APPENZELL: «Kalter Krieg» im Bunker

Im Bezirk Schlatt-Haslen steht ein ehemaliger Armeebunker zum Verkauf. Der Verein Festungsmuseum Heldsberg aus St. Margrethen möchte hier einen weiteren Museumsstandort einrichten.

Karin Erni
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Der Maschinenraum des Bunkers soll unverändert als Anschauungsobjekt erhalten bleiben. (Bild: PD)

Der Maschinenraum des Bunkers soll unverändert als Anschauungsobjekt erhalten bleiben. (Bild: PD)

Der Bezirk Schlatt-Haslen könnte schon bald ein Museum er­halten. Im Gebiet Kästlis (siehe Grafik) steht ein Bunker, den die ­Schweizer Armee verkaufen will. Wie an der öffentlichen Versammlung am Dienstagabend bekannt wurde, kann der Bezirk bis im Mai 2017 die Wehranlage zum «Vorzugs»-Preis von 40 000 Franken kaufen.

Betreiber des Museums würde der Verein Festungsmuseum Heldsberg aus St. Margrethen. Präsident Ralf Pötzsch stellte das geplante Betriebskonzept vor. «Der Verein übernimmt die Wehranlage vom Bezirk in einer sogenannten Gebrauchsleihe. Das heisst, wir kommen für alle für den Betrieb nötigen Kosten auf.» Der Vertrag sehe eine Betriebsdauer von zehn Jahren vor, mit Option auf Verlängerung. Der Verein sei vom Potenzial der Anlage überzeugt, sagt Pötzsch. «Es handelt sich um einen ehema­ligen Kommandoposten der Grenzbrigade 8. Das historisch interessante Objekt ist in gutem Zustand.» Der Verein verfüge über 23 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet, so Pötzsch weiter. «Das Festungsmuseum Heldsberg gehört mit 8000 Gästen pro Jahr zu den bestbesuchten Anlagen der Schweiz. »

Als möglicher thematischer Aufhänger komme der «Kalte Krieg» in Frage. Der Verein Festungsmuseum Heldsberg verfügt gemäss Ralf Pötzsch über eine grosse Menge an Archivgut aus jener Epoche, das in Schlatt-Haslen ausgestellt werden könnte. In der Anlage sollen ganzjährig Führungen angeboten werden, zudem würden regelmässig offene Tage durchgeführt. Es wäre auch ein Verpflegungsangebot denkbar. «In St. Margrethen lösen wir das mit einem Catering-Betrieb», so Pötzsch. Die Stimmbürger von Schlatt-Haslen werden an der Bezirksgemeinde vom 7. Mai 2017 über den Kauf abstimmen. Verzichten sie, kommt der Bunker auf den freien Markt, wo ähnliche Objekte schon das Zehnfache des ursprünglichen Preises erzielt hätten.

Strasse und Schiessstand beschäftigen

Weiteres Thema der Bezirksversammlung war die verkehrsmässige Erschliessung des Gebietes Egg, das im Jahr 2014 als Bauland eingezont worden war. Unter verschiedenen geprüften Erschliessungsvarianten habe sich nur jene über den Dorfplatz als durchführbar erwiesen, sagte Bezirksrat Guido Brülisauer. Nun wehre sich jedoch ein Anrainer gegen die notwendige Verbreiterung der Strasse. Der Bezirk müsste den Boden mittels Enteignung beschaffen. Eine Rückzonung des Gebietes Egg komme nicht in Frage, da dies Entschädigungsfolgen nach sich ziehen würde. Brülisauer missfiel es sichtlich, dass der Bezirk nun wohl oder übel «Geld zum Streiten» ausgeben müsse.

Anlass zu Diskussionen gab auch der Schiessstand. «Alle Schützenvereine haben das gleiche Problem: schwindende Mitgliederzahlen und steigende Kosten», sagte Brülisauer und bedauerte, dass die Teufener Schützen nicht nach Innerrhoden kommen wollten. Beim Schiesswesen zeichne sich wohl auch für Schlatt-Haslen über kurz oder lang eine regionale Lösung ab. «Ob an einem oder zwei Standorten wird sich noch weisen.»

Bezirksrat Albert Sutter informierte über die Wasserversorgung. Auch hier zeichne sich eine Regionalisierung ab. In den nächsten vier bis sechs Jahren ist eine Übernahme des Leitungsnetzes durch die Wasserkorporation Rüte vorgesehen. Bereits jetzt habe man zwei Brunnenmeister der Wasserversorgung Appenzell, die rund um die Uhr Pikettdienst leisteten.