"Appenzeller arbeiten gern"

APPENZELL. Das Hotel Hof Weissbad in Appenzell hat kürzlich den Award "Freundlichstes Hotel der Schweiz" erhalten. Als Belohnung übergab Direktor Christian Lienhard allen Mitarbeitenden einen Sack mit 100 Einfränklern – und er erklärt, warum er kein Fünfsternehotel will.

Maria Kobler-Wyer
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Die Gewinner des Freundlichkeits-Awards (v.links): Jonas Zollinger (Hotel Villa Honegg, Ennetbürgen), Carlo Fontana (Hotel Lugano Dante, Lugano), Christian Lienhard (Hotel Hof Weissbad, Weissbad) und Philippe Zurkirchen (Art Boutique Hotel Beau-Sejour, Champéry). (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Die Gewinner des Freundlichkeits-Awards (v.links): Jonas Zollinger (Hotel Villa Honegg, Ennetbürgen), Carlo Fontana (Hotel Lugano Dante, Lugano), Christian Lienhard (Hotel Hof Weissbad, Weissbad) und Philippe Zurkirchen (Art Boutique Hotel Beau-Sejour, Champéry). (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Die Gewinner des Freundlichkeits-Awards (v.links): Jonas Zollinger (Hotel Villa Honegg, Ennetbürgen), Carlo Fontana (Hotel Lugano Dante, Lugano), Christian Lienhard (Hotel Hof Weissbad, Weissbad) und Philippe Zurkirchen (Art Boutique Hotel Beau-Sejour, Champéry). (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Die Gewinner des Freundlichkeits-Awards (v.links): Jonas Zollinger (Hotel Villa Honegg, Ennetbürgen), Carlo Fontana (Hotel Lugano Dante, Lugano), Christian Lienhard (Hotel Hof Weissbad, Weissbad) und Philippe Zurkirchen (Art Boutique Hotel Beau-Sejour, Champéry). (Bild: swiss-image.ch/Andy Mettler)

Im Hotel Hof Weissbad sind 120 der 185 Angestellten Einheimische – für Direktor Christian Lienhard Hauptgrund für den Gewinn des Awards "Freundlichstes Hotel der Schweiz" (s.Kasten). Denn Lienhard sagt: "Appenzeller haben mehr Freude und arbeiten gern. Das gibt eine gute Grundstimmung." Seine Mitarbeitenden werden aber auch jeden Monat geschult, über den Betrieb informiert, in Entscheidungsphasen involviert und sind bei gutem Geschäftsverlauf am Gewinn beteiligt. "Zudem kann jeder Mitarbeiter einen Dreissigstel seines Salärs in die persönliche Weiterbildung investieren", sagt Christian Lienhard gegenüber Tagblatt Online. "Mit dem Geld kann beispielsweise auch ein Bauchtanzkurs finanziert werden." Dafür bleiben die Angestellten länger im Betrieb. "Wir haben weniger Wechsel und einen geringeren Know-how-Verlust", sagt der Gastgeber. "Die Gäste kennen unsere Angestellten."

Award in der Hotelhalle
Dennoch war Direktor Christian Lienhard sehr überrascht, als sein Hotel Hof Weissbad Ende Mai in der Kategorie Ferienhotels gross mit dem Award "Freundlichstes Hotel der Schweiz" ausgezeichnet wurde. "Wir haben nicht gewusst, dass wird nominiert sind und konnten auch das Ergebnis nicht beeinflussen", sagt Lienhard. Zur Auswahl standen alle Hotels, die auf Online-Plattformen mindestens 30 Bewertungen erhalten haben. Und was es mit dem Besuch von Michel Rochat, Direktor der Hotelfachschule in Lausanne, auf sich hatte, weiss Christian Lienhard nun auch: Rochat war Jury-Mitglied. Denn neben den Gästemeinungen aus über 250 Bewertungs- und Buchungsplattformen flossen auch die Meinungen der sieben Jurymitglieder ein. "Die Auszeichnung feierten wir mit einer Party und der bronzene Award steht nun in der Hotelhalle", sagt Lienhard. Die Geschäftsleitung entschied zudem, jedem Mitarbeitenden ein Geschenk zu machen: Ein Sack mit 100 Einfränklern drin.

