Appenzeller Sportschülerin bleibt am Ball

Die Sportlerschule Appenzellerland greift derzeit zu besonderen Massnahmen bei der Athletenbetreuung. Es wird Wert auf Selbstdisziplin und -verantwortung gelegt.

Lukas Pfiffner
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Bühler - Sportgeschichte: was macht die Leichtathletin und Kugelstösserin Miryram Mazenauer (Teufen) von der Sportlerschule Appenzellerand während der Coronakrise

Bühler - Sportgeschichte: was macht die Leichtathletin und Kugelstösserin Miryram Mazenauer (Teufen) von der Sportlerschule Appenzellerand während der Coronakrise

Ralph Ribi

«Wir motivieren die Sportschüler, die Ziele im Auge zu behalten. Alle erhalten wöchentlich einen individuell auf Stärken und Schwächen abgestimmten Trainingsplan», sagt René Wyler, der Leiter der Sportlerschule Appenzellerland.

René Wyler, Leiter Sportschule Appenzellerland

René Wyler, Leiter Sportschule Appenzellerland

PD

Die Athleten müssen ein Trainingstagebuch führen und einreichen, ebenso Filmsequenzen vom Training. «Wir sind im regelmässigen Austausch über Telefon, Videokonferenz und E-Mail. Dabei geben wir Rückmeldungen zu den Trainings.»

Die grösste Herausforderung nach Bekanntgabe der Coronamassnahmen Mitte März sei für ihn und sein Team gewesen, den Jugendlichen Einzeln oder in Gruppen kurzfristig mit Programmen gerecht zu werden.

«Wir sind weiter zielgerichtet und auf hohem Niveau unterwegs, haben Zeit, uns mit Grundlagen zu beschäftigen – fast wie im Wintertraining. Das ist das Positive an der Situation.»

Man werde die Planung anpassen, sobald der Zeitpunkt der nächsten Wettkämpfe bekannt sei, ergänzt Wyler.

Miryam Mazenauer stösst vom Sitzplatz aus

Not macht kreativ – dies zeigt das Beispiel der Kugelstösserin Miryam Mazenauer. Sie beschäftigt sich nicht nur mit Medizinbällen oder der Sprungschulung, sondern hat trotz krisenbedingter Einschränkungen auch die Kugel in den Händen.

Zwar sind Sportanlagen und Hallen gesperrt. Man habe zu Hause in Bühler aber vor zwei, drei Jahren ein «Bschöttiloch» als Sitzplatz umgebaut, und von jenem Standort aus lasse es sich gut stossen, erzählt die 20-jährige Sportschülerin.

«Der Bauer hat nichts dagegen, wenn es in der Wiese ein paar Abdrücke gibt.»

Im Februar hat Mazenauer starke Leistungen gezeigt, einmal 15,23 Meter und an den Hallenmeisterschaften der Aktiven sogar 15,44 Meter gestossen. Ist dies derzeit Trost – oder stellt die aktuelle Pause gerade deswegen ein besonderes Ärgernis dar?

Kugelstösserin und Sportschülerin Miryram Mazenauer aus Teufen

Kugelstösserin und Sportschülerin Miryram Mazenauer aus Teufen

Ralph Ribi

«Natürlich hätte ich gerne die Resultate bestätigt. Aber das kann ja auch im September sein. Deshalb will ich das Beste aus der Situation machen», meint die Athletin des TV Teufen, die auch mit dem Nationaltrainer in Kontakt ist.

Mazenauer sagt, sie fühle sich zeitweise fast wie in einem Trainingslager. «Nur ist der Trainer nicht persönlich, sondern allenfalls per Bildübertragung präsent.» Dass die mehrfache Schweizer Meisterin den Eindruck hat, mehr zu trainieren als sonst, hat unter anderem damit zu tun, dass an der Pädagogischen Hochschule Rorschach Fernunterricht betrieben wird und der Schulweg wegfällt. «Er macht für mich jedes Mal über anderthalb Stunden aus.»

Mazenauer steht im zweiten Semester; die Arbeit bei den verschiedenen Dozenten findet auf unterschiedliche Art statt. «Ab und zu haben wir geführte Lektionen oder Videokonferenzen. Zudem gibt es Aufträge von unseren Plattformen zu erledigen, Projekte umzusetzen.» Für die kürzliche Themenwoche hat Mazenauer einen speziellen Bereich ausgewählt: «Es ging um Tänze für Kinder und darum, wie ich sie einführen kann. Das war interessant.» René Wyler freut sich: «Vielseitigkeit ist immer sinnvoll.»

Nicht an Terminen herumstudieren

Sie habe derzeit täglich Muskelkater, erzählt die Führende der Schweizer Jahreswertung. «Das ist ein gutes Zeichen.» Ende Mai steht theoretisch das Pfingstmeeting in Zofingen auf dem Programm. Sie habe die Wettkampfplanung rasch verdrängen können, studiere nicht an Terminen herum.

Zu den Athletinnen und Athleten, die von René Wyler betreut werden, gehört auch Sandra Graf. Die Rollstuhlsportlerin war in sehr guter Form, muss nun damit fertig werden, dass die Paralympics um ein Jahr verschoben worden sind. Ob die Weltmeisterschaften im Para-Cycling im Juni durchgeführt werden, ist offen. «Wenn nicht, werden wir Testrennen abhalten und die Situation eins zu eins simulieren», sagt der Trainer.

Selbstdisziplin und Wochen-Challenge

Die Sportlerschule Appenzellerland schreibt seit jeher die Selbstdisziplin und -verantwortung gross. In diesen Tagen seien diese besonders gefordert, bestätigt Wyler.

«Die Versuchung besteht, am Morgen etwas länger liegenzubleiben. Aber die Motivation ist gross und eine sehr gute Dynamik spürbar.»

Es sei wichtig, weiter in klaren Tagesstrukturen unterwegs zu sein und die jungen Leute bei Laune zu halten. In vielen Fällen würden jetzt wichtige Wettkämpfe oder Kadertests laufen. Abgesehen von den ordentlichen Trainingsplänen und dem spartenspezifischen Austausch schreibt die Sportlerschule deshalb auch eine Wochen-Challenge aus – zuletzt war das ein Handstandlaufen. Eine Jury bewertet die eingehenden Videos.