APPENZELL: Keine Angst vor grossen Investitionen

Innerrhoden rechnet im Voranschlag 2018 mit einem Defizit von 1,8 Millionen Franken. Dank solider Finanzbasis will man etliche Bauvorhaben verfolgen.

Merken
Drucken
Teilen

«Ich bin fest entschlossen, die für die nächsten Jahre geplanten Investitionen anzugehen», sagte Säckelmeister Thomas Rechsteiner gestern an einer Medienkonferenz zum Budget 2018. Der Blick über das kommende Jahr hinaus zeigt: Innerrhoden verfolgt grosse Projekte wie ein neues Spital oder Ersatzbauten für Polizei und Gerichte. Das kostet so viel Geld, dass der Selbstfinanzierungsgrad 2022 auf 1,44 Prozent fallen könnte. Dennoch will Rechsteiner diesen Weg gehen. «Wir haben die letzten Jahre genutzt, um Kapital aufzubauen. Unsere aktuelle Ausgangslage ist gut», sagte er. So beträgt das Eigenkapital des Kantons derzeit rund 125 Millionen Franken, die flüssigen Mittel umfassen 50 Millionen. Auch die Tatsache, dass man die Projekte etappiert angehen will, gibt dem Säckelmeister die Gewissheit, dass es funktionieren wird. «Natürlich könnten wir umgekehrt die Investitionen tief halten», ergänzte Landesbuchhalter Josef Manser. «Dann wären wir beim Selbstfinanzierungsgrad wieder über hundert Prozent. Doch für den Kanton sind ausbleibende Investitionen nicht nachhaltig.»

Eigenmietwert neu berechnen

Der Voranschlag 2018 geht in der konsolidierten Kantonsrechnung (Verwaltung-, Strassen-, Abfall- und Strassenrechnung) von einem Minus von 1,8 Millionen Franken aus. Das ist 0,5 Millionen besser als beim diesjährigen Budget. Dafür verantwortlich sind unter anderem steigende Steuereinnahmen von rund sechs Prozent (knapp 2,2 Millionen Franken). Auch tragen die Auflösung von Reserven für den Bau des Alters- und Pflegezentrums sowie für den Strassenbau dazu bei, das Defizit zu senken.

Einbussen auf der Einnahmeseite von gut 600000 Franken gibt es durch eine Anpassung der Eigenmietwertberechnung. Wie Thomas Rechsteiner ausführte, ist diese wegen eines Innerrhoder Gerichtsentscheids notwendig. Im Steuergesetz herrsche der Grundsatz, dass der Eigenmietwert der Marktmiete entsprechen müsse. Das sei mit der bisherigen Systematik nicht in allen Fällen erfüllt gewesen.

Personalkosten wachsen weiter

Die Personalkosten steigen 2018 um fast 600 000 Franken. Grund dafür sind neue Stellen im Altersheim Torfnest in Oberegg wie auch beim Oberforstamt. Zudem wird dem Verwaltungspersonal ein Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent gewährt und auch eine individuell zu verteilende Lohnerhöhung von total 0,5 Prozent ist in der Summe enthalten.

Aus dem Nationalen Finanzausgleich wird Appenzell Innerrhoden im nächsten Jahr trotz eines leichten Anstiegs im Ressourcenindex rund 0,3 Millionen Franken mehr – also 16,6 Millionen Franken – erhalten. Dies erklärt sich durch höhere Beitragszahlungen durch den Bund und die Geberkantone. Die geplanten Nettoinvestitionen in der konsolidierten Rechnung 2018 belaufen sich auf knapp 14 Millionen Franken.

Thomas Rechsteiner machte gestern auch klar: Innerrhoden ist mit seiner Selbstständigkeit gut gefahren und will weiterhin eigenverantwortlich handeln können. «Wir haben eine gute Perspektive für unsere Zukunft.»

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch