Appenzeller «Wein»
Mit «Holdewy» hoch hinaus: Das Freizeitprojekt dreier Innerrhoder Hobbywinzer stösst auf grossen Anklang

Vor rund fünf Jahren kam die Idee und seit nunmehr drei Jahren gibt es den «Chopflis Holdewy» in Appenzell und Umgebung auch zu kaufen. Die ambitionierten Innerrhoder Holunderweinhersteller haben jedoch bereits neue Visionen für ihren Beerenwein.

Lilli Schreiber
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Cyrill Inauen, Stephan Wyss und Urs Inauen aus Appenzell produzieren den «Chopflis Holdewy» in Zusammenarbeit.

Cyrill Inauen, Stephan Wyss und Urs Inauen aus Appenzell produzieren den «Chopflis Holdewy» in Zusammenarbeit.

Bild: PD

Holunderbeerenwein ist seit jeher ein beliebtes Getränk im Appenzellerland. Einige Appenzeller Familien produzieren ihn für ihren Eigenbedarf. Auch grosse Getränkehersteller profitieren von der Beliebtheit des Holunders. Einen grösseren offiziellen Hersteller in Innerrhoden gab es bisher jedoch noch nicht. Das wollten drei Hobbywinzer aus Appenzell ändern und kreierten aus den roten Beeren des Holunderbaumes einen eigenen Wein.

Vor rund fünf Jahren begann das Projekt des «Chopflis Holdewy», im Keller von Urs Inauen. Drei Jahre später gelang dann der Durchbruch mit dem ersten verkaufstauglichen Holunderbeerenwein. Seit nunmehr zwei Jahren wird der Beerenwein in Appenzell und Umgebung auch vermarktet. Das Winzertrio aus Appenzell besteht aus Cyrill Inauen, Urs Inauen und Stephan Wyss, dessen Appenzeller Familienspitzname «Chopfli» lautet.

Von einem Getränkemarkt in Appenzell bis hin zum Bioladen RegioHerz in St.Gallen hat es der «Chopflis Holdewy» schon in die Verkaufsregale geschafft. Auch ein Lieferdienst wird angeboten. Den grössten Abnehmer für den Apéro- und Dessertwein aus Holunderbeeren stellte bis vor zwei Jahren noch die Appenzeller Fasnacht dar.

Seit drei Jahren wird der Holunderwein aus Appenzell auch verkauft.

Seit drei Jahren wird der Holunderwein aus Appenzell auch verkauft.

Bild: PD

Holunderbäume in Appenzell geplant

Die Beeren des Holunderbaumes werden Ende September gepflückt und vergären in einem Tank, innerhalb dreier Monate, zu «Chopflis Holdewy». Anfang Jahr ist jeweils Hauptverkaufssaison des Holunderbeerenweins. Ziel der Appenzeller «Holdewy»-Hersteller ist es, in naher Zukunft das ganze Jahr über ihren Wein verkaufen zu können.

Der Naturwein reift in sechs, jeweils 100 Litern fassenden Chromstahltanks, die sich im Keller von Urs Inauen befinden. Dazu kommen noch einige Glasballone, in denen das Holunderwein-Projekt auch seine Anfänge genommen hat. So können die Hobbywinzer pro Saison aus 360 Kilo Holunderbeeren um die 1000 Liter ihres «Holdewys» produzieren. Dabei schmecke der Beerenwein jedes Mal ein bisschen anders, berichtet Urs Inauen. Der Geschmack könne nämlich nur bedingt gesteuert werden, sagt er.

Bisher stammen die Holunderbeeren für den Naturwein noch von einer Plantage in Gossau. Beim Ernten der Beeren werden die drei «Holdewy»-Produzenten von Familie und Freunden unterstützt. Stephan Wyss berichtet, dass sich die Winzergruppe aktuell nach Standorten für eigene Holunderbäume in der näheren Umgebung umsehen würde, um ein Produkt, das ganz aus Appenzell Innerrhoden stammt, zu generieren.

Angebot soll bald erweitert werden

Für die Zukunft wäre ein Ausbau des Weinkellers möglich, sagt Urs Inauen. Der Bestand der Tanks könne auf insgesamt zwölf Chromstahltanks erweitert werden. Dies solle vor allem für ihr neuestes Projekt, die Kreation eines eigenen Holunderblütenweines, anvisiert werden.

