Appenzell, Hauptstadt der Bienen

Am Montag ist Weltbienentag. Mathias Götti Limacher, Präsident von «Bienen Schweiz»,
über das Wohl der Insekten und den Einfluss des kalten Wetters der vergangenen Tage.

Philipp Wolf
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Bienen sind auf einen intakten Lebensraum angewiesen. (Bild: Igor Geiger/Getty)

Bienen sind auf einen intakten Lebensraum angewiesen. (Bild: Igor Geiger/Getty)

Wer an das Appenzellerland denkt, hat die atemberaubende Natur vor Augen. Majestätische Berglandschaften und saftige Wiesen, auf denen Kühe weiden und das Leben blüht. Der Biene sollte es in so einer Umgebung ebenfalls gut ergehen, könnte man meinen. Ganz so simpel ist es jedoch nicht. Auch im naturverbundenen Appenzellerland ist es Bienen nicht immer möglich, sich frei zu entfalten.

Mathias Götti Limacher, Präsident von «Bienen Schweiz», sagt:

«Es werden immer wieder Blumenwiesen stehen gelassen, das kommt den Bienen zugute.»

Doch werde die Landwirtschaft auch hierzulande intensiv betrieben. Folglich stünden den Insekten nur wenige Flächen für die Nahrungssuche zur Verfügung. Diesen Umstand hat die Region mit dem Rest der Schweiz gemein.

Bienen geniessen immer mehr Aufmerksamkeit

Dass «Bienen Schweiz», der Imkerverband der deutschen und rätoromanischen Schweiz, ihren Sitz in Appenzell hat, ist denn auch nicht der hiesigen Naturvielfalt geschuldet. Die Organisation ist hier beheimatet wegen Richard Wyss, ihrem ehemaligen Präsidenten. «Richard Wyss ist Appenzeller und früher war es so, dass der Sitz der Organisation mit der Herkunft des Präsidenten wanderte», sagt Götti Limacher. Der 45-Jährige hat mit dieser Tradition gebrochen und den Sitz des über 150-jährigen Vereins als Bündner in Appenzell belassen.

Zum Weltbienentag am Montag macht der Verein mit verschiedenen Veranstaltungen auf das Wohl der Insekten aufmerksam. Die Bienen geniessen – wie die Biodiversität im Allgemeinen – immer mehr Aufmerksamkeit. Der Hype um Bienen im Speziellen begann 2012, nach dem Film «More Than Honey» des Schweizers Markus Imhoof. Götti Limacher sagt:

«Wir sind froh, dass sich dieser Hype mittlerweile zu einer allgemein gesteigerten Aufmerksamkeit gewandelt hat, und er nicht bloss ein Strohfeuer war.»

Den Garten ruhig einmal wuchern lassen

So nahm in den vergangenen Jahren beispielsweise die Zahl der Neuimker bei «Bienen Schweiz» stetig zu und stabilisierte sich bei rund 700 bis 800 pro Jahr. Götti Limacher betont derweil, dass man nicht zwingend Bienen halten muss, um ihnen Gutes zu tun. «Im Garten soll immer etwas blühen», sagt Götti Limacher.

Je mehr blüht, desto besser. Zudem könne für Brutmöglichkeiten der Insekten gesorgt werden, in dem man beispielsweise tote Bäume stehen lasse. Weiter könnten Konsumenten beim Kauf von Honig auf dessen Herkunft und Herstellung Rücksicht nehmen. Dieses Jahr müssen sich Liebhaber des Bienenproduktes jedoch darauf einstellen, in den Läden weniger Schweizer Honig anzutreffen. Weil es dieser Tage ungewöhnlich kalt sei, produzierten die Bienen kaum Frühlingshonig, sagt Götti Limacher. Für die Insekten selbst sei das garstige Wetter derweil weder ideal noch besonders problematisch.

Problematisch wäre viel mehr, wenn die Biodiversität weiter schwinden würde – als dies bereits der Fall ist – und die Bienen Gefahr liefen, auszusterben. Denn die Biene sei ein Indikator dafür, wie es um die Natur stehe, so Götti Limacher. Würde sie verschwinden, sähe es düster aus. Ein berühmter Ausspruch propagiert schliesslich: «Erst stirbt die Biene, dann der Mensch.»