APPENZELL: Zelten mit dem gewissen Etwas

Wenn man im Appenzellerland wohnt, kommt man kaum auf die Idee, hier zelten zu gehen. Doch es lohnt sich. Einer der ­Campingplätze in Innerrhoden ist der «Eischen». Nebst der tollen Aussicht hat die Anlage weitere Luxus-Aspekte.

Sara Leu
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Mein kleines Zelt stelle ich mit Blick auf Meistersrüte und Gais auf. (Bilder: Sara Leu)

Mein kleines Zelt stelle ich mit Blick auf Meistersrüte und Gais auf. (Bilder: Sara Leu)

Sara Leu

sara.leu@appenzellerzeitung.ch

Ein bisschen unwohl wurde mir schon, als ich am späten Nachmittag den grauen Himmel über dem Alpstein sah. Der Wetterbericht prognostizierte doch, dass für diese Nacht kein Regen angesagt ist. Denn im Trockenen zelten ist um einiges angenehmer als im Regen. Mit dem Zelt zu verreisen, hat mir als Kind immer gefallen. In jüngerer Vergangenheit habe ich genau einmal im Jahr gezeltet, und zwar am Open Air. Deshalb habe ich mich entschieden, einmal im Appenzellerland zu campen, irgendwo, wo man eine schöne Aussicht hat. Da kam mir der Eischen in den Sinn. Er bietet Ausblick auf den Alpstein, das hügelige Appenzellerland und man kann dort oben mehr als nur zelten.

Das Hotel Landgasthof Eischen liegt oberhalb von Appenzell und hat nebst einem grossen Campingplatz mit Stand- und freien Plätzen ein Restaurant, Hotelzimmer und einen Wellnessbereich. «Die Kombination von Restaurant, Hotel und Camping ist ziemlich einzigartig», sagt Daniel Inauen. Er repräsentiert bereits die vierte Generation des «Eischen». Im Moment führt er mit seiner Frau Rahel und seinen Eltern, Alfred und Sonja, den Landgasthof. «Bei uns kehren alle ein: Vom einfachen Wanderer bis zum Bundesrat», sagt Inauen. Das Hotel hat 15 Zimmer und drei Lagerzimmer mit jeweils acht Betten. Auf dem Campingplatz gibt es 100 feste Standplätze. Die meisten Leute mit einem Festplatz sind Schweizer. Camper, die frei auf der Wiese Wohnwagen oder Zelt aufstellen, kommen von überall her. Meine Zeltnachbarn waren eine tschechische, eine deutsche Familie und ein asiatischer Backpacker. «Wir haben internationale Gäste. Viele Schweizer, Deutsche und Holländer finden den Weg zu uns», so Inauen.

Campen mit Luxuszusatz

Für die Camper gibt es einen Waschraum und moderne sanitäre Anlagen. Selten habe ich auf einem Campingplatz so ein schönes Bad gesehen. Der Wellnessbereich ist topmodern, und während man im Schwimmbad seine Runden dreht, kann man die Aussicht Richtung Gais geniessen.

Ich durfte mein Zelt auf der Wiese aufstellen, wo ich wollte. Für Inauens ist es wichtig, dass sich die Gäste aussuchen können, wo sie ihre Bleibe aufschlagen wollen. Also habe ich mein Zelt so ausgerichtet, dass ich beim Aufstehen direkt die Aussicht geniessen kann. Das war das erste Mal, dass ich in meinem Open-Air-Zelt genügend Platz für mich hatte und sogar Kissen mitnahm. Mit zwei Schlafsäcken, damit es mir in der Nacht nicht kalt wird, habe ich es mir im Billig-Zelt schön gemütlich gemacht.

Selber Kochen wollte ich nicht, ist auf dem «Eischen» aber auch kein Muss. Es hat ja ein exquisites Restaurant. Die meisten Camper grillieren oder kochen was, doch auch sie lassen sich den einen oder anderen Abend von der «Eischen»-Küche verwöhnen. «Fürs Frühstück können unsere Gäste bei uns Brötchen und Gipfeli bestellen. Wenn sie wollen, könnten sie aber auch im Restaurant am Buffet zmörgele», sagt Daniel Inauen. Diesen Dienst habe ich in Anspruch genommen, und meinen Kaffeekocher liess ich unbenutzt.

Kaum war ich am Abend in mein Zelt gekrochen, hörte ich ein leises «Hello». Mein asiatischer Nachbar fragte, ob ich nicht mein Auto ein paar Meter weiter nach links verschieben könnte. Das Auto versperrte ihm den Ausblick in die Ferne. Natürlich fuhr ich einige Meter weg, und er war wieder zufrieden und genoss das Panorama. Dass ich jetzt ein bisschen weniger von der Landschaft sehen konnte, störte mich ganz und gar nicht. Ich kenne das Appenzellerland ja.

Kalt hatte ich überhaupt nicht. Für einmal hatte der Wetterbericht recht: Der Himmel über dem Alpstein wurde wieder blau und am Morgen stand ich ausgeschlafen bei Sonnenschein auf.