Appenzeller tauschen ihren Alltag für das Fernsehen

STEIN. In der dritten Staffel der TV-Serie «Verkehrte Welt» wirken zwei Appenzeller mit. Der Wirt des Restaurants Hargarten in Stein und sein Bruder tauschen das Alltagsleben mit einer deutschen Familie aus Stein an der Ostsee.

Karin Erni
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«Hargarten»-Wirt Emil Mock und seinen Bruder Kuno hat es für die Dreharbeiten zur Fernsehsendung an die Ostseeküste verschlagen. (Bild: srf)

«Hargarten»-Wirt Emil Mock und seinen Bruder Kuno hat es für die Dreharbeiten zur Fernsehsendung an die Ostseeküste verschlagen. (Bild: srf)

Luzern liegt für einmal in Kalifornien und Baden am Atlantik. Im Sendeformat «Verkehrte Welt» des Schweizer Fernsehens SRF tauschen Leute ihr Alltagsleben mit solchen aus einem anderen Teil der Welt. Das einzig Verbindende: der Ortsname. So erging es auch Emil und Kuno Mock vom Restaurant Hargarten in Stein. Sie hatten sich für eine Teilnahme beworben und waren vom SRF als Protagonisten ausgewählt worden.

Wohin es sie verschlagen würde, wusste das Brüderpaar nicht. Sie hätten im Vorfeld zwar etwas geforscht, wo das andere Stein wohl liegen könnte, sagt Emil Mock. «Wir dachten, vielleicht ist es Stonehenge in England. Am liebsten wäre uns etwas ganz Exotisches gewesen.» Auf dem Flugticket, das sie erst wenige Tage vor Abflug erhielten, stand dann aber «Hamburg» als Destination. Die anfängliche Enttäuschung habe sich in freudige Neugier gewandelt, als sie die Verantwortung für den Restaurantbetrieb ihrer Mutter und den Angestellten übergeben hatten und ins Flugzeug gestiegen sind, erinnert sich Emil Mock.

«Lagune des Nordens»

Von Hamburg ging die Fahrt im Bus nordwärts nach Kiel. Stein an der Ostsee liegt nur wenige Kilometer ausserhalb der Stadt, am Rand der Kieler Bucht. Als sie ankamen, war es schon dunkel. Ihr Bus machte bei einem grossen Feuer am Meer halt. Dort sei ein Fest mit vielen Leuten im Gange gewesen, erinnern sich die beiden. «Wir waren peinlich berührt, als das Filmteam uns in Fischerklamotten steckte, und kamen uns vor wie an einer Kostümparty.» Die beiden Schweizer wurden sogar vom Bürgermeister von Stein persönlich begrüsst. Schliesslich stellte sich heraus, dass es sich beim Fest nicht um eine Empfangsfeier für sie, sondern um das traditionelle Strohballen-Singen handelte.

Fischen und surfen

Am nächsten Tag erhielten die beiden Appenzeller einen ersten Eindruck von Stein, das sich als «Lagune des Nordens» bezeichnet. «Es ist ein Örtchen mit 800 Einwohnern, einem Hotel und einer Kaffeebar. Es gibt dort im Gegensatz zu unserem Stein kaum Einheimische. Die meisten Leute sind aus Städten zugezogen oder kommen für Freizeitvergnügungen nach Stein», so Kuno Mock. Solchen Vergnügungen durften die Brüder für die Dreharbeiten ebenfalls nachgehen. In Stein an der Ostsee dreht sich vieles um das Thema Fisch. Also mussten die beiden für einen Drehtag mit einem Fischkutter auslaufen und die gefangenen Krabben und Fische eigenhändig aus dem Netz klauben. «Wir haben uns schon etwas zum Aff gemacht», erinnert sich Kuno. Speziell an jenem Drehtag, als sie sich beim Kitesurfen versuchen mussten. «Es hatte viel zu viel Wind für uns Anfänger, und als sie die Bilder im Kasten hatten, war der Dreh auch schon wieder fertig.» Zum Abschied gab es ein Fest, zu dem die neugewonnenen deutschen Freunde eingeladen wurden. Wir haben die selbstgefangenen Fische zubereitet und mit Alpenbitter flambiert, so der gelernte Koch Emil.

Gute Erinnerungen

Die Erfahrung, Teil einer Fernsehsendung zu sein, finden die beiden Appenzeller «cool». Es sei interessant gewesen, einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können. Fasziniert waren sie auch von der Aufnahmetechnik. Manchmal habe eine Szene auch mehrmals gedreht werden müssen, weil etwas nicht stimmte oder der Ton verlorenging. «Das war dann nicht immer so spontan.» Er verstehe die Deutschen jetzt besser, sagt Kuno Mock rückblickend und meint damit ihre Sichtweisen und Sorgen. Die beiden Brüder könnten sich vorstellen, wieder einmal ferienhalber nach Stein zu fahren. Die Tauschfamilie, die während ihrer Abwesenheit im «Hargarten» weilte, kennen sie bereits. Sie haben sie bei der Heimreise nämlich zufällig am Flughafen getroffen.

Die Folge wird voraussichtlich im Februar 2016 ausgestrahlt.

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