Gäste bringen Ideen
Die Hotelgäste bewerten jedoch nicht nur auf Online-Plattformen, sondern auch im Hotel selber. "Wir bitten die Gäste beim Checkout um ihre Meinung", sagt Christian Lienhard. Laut Lienhard gibt etwa die Hälfte der Gäste eine Bewertung ab. "Die Bewertungen sind für uns sehr wichtig", sagt Christian Lienhard. "Die Gäste bringen uns auf Ideen, auf die wir nicht selber kämen." Zwei Beispiele: Einige Gäste störten sich daran, dass man nur bis 10 Uhr frühstücken konnte. Nun dürfen die Gäste bis um 10.45 Uhr frühstücken. Auf Wunsch jüngerer Gäste wurde in diesem Jahr die ältere Saunalandschaft erneuert. Im August wird die Saunalandschaft nochmals für zwei Wochen geschlossen, um die Arbeiten endgültig abzuschliessen.

Kosten im Griff
Gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten erachtet Christian Lienhard Freundlichkeit als entscheidend. "Die Österreicher, die als freundlicher wahrgenommen werden, sind für uns eine grosse Konkurrenz", sagt Lienhard. Allerdings macht der Franken dem Hof Weissbad weniger zu schaffen als anderen Hotels. "Wir haben sehr viele Schweizer Gäste", sagt Lienhard. "Für diese bleibt ein Franken ein Franken." Das Viersternehotel weist ausserdem eine hohe Auslastung von 94 bis 98 Prozent aus. Und: "Da wir auf Gesundheit und Wellness spezialisiert sind, sind wir weniger saison- und wetterabhängig. Dadurch haben wir die Kosten besser im Griff."

Mit Extraleistungen punkten
Gibt es im Hotel Hof Weissbad nach der Auszeichnung überhaupt noch etwas zu verbessern? "Wir versuchen jeden Tag das Beste zu machen, freundlich zu bleiben und mit Extraleistungen zu punkten", sagt Christian Lienhard. "So haben wir die Mini-Bar in den Zimmern abgeschafft. Dafür gibt es auf jeder Etage Gratis-Getränke." Obwohl das Hotel die Anforderungen für ein Fünfsternehotel erfüllen würde, will Christian Lienhard nicht fünf Sterne. "Dann wäre die Hemmschwelle für Wanderer aus dem Alpstein zu gross", sagt er. "Und auch die Einheimischen, welche jeweils am Mittwochabend bei uns Appenzeller Musik hören, würden sich wohl nicht mehr in Jeans zu uns trauen."


Erstmals Prix Bienvenu verliehen
Der Prix Bienvenu für das "Freundlichste Hotel der Schweiz" ist eine Initiative von Schweiz Tourismus. 2013 wurde der Award erstmals verliehen und soll die Hotelbetriebe motivieren, gezielt in die Gastfreundschaft zu investieren. "Bienvenu" heisst die kleine Bronzefigur, die den Concierge darstellt, der den Gästen jeden Wunsch von den Lippen abliest und für den beherzten Einsatz im Dienste gelebter Gastfreundlichkeit steht. Feedbacks aus über 250 Bewertungsplattformen wurden ausgewertet. Zudem gaben auch sieben Jury-Mitglieder ihre Meinung ab. Zu der Jury gehörten unter anderen Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus, und TV-Moderator Kurt Aeschbacher.

Der Preis wurde in den vier Kategorien Luxushotels, Stadthotels, Ferienhotels gross sowie Ferienhotels klein&fein vergeben. In der Kategorie Ferienhotels gross (30 Hotels) gewann das Hotel Hof Weissbad in Appenzell. Auf Rang 17 landete das Seminarhotel Unterhof in Diessenhofen. Das Hotel Landgasthof in Rorschacherberg wurde auf den 21. Platz gewählt. Ein weiteres Hotel aus der Ostschweiz ist in der Kategorie Stadthotels (20 Hotels) vertreten: Das Hotel Sporting in St.Gallen erreichte den vierten Rang. (maw)