Aktuell steckt die Produktion des Holderblütenweines aber noch in den Kinderschuhen. Da sich die ersten 100 Liter des Blütenweines noch als ungeniessbar herausstellten, setzen die Hobbywinzer nun alle Hoffnung auf den zweiten Versuch «Holdeblüetewy», dessen Gärung in wenigen Wochen abgeschlossen ist.

Ausserdem wolle das Trio zudem einen eigenen Glühwein aus Holunderbeeren herstellen, so Stephan Wyss. Er sagt:

«Holunderbeerenwein muss nicht ausschliesslich kalt getrunken werden. Warm eignet er sich auch hervorragend als Glühwein.»

Die geplanten Produkte sollen dann aber nicht mehr «Chopflis Holdewy» heissen, sondern die Familienspitznamen von Urs Inauen und Cyrill Inauen tragen, erklärt Stephan Wyss.

Langsames Wachstum angestrebt

Der Holunderbeerenwein am jährlichen Christbaummarkt im Wohnquartier Ried in Appenzell brachte Stephan Wyss 2016 auf die Idee, selbst Holderwein herzustellen.

Überzeugt von der Idee des eigenen «Holdewys» fragte Stephan Wyss schliesslich seinen ehemaligen Handballtrainer und Nachbar, Urs Inauen, ob er ihm bei der Umsetzung seines Vorhabens helfen wolle. Urs Inauen hatte die Räumlichkeiten und brachte zudem einiges an Wissen rund um die Weinproduktion mit. Er bewirtschaftet mit Freunden einige Weinreben in Appenzell und hat mehrere Jahre Erfahrung in der Bierherstellung gesammelt.

Fortwährend erweitern die drei Holderwinzer ihr Wissen über die Naturweinherstellung autodidaktisch. Das meiste wurde jedoch bei der Anwendung erlernt. So sei auch der «Chopflis Holdewy» letztlich ein Ergebnis ständigen Ausprobierens.

Beim Abfüllen eines 100-Liter-Tanks, am vergangenen Donnerstag, wurden 122 Flaschen «Chopflis Holdewy» manuell abgefüllt.

Beim Abfüllen eines 100-Liter-Tanks, am vergangenen Donnerstag, wurden 122 Flaschen «Chopflis Holdewy» manuell abgefüllt.

Bild: Lilli Schreiber

Als dritter im Bunde stiess der Anlagen- und Apparatebauer Cyrill Inauen zu den Weinherstellern dazu. Er baute die Tanks für die Weingärung und ist für Unterhalt und Erweiterung des Mobiliars zuständig. Für die Entwicklung ist Urs Inauen verantwortlich, während Stephan Wyss die Bereiche Marketing und Finanzen innehat. Die Holderwinzer haben die Aufgabenbereiche unter sich aufgeteilt, unterstützen sich aber gegenseitig.

Für Cyrill Inauen sowie für seine beiden Winzerkollegen stellt der Holunderbeerenwein ein schönes, aber auch sehr zeitintensives Hobby dar. So beanspruchen 1000 Liter «Holdewy» eine gesamte Arbeitszeit von bis zu 600 Stunden. Umgerechnet entsteht so rund eine halbe Stunde Arbeitsaufwand pro Flasche «Chopflis Holdewy». Trotz des enormen Arbeitsaufwandes wollen die drei Winzer weiterhin genauso engagiert dranbleiben. Cyrill Inauen sagt:

«Bei der Herstellung unseres ‹Holdewys› ist viel Herzblut dabei.»

Sollte die Nachfrage nach dem «Holdewy» jedoch stark ansteigen, käme das Trio mit seinen jetzigen Kapazitäten bald schon nicht mehr nach, sagt Urs Inauen. Daher wolle das Hobbyprojekt der Winzergruppe langsam, aber stetig wachsen, erklärt das Trio. Stephan Wyss sagt: «Wo es mit der Produktionskapazität hingeht, wollen wir uns für diesen Zeitpunkt noch offen lassen.»

Nähere Informationen zum «Chopflis Holdewy» lassen sich auf Instagram finden (www.instagram.com/chopflisholdewy) oder bei direkter Kontaktierung von Stephan Wyss (steph_wy@outlook.de).