Appenzeller Vorderland
Was nach dem Asylzentrum kommt: Stiftung Sonneblick sammelt Ideen für die Zeit nach Ende des Mietvertrags

Die Stiftung Sonneblick in Walzenhausen ist mit dem Betrieb im neuen Asylzentrum zufrieden. Sie blickt aber bereits auf die Zeit nach dem Ende des Mietvertrags. Der pensionierte Heimleiter Adrian Keller bleibt der Institution erhalten.

Hanspeter Strebel
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Das Asylzentrum Sonneblick in Walzenhausen.

Das Asylzentrum Sonneblick in Walzenhausen.

Bild: PD

Das Jahr 2020 war für die Stiftung Sonneblick ein ganz besonderes. Nach einer langen Zeit des Wartens zeigten sich endlich Anzeichen, dass es mit der geplanten Neuausrichtung zu einem Asylzentrum doch noch zu einem guten Ende kommen wird. Dies nach der Abweisung einer Beschwerde der Gegnerschaft durch das letztinstanzliche Bundesgericht Ende April. Inzwischen sind die ersten Asylsuchenden eingezogen und der Betrieb hat sich erfreulich und ruhig entwickelt.

Der kürzlich verschickte 88. Jahresbericht ist deshalb erstmals seit dem 2016 erfolgten Grundsatzentscheid der Stiftung, die Gebäulichkeiten mietweise dem Kanton Appenzell Ausserrhoden für die Unterbringung von Asylsuchenden zu überlassen, wieder einmal positiv geprägt. Er trägt den frohgemuten Titel «Bald wieder Leben». Stiftungsratspräsident Fredi Züst blickt auf die letzten Monate zurück, bis Anfang Dezember der Regierungsrat mitteilen konnte, dass die Baubewilligung der Gemeinde, nach dem Rückzug eines erneuten Rekurses, rechtskräftig sei.

28 Erwachsene und neun Kinder sind eingezogen

Die Vorbereitungsarbeiten für die Einrichtung als Asylzentrum wurden noch im alten Jahr aufgenommen und konnten in der Folge zügig und erfolgreich realisiert werden, sodass bereits Ende Februar die bisher in der Landegg untergebrachten Asylbewerberinnen und -bewerber, 28 Erwachsene und neun Kinder, umziehen konnten. Dies, nachdem die Nutzung der dortigen Unterkunft vertragsgemäss abgelaufen war. Der Jahresbericht 2021 wird Gelegenheit bieten, aufzuzeigen, wie das Motto «Bald wieder Leben» in die Realität umgesetzt wurde.

Adrian Keller pensioniert

Noch ein zweites Thema prägte das vergangene Jahr der Stiftung. Nach beinahe einem Vierteljahrhundert erreichte Hausleiter Adrian Keller, der den Sonneblick recht eigentlich verkörpert, im Sommer das Pensionsalter. Er wird der Stiftung aber weiterhin in einem kleinen Pensum als Geschäftsleiter verbunden bleiben. In einem Gespräch mit dem Redaktor des Jahresberichtes blickt Adrian Keller auf sein Wirken zurück und gibt spannende Einblicke in seinen wechselvollen Weg, bis er seine «Lebensstelle» gefunden hatte. Beispielsweise erfährt man, dass er sich seinerzeit als Praktikant beim Sonneblick beworben hatte, aber abgewiesen wurde, während man ihn später unbedingt als Hausleiter wollte und er nach einigem Zögern zusagte.

Seither habe er seitens der Stiftung, der Gäste und der Öffentlichkeit aber immer «sehr viel Vertrauen gespürt». Keller beschäftigt sich bis heute immer sehr intensiv mit dem Sonneblick-Gründer Paul Vogt, den er stets als Leitfigur gesehen hatte, sodass dessen Tochter einmal spontan gesagt hat, Adrian habe ihren nicht immer einfachen Vater «absolut verstanden».

Adrian Keller antwortet in einem persönlichen Essay auch prägnant zur immer wieder geäusserten Aufforderung, statt neue Projekte anzustossen, sollte man doch zurück zum «alten Sonneblick».

Und was nach dem Mietvertrag?

Dass die Verantwortlichen bereits an eine fernere Zukunft denken, wenn die Zeit als Asylzentrum abgelaufen ist, zeigt, dass sie zwei Masterstudentinnen der Fachhochschule (FHS) St.Gallen damit beauftragt haben, sich Gedanken zu machen, wie eine solche Zukunft aussehen könnte. Sie legten dem Stiftungsrat in ihrem wissenschaftlichen Bericht einen bunten Strauss von Ideen vor, was man dereinst an diesem Standort zur Erfüllung des Stiftungszweckes machen könnte. Der Stiftungsrat hat an einer ausserordentlichen Sitzung mit viel Anerkennung von der präsentierten Arbeit Kenntnis genommen.

Im finanziellen Bereich gab es im Betriebsjahr keine Überraschungen. Auf den Liegenschaften konnten neuerlich 50'000 Franken abgeschrieben sowie im Sinne des Stiftungszwecks eine einmalige grössere Solidaritätsspende an zwei von der Coronakrise besonders betroffene Flüchtlingsinstitutionen ausgerichtet werden. Dennoch weist man ein positives Jahresergebnis aus.