Appenzell Innerrhoden
«Das Sterben gehört zu unserem Leben»: Der Hospiz-Dienst Appenzell begleitet Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke

Der Hospiz-Dienst Appenzell übernimmt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Er begleitet sterbende Menschen und unterstützt sowie entlastet Angehörige in dieser schwierigen Zeit. Mit Verspätung feiert der Verein nun sein zehnjähriges Bestehen.

Vreni Peterer
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Gründungsmitglieder und aktuelle Vorstandsmitglieder des Hospiz-Dienstes Appenzell.

Gründungsmitglieder und aktuelle Vorstandsmitglieder des Hospiz-Dienstes Appenzell.

Bild: vp

Der Hospiz-Dienst Appenzell wurde am 9. Dezember 2010 gegründet. Die Initianten waren unter anderem Luzia Manser, Brigitte Fritsche, Bernadette Vinzent und Bruno Koster. Als Vereinsziel formuliert wurde damals, Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke zu begleiten und die Angehörigen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und zu entlasten.

Dieser Leitgedanke gilt auch für den aktuellen Vorstand, zu dem noch immer Bernadette Vinzent (Vizepräsidentin) und Bruno Koster (Kassier) gehören. Gewechselt hat inzwischen das Präsidium, das mittlerweile Bernadette Dobler übernommen hat, Stellenleiterin wurde Caroline Hörler und das Amt der Aktuarin bekleidet seit einigen Jahren Karin Fässler.

Wegen Covid-19 konnte der Hospiz-Dienst Appenzell letzten Dezember sein zehnjähriges Bestehen nicht gebührend feiern. Ein Jubiläumsanlass wurde deshalb für diesen Herbst ins Auge gefasst. Wegen der aktuellen Schutzbestimmungen sah der Vorstand jedoch davon ab. Er lud aber die Gründungsmitglieder zu einer schlichten Feier im kleinen Rahmen ein.

Zeit schenken

«Ich engagiere mich für den Hospiz-Dienst, weil das Sterben zu unserem Leben gehört», so fasst eine Begleiterin ihre Motivation für den Freiwilligendienst bei schwerkranken Menschen zusammen. Eine andere Frau sagt: «Ich möchte schwerkranken Menschen und den begleitenden Familien in diesem anspruchsvollen Lebensabschnitt Entlastung und liebevolle Präsenz schenken.» Eine dritte Freiwillige bringt es auf den Punkt:

«Für jemanden da zu sein in dieser ganz besonderen Lebensphase, ist eine Zeitinvestition, wie sie besser nicht sein könnte.»

Anfragen an den Hospiz-Dienst richten können Angehörige, Spitex-Dienste, Ärzte, Alters- und Pflegeheime, das kantonale Gesundheitszentrum und andere Institutionen.

Der Hospiz-Dienst versteht sich als Ergänzung zur medizinischen, seelsorgerischen und pflegerischen Betreuung und erfolgt in enger Zusammenarbeit mit diesen Partnern. Momentan zählt der Verein 15 Frauen und drei Männer, die Begleitungen machen. Zum Einsatzgebiet gehören das ganze innere Land sowie die Gemeinden Bühler und Gais. Die Einsätze werden unentgeltlich geleistet.

Gut verankert

«Wir spüren, dass der Hospiz-Dienst gut verankert ist und einen guten Bekanntheitsgrad erlangt hat», sagt Präsidentin Bernadette Dobler. Das zeige sich an der Zahl der Vereinsmitglieder, die stetig wachse. Aber auch an den Spenden und den finanziellen Zuwendungen von Trauerfamilien, die sich auf diese Weise für die Begleitung durch den Hospiz-Dienst bedanken. Sehr geschätzt wird vom Vorstand, dass Opfer in den Kirchen für den Hospiz-Dienst aufgenommen werden. Weitere finanzielle Stützen sind die Jahresbeiträge der Vereinsmitglieder und der Erlös der Hospiz-Flohmärkte.

Obwohl die Begleiterinnen und Begleiter sowie der Vorstand sich ehrenamtlich engagieren, ist der Verein auf diese finanziellen Mittel angewiesen. Zum einen für die Aus- und Weiterbildungen. Zum anderen für den operativen Bereich wie die Betreibung der eigenen Website, den Druck von Flyern und Trauerkarten, allgemeine Drucksachen, Spesen der Freiwilligen oder Honorare für Referenten an den Hauptversammlungen.

Freiwillige gesucht

Um zeitlich längere Einsätze leisten zu können, oder um gleichzeitig zwei Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, ist der Hospiz-Dienst auf eine gewisse Anzahl von Freiwilligen angewiesen. Er sucht deshalb noch weitere Begleiterinnen und Begleiter. Wer sich beim Hospiz-Dienst Appenzell engagieren möchte, sollte zeitlich flexibel sein und den Kurs «Nahe sein in schwerer Zeit» besucht haben oder ihn noch besuchen. Interessierte können sich bei der Einsatzleiterin, Caroline Hörler, melden. Zu erreichen ist sie unter: 078 694 22 20. (vp)

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