«Appenzellbern»: Der Musikalische

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Bern Tonangebend beim Appenzellerverein Bern ist das Chörli. «Es bestreitet 80 Prozent der Vereinsaktivitäten und besteht aus 16 bis 20 Sängern. Diese Zahl ist seit Jahren konstant», sagt Albert Koller. Der Tierarzt aus Schwarzenburg ist seit 29 Jahren Mitglied im Appenzellerverein Bern und seit 21 Jahren administrativer Leiter des Chors. Wie auf der Homepage zu lesen ist, hat sich bereits im Jahre 1917 innerhalb des Appenzellervereins eine Gesangssektion formiert. Seit 1995 nennt sie sich «Appenzellerchörli Bern» und es wirken Frauen als Jodlerinnen mit. Das Chörli singt aber ausschliesslich im Männerchorsatz. Gesungen werden Lieder von bekannten Komponisten wie Dölf Mettler aus Innerrhoden, dem Herisauer Fred Kaufmann oder dem Toggenburger Peter Roth. Sakrale Lieder gehören ebenfalls zum Repertoire des Chörli. Mit diesen tritt es an Gottesdiensten und Abdankungen auf. Auch der Naturjodel wird gepflegt. «Wir haben momentan mehrere talentierte Frauen und Männer, die zäuerlen und ruggusselen können», so Koller. Weil einige Mitglieder lange Anfahrtswege haben, wird nur während acht Monaten im Jahr geprobt und nicht mehr als ein Auftritt pro Monat absolviert.

Auftritte bestreitet das Appenzellerchörli Bern einerseits vor den eigenen Mitgliedern, es ist aber auch an Jodlerabenden und ähnlichen Festivitäten in der Region anzutreffen. Die Appenzeller würden im Bernbiet im positiven Sinn als Exoten wahrgenommen, sagt Koller. «Durch die mediale Entwicklung ist das Publikum in Sachen Musik verwöhnt und wir müssen bei unseren Auftritten eine hohe Qualität bieten.» Eine besondere Ehre wird dem Chörli im September zuteil: Dann nämlich darf es einen offiziellen Anlass des Ständeratspräsidenten Ivo Bischofberger einen halben Tag lang musikalisch begleiten. «Ein wunderbares Engagement», freut sich Koller, der Bischofberger aus der Jugendzeit kennt.

«Der Appenzellerverein Bern war bei der Gründung 1913 ein ‹Verein gegen das Heimweh›, heute versteht er sich als Kulturorganisation», sagt Albert Koller. «Appenzellbern», wie sich der Verein seit dem 100-Jahr-Jubiläum nennt, hat sich gemäss Statuten der Pflege und Verbreitung der Volkskultur des Säntisgebiets in ihren traditionellen und zeitgenössischen Formen, besonders der Musik und des Gesangs sowie der Sprache und der Tracht verschrieben. Man habe sich in den 80er-Jahren bewusst geöffnet, um der Überalterung und dem Mitgliederschwund zu begegnen, sagt Koller. «Heute darf jeder Mitglied im Verein werden, der den erwähnten Zweckartikel umzusetzen versucht. Das hat am Anfang einiges Rumoren verursacht, wird heute aber breit akzeptiert.» (ker)