Appenzell Innerrhoden
«Wir sind wahnsinnig gut im Aufräumen»: Das Museum Appenzell lässt eine beschränkte Anzahl Besucher hinter seine Kulissen schauen

Im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums der Stiftung Pro Innerrhoden organisierte das Museum Appenzell eine exklusive Kurzführung durch das Sammlungsdepot. Die Besucherzahl war auf 15 Personen beschränkt.

Lilli Schreiber
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Seit 1971 fördert die Stiftung Pro Innerrhoden das Kulturschaffen des Kantons Appenzell Innerrhoden, seit 1999 betreibt sie auch das Museum Appenzell. Das Sammeln wird im Museum Appenzell gross geschrieben und zählt zu einem zentralen Teil der Museumsarbeit.

Waren es vor 20 Jahren noch rund 5000 Objekte und Fotografien in der Museumssammlung, so sind es mittlerweile bereits über 30'000. Das Museum befand sich zeitweilig im Schloss und danach im Rathaus in Appenzell, bevor 1995 das neue Museum Appenzell eröffnet werden konnte.

Wie Platzproblem lösen?

Die Sammlung im Museum Appenzell wird kontinuierlich erweitert, erklärt Birgit Langenegger, Co-Leiterin des Museums. «Über die Beschaffung neuer Objekte müssen wir uns keine Sorgen machen. Der Platz für die ganzen Exponate macht uns aktuell mehr zu schaffen.» Sie sagt:

«Wir sind aber zum Glück wahnsinnig gut im Aufräumen.»

Aktuell sei es noch unvorhersehbar, wie das Museum das Platzproblem lösen könne. Letztlich handle es sich bei Museen eben auch immer um die Ressourcenfrage. Das Museum Appenzell sei diesbezüglich aber recht gut aufgestellt, versichert die Co-Leiterin.

Birgit Langenegger, Museum Appenzell.

Birgit Langenegger, Museum Appenzell.

Bild: Ralph Ribi

Um auch die grösseren Objekte, wie beispielsweise Wägen und Karren, im wachsenden Bestand des Museums archivieren zu können, befindet sich weitere Depots in der Feuerschau und im ehemaligen Armenhaus und heutigem Bürgerhaus in Appenzell.

Sammeln und Schenken

Das Museum Appenzell generiert seine meisten Ausstellungsstücke durch Schenkungen, mehrheitlich von Innerrhoder Personen. Dabei sei es auch schon vorgekommen, dass Birgit Langenegger nicht alles Geschenkte in die Sammlung aufnehmen konnte. «Viele Objekte und Serien von Gegenständen haben wir bereits in mehrfacher Ausführung», erklärt sie.

Dennoch ist man im Museum Appenzell stark auf Sammlungsstücke aus alltäglichem und traditionellem Gebrauch angewiesen. Die Co-Leiterin sagt: «Was man nicht sammelt, kann man auch nicht ausstellen.»

Exklusive Führung durch das Depot des Museums Appenzell.

Exklusive Führung durch das Depot des Museums Appenzell.

Bilder: Lilli Schreiber

Das Museum Appenzell habe als eher kleine Institution aber eine grosse und umfangreiche Sammlung vorzuweisen, so Langenegger. Mit der Öffnung des Depots möchte das Museum Appenzell ausserdem ein Bewusstsein für die Arbeit hinter den Kulissen der sichtbaren Ausstellung aufmerksam machen.

«Als Museumsbesucherin und Museumsbesucher hat man meist keine Vorstellung davon, was für eine enorme Arbeit im Archivieren der Objekte steckt», sagt sie. So befindet sich in der Regel nur ein Drittel der gesamten Sammlung in den Dauer- und Sonderausstellungen, während die restlichen zwei Drittel derweilen im Depot gelagert sind.

Was einmal im Depot des Museums Appenzell landet, bleibe für immer dort, so die Co-Leiterin. Vereinzelt habe das Museum Appenzell aber auch schon Objekte aus der Sammlung an Museen in der Schweiz verliehen. So profitierte unter anderem bereits das Völkerkundemuseum Zürich vom Innerrhoder Sammelgeist, indem sie Heugeräte aus Appenzell ausstellen konnten.

«Immer etwas zu tun»

Dass es den Museumsmitarbeitenden, bestehend aus einer Praktikantin, zwei Austellungs- und Sammlungsbeauftragten, sowie den beiden Museums Co-Leiterinnen, nie langweilig wird, bestätigt sich, als Birgit Langenegger von dem ständigen Digitalisierungsprozess, gefolgt von Archivierung und Restaurierung der einzelnen Objekte, berichtet. «Wir sind nie fertig, es gibt immer etwas zu tun.» Sie hat selbst vor 20 Jahren als Praktikantin im Museum Appenzell ihre Arbeit aufgenommen.

Auf die während der Depotführung immer wieder aufgekommene Frage nach dem finanziellen Wert des Depots, kann Langenegger keine genaue Antwort geben. Sie sagt:

«Wir haben hier von Wäscheseilen ohne jeglichen Wert, bis hin zu wertvollen Landschaftsmalereien von Sybille Nef.»

Die Wertunterschiede im Museum Appenzell sind somit gross. Das wertvollste im Museum gelagerte Ausstellungsstück dürfte wohl die kleine, aber unscheinbare Petrusplatte sein, die aus der Kirche St.Mauritius in Appenzell stammte.

Volks- und Alltagskunde

Ganz im Sinne der Sonderausstellungen zum Überthema «Vom Besonderen und Alltäglichen» weisen auch die Sammlungsbestände im Depot eine grosse Diversität auf. Seit der Gründung des Museums 1879 haben sich zu der Altertumssammlung, darunter ein Sarkophag, zahlreiche Objekte aus Tradition und Alltag dazugesellt. Das beste Beispiel macht die aktuelle Spielsachen Ausstellung.

Das Museum Appenzell möchte auch weiterhin Schnittstelle zwischen Volks- und Alltagskunde, zwischen zeittypisch und appenzellspezifisch sein. Birgit Langenegger sagt:

«Bei Volkskultur geht es immer auch um Alltagskultur.»

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