APPENZELL: Räss träumt von Botta-Bad

Die zwei Hallenbadvarianten, über deren Kredite die Landsgemeinde Ende Monat abstimmt, sind für Herbert Räss nicht gut genug. Er will stattdessen einen Stararchitekten engagieren. Das Gewerbe hält nichts davon.

Roger Fuchs
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Herbert Räss will ein drittes Mal von vorne beginnen und schlägt eine ganz eigene Hallenbadvariante vor. (Bild: Roger Fuchs)

Herbert Räss will ein drittes Mal von vorne beginnen und schlägt eine ganz eigene Hallenbadvariante vor. (Bild: Roger Fuchs)

«Die zwei vorliegenden Hallenbadvarianten halte ich für falsche Lösungsansätze.» Dies sagte Herbert Räss in einer persönlichen Stellungnahme an der Landsgemeinde-Vorversammlung des Innerrhoder Gewerbeverbandes. Er hofft am 30. April auf Zurückweisung des Hallenbadgeschäfts.

Herbert Räss ist bekannt als Sanierungsbefürworter des im Dezember 2014 geschlossenen Hallenbades in Appenzell. Zwar wäre eine Totalsanierung weiterhin in seinem Sinn, inzwischen kann aber auch er sich einen Neubau vorstellen. Allerdings nicht dort, wo das alte Bad steht, sondern auf dem heutigen Sportplatz Ziel.

Sobald dieser frei werde, soll einem renommierten Architekten wie beispielsweise Mario Botta der Auftrag für einen Entwurf für ein neues Hallenbad auf dem Zielgelände erteilt werden. So ein Bau wäre gemäss Räss nicht nur für Schwimmer, sondern auch für Architekturinteressierte ein Anziehungspunkt. Herbert Räss skizzierte gegenüber dem Gewerbe bereits ein ganz neues Appenzell: «Stellt euch vor, auf dem Zielplatz würde ein Stadtpark mit Tiefgarage und Hallenbad stehen. Die Verbindung von Einkaufsgelände im Mettlengebiet über Stadtpark zur Hauptgasse wäre nicht zu überbieten.»

Umsonst gibt Bezirk den Boden nicht

Würden wir Botta engagieren, bräuchten wir wohl einen Sponsor, der 100 Millionen Franken aufwirft, sagte Gewerbepräsident Albert Manser in einer ersten Reaktion. Landammann Daniel Fässler machte klar, dass an der Landsgemeinde nicht über ein Projekt, sondern über einen Rahmenkredit befunden wird. «Beim anschliessenden Wettbewerbsverfahren kann sich auch Mario Botta bewerben», so Fässler. Dann werde man sehen, ob er den Kreditrahmen einhalte. «Es stimmt nicht, dass bei Mario Botta alles zehnmal teurer ist», wehrte sich Herbert Räss. Auch dieser Architekt halte sich an die SIA-Normen. Er habe jedoch weltweit einen so guten Ruf, dass er eingeladen werden müsste und sicher nicht selber an einem Wettbewerb teilnehme.

Reto Inauen, Hauptmann des Bezirks Appenzell, führte aus, dass der Zielplatz blockiert sei, solange die Sportanlage Schaies nicht stehe und der Fussballplatz nicht verlegt sei. Was danach auf dem Ziel passiere, sei offen. «Ein Hallenbad war bislang jedoch nie eine der diskutierten Optionen gewesen», so Inauen. Ausserdem sei der Bezirk und nicht der Kanton Besitzer dieses Bodens. Um dem Bezirk den Boden abzukaufen, müssten dann zusätzlich zum Bauprojekt noch einige Millionen dazugerechnet werden.

«Vergebens geben wir den Boden nicht.»

Zwischen dem Kanton als Besitzer des Bodens beim alten Hallenbad und dem Bezirk als Besitzer des Zielgeländes müsse doch ein Abtausch möglich sein, konterte Herbert Räss und erntete damit einige Lacher. Die Schlussabstimmung beim Gewerbeverband zeigte ein klares Bild: Nur Herbert Räss will keine der zur Abstimmung kommenden Hallenbadvarianten unterstützen. Der Rest der 63 anwesenden Stimmberechtigten votierte bei vier Enthaltungen für die teurere der beiden Varianten − also für ein Hallenbad mit Wellnessangebot für 20 Millionen Franken plus eine Million Bauherrenreserve am bisherigen Standort.

Fallen beide Kredite an der Landsgemeinde durch, ist für Daniel Fässler klar: «Dann ist dieses Thema für lange Zeit vom Tisch.»