«Appenzeller arbeiten gern»

Das Hotel Hof Weissbad hat kürzlich den Award «Freundlichstes Hotel der Schweiz» erhalten. Als Belohnung übergab Direktor Christian Lienhard allen Mitarbeitenden einen Sack mit 100 Einfränklern – und er erklärt, warum er kein Fünfsternehotel will.

Maria Kobler-Wyer
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WEISSBAD. Im Hotel Hof Weissbad sind 120 der 185 Angestellten Einheimische – für Direktor Christian Lienhard Hauptgrund für den Gewinn des Awards «Freundlichstes Hotel der Schweiz» (siehe Kasten). Denn Lienhard sagt: «Appenzeller haben mehr Freude und arbeiten gern. Das gibt eine gute Grundstimmung.» Seine Mitarbeitenden werden aber auch jeden Monat geschult, über den Betrieb informiert, in Entscheidungsphasen involviert und sind bei gutem Geschäftsverlauf am Gewinn beteiligt. «Zudem kann jeder Mitarbeiter einen Dreissigstel seines Salärs in die persönliche Weiterbildung investieren», sagt Christian Lienhard gegenüber Tagblatt Online. «Mit dem Geld kann beispielsweise auch ein Bauchtanzkurs finanziert werden.» Dafür bleiben die Angestellten länger im Betrieb. «Wir haben weniger Wechsel und einen geringeren Know-how-Verlust», sagt der Gastgeber. «Die Gäste kennen unsere Angestellten.»

Award in der Hotelhalle

Dennoch war Direktor Christian Lienhard sehr überrascht, als sein Hotel Hof Weissbad Ende Mai in der Kategorie Ferienhotels gross mit dem Award «Freundlichstes Hotel der Schweiz» ausgezeichnet wurde. «Wir haben nicht gewusst, dass wird nominiert sind und konnten auch das Ergebnis nicht beeinflussen», sagt Lienhard. Zur Auswahl standen alle Hotels, die auf Online-Plattformen mindestens 30 Bewertungen erhalten haben. Und was es mit dem Besuch von Michel Rochat, Direktor der Hotelfachschule in Lausanne, auf sich hatte, weiss Christian Lienhard nun auch: Rochat war Jurymitglied. «Denn neben den Gästemeinungen aus über 250 Bewertungs- und Buchungsplattformen flossen auch die Meinungen der sieben Jurymitglieder ein. Die Auszeichnung feierten wir mit einer Party, und der bronzene Award steht nun in der Hotelhalle», sagt Lienhard. Die Geschäftsleitung entschied zudem, jedem Mitarbeitenden ein Geschenk zu machen: einen Sack mit 100 Einfränklern drin.

Gäste bringen Ideen

Die Hotelgäste bewerten jedoch nicht nur auf Online-Plattformen, sondern auch im Hotel selber. «Wir bitten die Gäste beim Check-out um ihre Meinung», sagt Christian Lienhard. Laut Lienhard gibt etwa die Hälfte der Gäste eine Bewertung ab. «Die Bewertungen sind für uns sehr wichtig», sagt Christian Lienhard. «Die Gäste bringen uns auf Ideen, auf die wir nicht selber kämen. Zwei Beispiele: Einige Gäste störten sich daran, dass man nur bis 10 Uhr frühstücken konnte. Nun dürfen die Gäste bis um 10.45 Uhr frühstücken. Auf Wunsch jüngerer Gäste wurde in diesem Jahr die ältere Saunalandschaft erneuert. Im August wird die Saunalandschaft nochmals für zwei Wochen geschlossen, um die Arbeiten endgültig abzuschliessen.» Gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten erachtet Christian Lienhard Freundlichkeit als entscheidend. «Die Österreicher, die als freundlicher wahrgenommen werden, sind für uns eine grosse Konkurrenz», sagt Lienhard. Allerdings macht der Franken dem Hof Weissbad weniger zu schaffen als anderen Hotels. «Wir haben sehr viele Schweizer Gäste», sagt Lienhard. «Für diese bleibt ein Franken ein Franken.»

Mit Extraleistungen punkten

«Wir versuchen jeden Tag das Beste zu machen, freundlich zu bleiben und mit Extraleistungen zu punkten», sagt Christian Lienhard. «So haben wir die Mini-Bar in den Zimmern abgeschafft. Dafür gibt es auf jeder Etage Gratis-Getränke.» Obwohl das Hotel die Anforderungen für ein Fünfsternehotel erfüllen würde, will Christian Lienhard nicht fünf Sterne. «Dann wäre die Hemmschwelle für Wanderer aus dem Alpstein zu gross», sagt er.

«Und auch die Einheimischen, welche jeweils am Mittwochabend bei uns Appenzeller Musik hören, würden sich wohl nicht mehr in Jeans zu uns trauen.»