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Fleissige Steinmetzlehrlinge verwandeln eine Brückenruine in ein Bijou

Die alte Steinbrücke bei der zwischen Appenzell und Gonten gelegenen Kesselismühle gehört zu den wichtigsten Kulturgütern im Kanton. Unter Mithilfe von Steinmetzlehrlingen soll das stark verwitterte Bauwerk ein zweites Leben erhalten.
Karin Erni
Im Werkhof Appenzell werden die Brückenteile angefertigt. Bild: Karin Erni

Im Werkhof Appenzell werden die Brückenteile angefertigt. Bild: Karin Erni

Sie schwingt sich in elegantem Bogen über den tosenden Kaubach, der zwischen Appenzell und Gonten einen Einschnitt in die Landschaft gegraben hat. Die Sandsteinbrücke bei der Kesselismühle ist die einzige ihrer Art in Innerrhoden. Doch ihr Zustand ist schlecht. Der Stein bröckelt. Um die Tragfähigkeit zu gewährleisten, mussten Eisenträger unterlegt werden. Ob die Brücke wirklich aus der Zeit Napoleons stammt, oder gar noch wesentlich älter ist, lasse sich nicht mit Sicherheit feststellen, sagt Alfred Koller. Der Bezirksrat von Appenzell hat das schon länger brachliegende Renovationsprojekt vor einem Jahr übernommen und rasch vorangetrieben.

Damit die Brücke wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden kann, ist viel Fachwissen nötig. Dieses hat man sich beim bekannten Brückenbauspezialisten Jürg Conzett aus Chur geholt. «Grosse Schäden bestanden in der Bogenuntersicht, wo von oben eindringendes Wasser im Lauf der Zeit die inneren Mörtelfugen ausgewaschen hatte, sodass sich einzelne Steine lösen konnten», so der Fachmann. Dank der Stahlrahmen sei die Brücke zwar nicht unmittelbar einsturzgefährdet, ohne Intervention hätten sich die Schäden jedoch laufend vergrössert.

Das Steinmetzhandwerk aufleben lassen

«Fehlende Steine wurden früher einfach mit Betonmasse zugespritzt», sagt Alfred Koller und zeigt auf eine solche Stelle an der Brücke. «Das Problem ist, dass der Beton den Sandstein angreift.» Das Fremdmaterial musste als erstes vollständig entfernt werden. Diese Arbeiten übernahm der Zivilschutz Appenzell. Anschliessend wurden in die freigelegten Löcher wieder passende Sandsteinblöcke eingesetzt und die Fugen mit einem Spezialmörtel ausgefüllt. Dies haben in den letzten zwei Wochen 19 Steinmetz- und Bildhauerlehrlinge der GBS in St. Gallen erledigt. Sie kommen aus der ganzen Schweiz, denn St.  Gallen ist neben Bern die einzige Ausbildungsstätte im Land. Fachlehrer Michael Sennhauser hat die Lehrlinge begleitet und ist begeistert vom Projekt:

«Die jungen Leute können hier etwas Sinnvolles machen, das Bestand hat.»

Die Arbeit habe etwas Nostalgisches an sich. «Es ist eine Atmosphäre wie in den alten Bauhütten.» Diese seien früher bei den Kathedralen gestanden und dienten den Handwerkern als Arbeitsstätten. Heute seien Steinmetze und Bildhauer meist Einzelkämpfer, sagt Michael Sennhauser. Die Lehrlinge hätten ihre behauenen Steine mit dem eigenen Zeichen versehen dürfen. «Das war früher die Lohnabrechnung, denn die Steinmetze wurden pro Stein bezahlt.» Das Projekt habe die Gruppe zusammenwachsen lassen, ist der Ausbildner überzeugt. Die Lehrlinge konnten während der zwei Wochen im Ferienheim Hackbüel schlafen. Verpflegt wurden sie durch einheimische Gewerbebetriebe. Das Mittagessen und der Znacht wurde vom Restaurant Golf Gonten zum Selbstkostenpreis geliefert, und den Znüni erhielten sie von der Metzgerei Fässler zu guten Konditionen.

Viel Handarbeit - hohe Kosten

Das Schwierigste bei so einem Projekt sei, die Kosten im Griff zu behalten, sagt Alfred Koller. «Immer wieder kommen Steine zum Vorschein, die ersetzt werden müssen.» 420000 Franken beträgt das Budget. Rund die Hälfte des Geldes wird von Bund und gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung gestellt.

Bezirksrat Alfred Koller zeigt, auf welcher Höhe die Fahrbahn sein wird.

Bezirksrat Alfred Koller zeigt, auf welcher Höhe die Fahrbahn sein wird.

Damit die Brücke wieder ein richtiges Schmuckstück wird, soll sie eine originalgetreue Pflästerung erhalten. Die Kosten dafür seien im Kredit noch nicht berücksichtigt. Sie seien noch auf der Geldsuche, sagt Koller. Er ist aber zuversichtlich, dass ab Oktober Jakobspilger und andere Wanderer die Brücke wieder nutzen können.

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