GFI will autofreien Dorfkern in Appenzell

Die Gruppe für Innerrhoden will eine erneute Diskussion um die Aufwertung des Dorfzentrums anstossen.

Claudio Weder
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Der historische Landsgemeindeplatz in Appenzell soll vermehrt für kulturelle Anlässe genutzt werden, findet GFI-Präsident Josef Manser.

Der historische Landsgemeindeplatz in Appenzell soll vermehrt für kulturelle Anlässe genutzt werden, findet GFI-Präsident Josef Manser.

Das Dorfzentrum Appenzell sei zwar schon heute attraktiv, sagt Josef Manser, Präsident der Gruppe für Innerrhoden (GFI). «Doch es könnte noch viel attraktiver sein.» Aus diesem Grund macht sich eine Arbeitsgruppe der GFI seit einigen Monaten Gedanken über mögliche Massnahmen zur Aufwertung des Dorfkerns. Inzwischen hat sie mehrere Ideen zusammengetragen, welche sie diskutieren und prüfen lassen will.

«Es braucht Visionen», ist Manser überzeugt. Schon in der Vergangenheit gab es ähnliche Bestrebungen. Bereits anfangs der Achtziger Jahre sammelte die GFI Unterschriften für eine autofreie Hauptgasse. Im Jahr 2002 nahm die Landsgemeinde eine Vorlage an, deren Ziel es war, die Attraktivität des Dorfes zu steigern. «Umgesetzt ist in der Zwischenzeit aber immer noch nicht alles», sagt Manser. Die letzte Etappe, die Sanierung des Kronengartenplatzes, stehe nach wie vor aus.

Für Manser ist der Zeitpunkt gekommen, die Diskussion um die Aufwertung des Dorfzentrums erneut aufs Tapet zu bringen. In absehbarer Zeit werden mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes beim alten Coop sowie mit dem Grossprojekt an der Blattenheimatstrasse zwei Bauvorhaben in unmittelbarer Nähe des Zentrums realisiert. «Geschieht beides zur selben Zeit, würde dies ohnehin einige mindestens temporäre Veränderungen in der Verkehrsführung mit sich bringen.» Die sollten gemäss Manser genutzt werden.

Eine Tiefgarage und fahrerlose Elektrobusse

«Seit ein paar Jahren lassen sich unerfreuliche Entwicklungen beobachten», sagt Manser. «Online-Einkäufe drücken auf die Umsätze. Unter anderem hohe Mietzinsen beziehungsweise Verkaufspreise hinterlassen ungenutzte Ladenflächen, leere Schaufenster und geschlossene Gaststätten.» Dies seien aber nicht die einzigen «Gefahren» für die Attraktivität des Appenzeller Dorfkerns. Auch die Verkehrsführung sei ein Problem. Sowohl der Landsgemeindeplatz, der Schmäuslemarkt als auch der Postplatz sind für den motorisierten Verkehr zugänglich. Wie weit dies so bleiben soll, müsse ernsthaft überdacht und diskutiert werden, sagt Manser.

Ein grösserer autofreier Dorfkern würde allerdings bedeuten, dass Parkplätze wegfallen würden. Zur Kompensation sehe die GFI mittelfristig eine Tiefgarage in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern. Ebenso wäre es denkbar, dass fahrerlose Elektro-Kleinbusse Touristen wie auch Einheimische im Zehn-Minuten-Takt von den Parkplätzen (zum Beispiel Brauerei oder Gringel) kostenlos in die erweiterte Kernzone bringen könnten. «Davon würden insbesondere auch Betagte profitieren», ist Manser überzeugt. Die Arbeitsgruppe wird demnächst eine Exkursion nach Sion unternehmen, wo ein Test mit fahrerlosen Elektrobussen bereits im Gange ist. «Man müsste prüfen, ob man einen solchen Testlauf nicht auch in Appenzell durchführen könnte.»

Im Weiteren sei auch die Verkehrsführung über den Schmäuslemarkt und unter den Rathausbögen hindurch problematisch. Nicht nur, weil die durchfahrenden und parkierten Autos den Schmäuslemarkt, der für Manser der «neben dem Landsgemeindeplatz schönste Platz im Dorf» ist, verunstalten würden. «Touristen fühlen sich oft verunsichert, wenn sie in der Hauptgasse auf Autos treffen, weil sie denken, es sei eine Fussgängerzone.» Hinzu kommen Velodurchfahrten, die sowohl Touristen als auch Einheimische gefährden würden.

Den Landsgemeindeplatz kulturell nutzen

Steigerungspotenzial sieht Manser aber auch anderweitig. «Die Touristen gehen meist nur der Hauptgasse entlang zum Landsgemeindeplatz. Man könnte aber auch die anderen Gassen und Plätze – insbesondere den Postplatz oder den Kapuzinerkloster-Garten – aufwerten.» Es ginge aber nicht nur um die Touristen. «Das Dorf gehört ja schliesslich den Einheimischen.» Auch sie würden von einem attraktiveren Dorfkern profitieren. «Der Landsgemeindeplatz könnte mehr sein als nur ein Abstellplatz für Autos.» So könnte er vermehrt für Veranstaltungen wie Konzerte, Kultur- und Werkwochen oder Märkte genutzt werden. Nicht zuletzt hofft Manser, dass ein aufgewerteter Dorfkern auch wieder mehr Einheimische zum Einkaufen ins Zentrum lockt.

Der GFI-Präsident ist sich bewusst, dass sich diese Ideen nicht von heute auf morgen umsetzen lassen. Es sei letztlich eine Gratwanderung zwischen den Bedürfnissen der einheimischen Bevölkerung wie auch jenen der Touristen. Ziel sei es, eine öffentliche Diskussion auszulösen und auch Verbände und Interessensgruppen zu gewinnen – und mit Politikern auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.