dieses Jahres die Appenzeller Bahnen und begutachtete die Züge in der Werkstatt Herisau. Anschliessend unterzeichneten die Parteien einen Kaufvertrag. Die insgesamt 15 Wagen und Triebwagen werden zwischen August und September abtransportiert. Von Frankreich aus werden sie auf dem Seeweg nach Westafrika überführt. Es sind die letzten nicht mehr benötigten Fahrzeuge, welche die Appenzeller Bahnen im Rahmen ihrer Modernisierung veräussert haben. Die fünf ehemaligen Fahrzeuge der Linie St. Gallen-Trogen stehen bei den Transports Publics Neuchâtelois demnächst im Einsatz. Alte Kompositionen der Linie St. Gallen-Gais-Appenzell haben im Tirol bei der Achenseebahn eine neue Heimat gefunden. Über die Höhe der jeweiligen Kaufpreise wurde Stillschweigen vereinbart.

Kein einfacher Transport auf der Strasse

Weil die Appenzeller Bahnen auf einer sogenannten Meter- oder Schmalspur verkehren, können die verkauften Züge nicht auf der Schiene wegbewegt werden, sondern müssen auf Strassenfahrzeuge verladen werden. Für diesen Verlad kommt nur die Werkstatt in Gais in Frage, weil dort ein derart grosser Lastwagen überhaupt vorfahren kann. Den Afrika-Auftrag führt ein belgisches Transportunternehmen aus. Es stellte sich jedoch für dieses als nicht ganz einfache Aufgabe heraus, mit dem 28 Meter langen Fahrzeug in den engen Verhältnissen zu rangieren. Unzählige Anläufe waren nötig, bis der Anhänger korrekt vor dem Depot stand. Es dauerte mehrere Stunden, bis der knapp 19 Tonnen schwere Waggon von einem Dieseltraktor auf den Tieflader bugsiert und dort sicher befestigt werden konnte. Schliesslich stellte sich noch heraus, dass die angegebene Transporthöhe überschritten war. Das Transportunternehmen musste bei den kantonalen Ämtern neue Bewilligungen und eine aktualisierte Routenführung einholen.

Als die Bewilligungen am Mittag endlich vorlagen, machte sich der Sattelzug auf die grosse Reise. Doch die endete schon nach knapp 100 Metern bei der nächsten Bahnschranke. Auch dort waren nochmals einige komplizierte Manöver nötig, bis die Komposition endlich Gais in Richtung Atlantik verlassen konnte.

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