APPENZELL: Eine Nacht im Kloster

Seit einiger Zeit lebt wieder eine Schwester im Kloster Maria der Engel in Appenzell. Auch für Gäste und Pilger hat das Kloster Zimmer zur Übernachtung. Sie können am Klosterleben teilnehmen.

Sara Leu
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Alle Zimmer sehen ähnlich aus und sind einfach und bescheiden eingerichtet.

Alle Zimmer sehen ähnlich aus und sind einfach und bescheiden eingerichtet.

Sara Leu

sara.leu@appenzellerzeitung.ch

Seit zwei Jahren wohnt Schwester Agatha im Kloster Maria der Engel in Appenzell. Sie ist zurzeit die einzige Schwester dort. Davor lebte sie schon 30 Jahre lang in einem Kloster im österreichischen Vorarlberg. Sie wuchs in einer gläubigen Bauernfamilie auf. Den Gedanken, ins Kloster zu gehen, hatte sie nicht von Kindheit an. In Wien studierte Schwester Agatha Medizin. Sie half oft im Krankenhaus mit. Dort habe sie viel erlebt und gesehen. Irgendwann kam ihr der Gedanke, wer denn den Menschen helfe, denen die Medizin nicht mehr helfen könne. So hat sie angefangen, für diese Menschen zu beten.

Gegen Ende ihres Studiums ging Schwester Agatha mit einer Freundin in ein Kloster schnuppern. Sie spürte, dass dies ihr Platz sei, hat sich aber noch nicht für den Eintritt entscheiden können. «Ich wusste nicht, ob es bloss Einbildung war oder der Wille Gottes. Ja sagen kann ich nur, wenn mir Gott die Gnade gibt, dann ist es auch sein Wille», sagt Schwester Agatha. Erst als sie nochmals ein Wochenende ins Kloster ging, wusste sie, dass sie ins Kloster gehört. Sie schloss ihr Medizinstudium ab und trat mit 24 ins Kloster ein. «Bis heute ist es für mich der richtige Weg», sagt Schwester Agatha.

Pilger und Gäste kommen nach Appenzell

Das Kloster Maria der Engel hat 15 Pilgerzimmer und weitere Zimmer für Gäste, die mehr als eine Nacht bleiben. Die Zimmer sind einfach und bescheiden eingerichtet. Doch es hat alles, was man braucht: ein Bett, einen Nachtisch, eine Komode und einen Stuhl. Früher gab es 34 Schwesternzimmer.

Das Kloster beherbergt eine kleine Hausgemeinschaft. Schwester Agatha wird von Ilse Cimander unterstützt. Sie lebt seit eineinhalb Jahren im Kloster. Sie trage den Neuanfang der geistlichen Gemeinschaft im Kloster Maria der ­Engel mit, sagt Schwester Agatha. Die beiden kümmern sich um den Garten, den Haushalt und bewirtschaften die Zimmer. Die Früchte, die sie ernten, verar­beiten sie zu Konfitüre, aus den ­vielen verschiedenen Kräutern gibt es Tee und Gewürze. Die selbstgemachten Produkte kann man direkt im Kloster­laden kaufen.

Warum Menschen Ferien im Kloster machen wollen, hat zum einen den Grund, dass Schwester Agatha die Hagiotherapie und geistliche Begleitung anbietet. Die Hagiotherapie ist die Heilung der Geistseele. Man hört Menschen zu, die sich in schwie­rigen Lebenslagen befinden, und nimmt Hilfe vom heiligen Geist an. «Die Wertschätzung dieser Menschen ist wichtig. Man muss das Gute in der Person ­stärken und nicht nur auf das Schwache und Kranke schauen», so Schwester Agatha. Was vielen Gästen helfe, sei der ge­regelte Tagesablauf. Am Morgen zum Gebet aufzustehen, danach in die Kirche zum Gottesdienst zu gehen und dann gemeinsam zu frühstücken, bringe schon einen guten Start in den neuen Tag, so Schwester Agatha. «Wenn die Gäste wollen, können sie im Klostergarten helfen und die Pflanzen pflegen. Viele helfen immer wieder gerne.»

Nebst Gästen, die bis zu mehreren Wochen bleiben, finden auch Pilger für eine Nacht eine Bleibe. «Unsere Gäste nehmen meistens an unserem Alltag teil. Auch die Pilger sind beim Abend- und Morgengebet eingeladen, aber das ist ein freies Angebot und ein spezielles Erlebnis beim Übernachten im Kloster», sagt Schwester Agatha. Es gibt Tage, da kommen Jakobspilger als Gruppe, dann wieder nur ein einzelner Pilger, manchmal auch gar keiner. Die Gäste kommen von überall her. «Es entstehen interessante Gespräche mit unseren Gästen und Pilgern. So ist jeder Tag spannend», sagt Schwester Agatha.