APPENZELL: Er weiss, wie man überzeugt

Ein gesundes Selbstvertrauen und eine gehörige Portion gute Rhetorik sind die Instrumente von Sepp Breitenmoser. Nicht zuletzt dank dieser beiden Charaktereigenschaften holt er einen weiteren Grossanlass nach Appenzell Innerrhoden.

Bruno Eisenhut
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In seiner heimischen Stube freut sich Sepp Breitenmoser über die Zusage. (Bild: Bruno Eisenhut)

In seiner heimischen Stube freut sich Sepp Breitenmoser über die Zusage. (Bild: Bruno Eisenhut)

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut@appenzellerzeitung.ch

Vier Austragungsorte buhlten um das Jubiläumsschwingfest des Eidgenössischen Schwingerverbands. Am Schluss jubelten die Appenzeller. Als Präsident des Bewerbungs-OK trug Sepp Breitenmoser einen erheblichen Anteil dazu bei, dass Appenzell im Jahr 2020 in aller (Schwinger-)Munde sein wird. Zwar freut sich der 71-Jährige einen Tag nach der erfolgreichen Kandidatur über das Resultat, ganz neu ist für ihn dieses Gefühl aber nicht. Schon mehrfach hat er Grossanlässe nach Appenzell geholt. Angefangen von Kantonalen Schwingfesten und dem Nordostschweizerischen Schwingfest bis hin zur Seilzieh-WM im Jahr 2012. Nicht nur «geholt» hat er diese Anlässe, er amtete jeweils auch als OK-Präsident.

Zu sehen, wie sich die Appenzeller Bevölkerung motivieren lasse, treibe ihn immer wieder an, etwas Besonderes, etwas Einzigartiges anzupacken, erklärt Breitenmoser. Er sei überzeugt, dass dies zur Werterhaltung innerhalb der Gesellschaft beitrage. Der Lohn für seine Arbeit bestünde aus unzähligen erfreulichen Rückmeldungen und vielen wertvollen Freundschaften, bilanziert Sepp Breitenmoser. Die angesprochenen Freundschaften sind es denn auch, die zur Motivation Breitenmosers beitragen. «Ich darf in meinem Umfeld auf einige Personen zählen, mit denen ich schon hohe Ziele erreicht habe.» Viele davon kenne er schon seit Jahrzehnten, andere seien in jüngerer Zeit hinzugekommen. Breitenmoser erwähnt in diesem Zusammenhang das OK von der Seilzieh-WM. Fünf Jahre nach dem Anlass treffe sich dieses noch immer regelmässig.

Eine Genugtuung für Breitenmoser

Immer wenn es um die Kandidatur von Grossanlässen ging, blieb Sepp Breitenmoser einem seiner Grundsätze treu: «Nur wenn ein Fest für Appenzell machbar ist, wird es angestrebt.» Bei den vorgängigen Abklärungen müsse man ehrlich zu sich selber und realistisch bleiben. So war es auch, als Anfang der 2000er-Jahre der Appenzellische Schwingerverband zusammen mit beiden Appenzell abklärte, ob sich das Appenzellerland für die Aus­tragung eines Eidgenössischen Schwingfests bewerben soll. Sepp Breitenmoser hat den Ausschuss für die damaligen Vorabklärungen geleitet. «Enttäuscht mussten wir anerkennen, dass dieser Anlass für das Appenzellerland zu gross gewesen wäre.» Umso mehr bezeichnet Sepp Breitenmoser die vorgestrige Zusage für das Jubiläumsschwingfest als Genugtuung. Und wieder seien viele erfreuliche Rückmeldungen dazugekommen. So hätten viele der stimmberechtigten Delegierten aus den anderen Teilverbänden ihm und dem gesamten Bewerbungskomitee für den Auftritt gratuliert. Gleich taten dies auch die anderen drei Bewerber aus Neuenburg, Bern und Luzern. Für Letztere dürfte die sonntägliche Abstimmung ein Déja-vu gewesen sein. Schon bei der Vergabe der Seilzieh-WM setzte sich Appenzell bei der Schweizer Ausscheidung gegen Luzern durch, ehe dann im internationalen Seilzieh-Verband Nationen wie die Niederlande oder Schweden übertrumpft wurden.

Und jetzt ein Schritt zurück

Anders als an früheren Grossanlässen wird Sepp Breitenmoser beim Jubiläumsschwingfest nicht als OK-Präsident im Einsatz stehen. Es sei an der Zeit, jüngeren Kräften Platz zu machen, sagt der 71-Jährige (siehe Kastentext). Für ihn bleibt die Gewissheit, mit seinen akribischen Vorbereitungen und seiner überzeugenden Rhetorik ein weiteres Mal dafür gesorgt zu haben, dass Appenzell im Blickpunkt des Geschehens stehen wird. Gleichwohl bleibt ihm die Gewissheit, auf einem Höhepunkt einen Schritt retour zu machen. Gleiches ist ihm als Unternehmer geglückt. Im Jahr 2007 hat Sepp Breitenmoser zusammen mit seiner Frau Heidi die Geschäftsführung seiner Metzgerei in jüngere Hände übergeben. Dies, nachdem er zuvor noch einmal baulich in die Firma investiert hatte. Nachdem er dem ­Innerrhoder Grossrat im Jahr 2001/02 als Präsident vorstand, zog er sich 2004 aus der Politik zurück. Aktiv war das heutige Ehrenmitglied vom Nordostschweizerischen Schwingerverband schon in jungen Jahren. 1971 gründete er die Handballriege des TV Appenzell und später zeigte er sich als Schulpräsident von Appenzell für die Einführung der Musikschule verantwortlich.