Appenzell
Die neuen Wirte sind die alten: Schieggs nehmen das Steuer im «Freudenberg» wieder selbst in die Hand

Eigentlich wollten Barbara und Robert Schiegg kürzertreten und haben das Panoramahotel einem neuen Gastgeberpaar verpachtet. Nach deren Scheitern sind sie wieder auf ihren Betrieb zurückgekehrt.

Karin Erni
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Barbara und Robert Schiegg sind gerne wieder zurück auf den Freudenberg gekommen.

Barbara und Robert Schiegg sind gerne wieder zurück auf den Freudenberg gekommen.

Karin Erni

Es ist ein sonniger Nachmittag unter der Woche. Die meisten Tische im grossen Gartenrestaurant des Panoramahotels Freudenberg sind besetzt. Die Gäste geniessen die schöne Aussicht und den Schatten der Bäume.

Der Traditionsbetrieb hoch über dem Dorf Appenzell ist seit 1963 in Familienbesitz. 1994 übernahm Robert Schiegg mit seiner Frau Barbara den «Freudenberg» von seinem Vater und unterzog das Gebäude im Jahr 2001 einem Totalumbau. Die beiden führten den grossen und aufwendigen Betrieb mit 250 Sitzplätzen und 16 Zimmern zur Zufriedenheit der Gäste und konnten auf ein grosses Stammpublikum zählen.

Verpachtung war keine gute Lösung

Als sich vor zwei Jahren bei Robert gesundheitliche Probleme bemerkbar machten, entschieden sich die Schieggs, den Betrieb zu verpachten. Robert jobbte als Aushilfschauffeur in einem Appenzeller Tiefbauunternehmen, Barbara arbeitete beim Batteriehersteller Wyon. «Das war einerseits ein schönes Leben. Wir hatten regelmässige Arbeitszeiten und jeden Abend Feierabend», erinnert sich Schiegg. Doch die Lösung mit dem Pächter Costantino Sciardone und seiner Partnerin sei leider nicht ideal gewesen, erinnert sich der Gastronom. «Er ist ein hervorragender Koch, aber der ‹Freudenberg› ist kein Gourmetlokal. Es braucht ein vielseitiges Angebot, das auch Ausflüglern gerecht wird und das alles zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.» Weil es Robert unterdessen gesundheitlich wieder besser ging, entschlossen sich die Schieggs, das Hotel Restaurant wieder selbst zu führen.

Nun steht der gelernte Koch wieder an jedem schönen Abend draussen am Grill und seine Frau kümmert sich um das Wohl der Gäste. Ein Knochenjob, doch es gefällt ihnen.

«Während der Hochsaison haben wir kaum einen freien Tag.»

Gutes Personal zu finden, sei derzeit eines der grössten Probleme in der Gastronomie, sagt Robert Schiegg. «Wir beschäftigen zwölf Festangestellte. Viele davon sind langjährige Mitarbeiter, die dem Betrieb im Durchschnitt seit zehn Jahren die Treue halten. Wir sind wie eine Familie und das gefällt uns.»

Ein zweiter Betrieb im Dorf

Robert Schiegg ist wieder voller Tatendrang. Als ob ihm die viele Arbeit im «Freudenberg» nicht reichen würde, hat er mit zwei Partnern gleich auch noch den «Marktplatz» im Dorf übernommen. Im hübschen Lokal am Kronengarten steht mit Lu Yip ist ein ehemaliger Mitarbeiter am Herd. «Er hat früher jeweils an der Fasnacht bei uns asiatisch gekocht. Diese Menüs waren sehr beliebt bei den Gästen. Darum war ich bereit, ihm mein Patent zur Verfügung zu stellen und helfe auf dem Betrieb, wo nötig, mit», so der Gastronom. Die «Asiachochi», wie das Lokal jetzt heisst, serviert Gerichte aus verschiedenen Ländern. Der Betrieb ist gemäss Schiegg gut angelaufen. «Das Angebot ist bei Touristen und Einheimischen beliebt.»

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