APPENZELL: «Spital braucht grossen Partner»

Der Berner Gesundheitsökonom Heinz Locher gibt einem ambulanten Versorgungszentrum mit Kleinstation gute Chancen. Dennoch hält er eine Empfehlung bereit – erntet dafür aber kaum offene Ohren.

Roger Fuchs
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Für das ambulante Versorgungszentrum Appenzell auf dem Spitalareal wird eine neue Infrastruktur favorisiert. Man rechnet mit Kosten von über 35 Millionen Franken. (Bild: RF)

Für das ambulante Versorgungszentrum Appenzell auf dem Spitalareal wird eine neue Infrastruktur favorisiert. Man rechnet mit Kosten von über 35 Millionen Franken. (Bild: RF)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

Appenzell Innerrhoden geht in eine neue Spitalzukunft. Im Fokus steht die Schaffung eines ambulanten Versorgungszentrums, ergänzt mit einem kleinen stationären Bereich. Im Wesentlichen soll sich das Versorgungszentrum auf Eingriffe mit Schwerpunkt in der Orthopädie und der Chirurgie sowie auf die Innere Medizin konzentrieren. Zum Angebot gehören ebenso ein Notfall- und ein Rettungsdienst.

Die parlamentarische Kommission für Soziales, Gesundheit Erziehung und Bildung (Soko) stimmt der Stossrichtung zu. Als Diskussionsgrundlage hat sie zur beabsichtigten Strategie auch eine Expertise des Gesundheitsökonomen Heinz Locher aus Bern eingeholt. «Die Spitalstrategie in Appenzell ist realistisch und keine Überschätzung der eigenen Möglichkeiten», sagt dieser auf Anfrage. Gleichzeitig hält Heinz Locher eine Empfehlung bereit: «Man sollte sich dazu bekennen, dass man einen grossen Partner braucht.» Konkret denkt er dabei an das Kantonsspital St. Gallen oder die Klinik Stephanshorn. Als ein erfolgreiches Vorzeigebeispiel nennt er die Kooperation des Liechtensteinischen Landesspitals Vaduz mit dem Kantonsspital Graubünden in Chur.

Doch wäre ein grosses Spital überhaupt an einer Kooperation mit Appenzell interessiert? «Auf jeden Fall», gibt sich Locher überzeugt. Der grössere Partner könnte dadurch jegliche Spezialfälle übernehmen. In Appenzell führte das wiederum zu einem breiteren medizinischen Angebot. Zum einen gäbe es Leistungen, die vor Ort mit eigenem Personal erbracht würden. Der zweite Bereich wären Leistungen, denen sich vor Ort die Spezialisten des Kooperationspartners annehmen könnten. Und drittens gehörten dann Leistungen zum Angebotsspektrum, die am Standort des Kooperationspartners durch dessen Personal erbracht würden. «Das Spital Appenzell sollte nicht als unabhängiger Betrieb mit punktuellen Partnerschaften, sondern als Teil eines Versorgungsnetzes verstanden werden», lautet Heinz Lochers Fazit.

Trotz Verständnis anderer Meinung

Herbert Wyss, Präsident der Soko, zeigt Verständnis für diese Empfehlung. Auch seine Kommission käme zum Schluss, dass es ohne Kooperation sehr schwierig wäre auf dem Markt. Allerdings: Eine Mehrheit der Kommission sei wie die Standeskommission und der Spitalrat der Meinung, dass bei einem einzigen Partner eine grössere Abhängigkeit bestünde, schreibt die Soko zuhanden des Grossen Rates. Ergo werden mehrere Kooperationspartner bevorzugt. Keine politische Aussage zu den Spitalplänen macht die Staatswirtschaftliche Kommission. Deren Präsident Ruedi Eberle steht persönlich aber hinter einem ambulanten Versorgungszentrum. In der Frage der Kooperation stützt er die Linie der Soko.

Die Berichte der Standeskommission und des Spitalrates zum Versorgungszentrum werden am 3. April im Grossen Rat beraten. Für das Gesetz über das Gesundheitszentrum führt die Standeskommission ein Vernehmlassungsverfahren durch. Über das Gesetz soll die Landsgemeinde 2018 entscheiden.