APPENZELL: Ein sommerlich-heiterer Konzertabend

Das Ventus Quintett Salzburg und der Pianist Clemens Zeilinger präsentierten in der Ziegelhütte ein beschwingtes Konzertprogramm mit Werken von Joseph Haydn, Antonín Dvorák, Leonard Bernstein und George Gershwin.

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Das Salzburger Künstlerensemble erfreute in Appenzell mit traditionellen Bläserserenaden und George Gershwins «Rhapsody in Blue». (Bild: Ferdinand Ortner)

Das Salzburger Künstlerensemble erfreute in Appenzell mit traditionellen Bläserserenaden und George Gershwins «Rhapsody in Blue». (Bild: Ferdinand Ortner)

Ein aufgeschlossenes Publikum erlebte am vergangenen Freitag in der Ziegelhütte das Gastspiel des Ventus Bläserquintetts aus Salzburg und des Wiener Konzertpianisten Clemens Zeilinger als begeisternden Event. Das renommierte Holzbläser-Ensemble – bestehend aus Spitzenkönnern bekannter Salzburger Orchester – und der namhafte Pianist präsentierten klangschöne klassische Serenaden und typisch amerikanische Konzertmusik mit Elementen von Jazz und Pop. Programmhöhepunkt des Abends war die weltberühmte «Rhapsodie in Blue» von George Gershwin (1898–1937), arrangiert von Reinhard Gutschy für Bläserquintett und Soloklavier. Wie auch bei der Operettenouvertüre «Candide» von Leonard Bernstein (1918–1990), dem Komponisten der «West Side Story», beeindruckten besonders die schmissigen Jazzrhythmen mit viel Drive und der spezielle Sound des Ensembles.

Es war ein Hochgenuss, wie musikalisch effizient das Quintett – die Flötistin Ingrid Hasse, die Oboistin Sanja Romic, der Klarinettist Gabor Lieli (Gründer des Quintetts), der Fagottist Zarko Perisic und der Hornist Peter Erdei – gemeinsam mit dem Pianisten Clemens Zeilinger musizierte. Erstklassig waren auch die spieltechnische Perfektion der Vorträge, die klangliche Balance der diffizilen Blasinstrumente und das nahtlose Ensemblespiel. Die Interpreten brillierten vor allem bei der «Rhapsodie in Blue» mit Souveränität und hohen solistischen Qualitäten.

Serenadenmusik mit Marschthemen

Schon bei Konzertbeginn war sehr beeindruckend, mit welcher Spielkultur und Klangschönheit das «Divertimento in B-Dur, Choral St. Antoni» von Joseph Haydn, eine melodiöse höfische Bläserserenade, vorgetragen wurde. Das markante Choralthema – eingefügt zwischen einem heiteren Allegretto con spirito, einem galanten Menuett und dem munteren Rondofinale – kam voll zur Wirkung. Blühende Melodien, betörender Wohlklang und rhythmische Vielfalt versprühte die viersätzige Bläserserenade in ­d-Moll, op. 44, des Tschechen Antonín Dvorák (1841–1904), ein einfallsreiches Werk mit romantisch-träumerischen Farben und böhmischem Volksmusik-Flair. Eingerahmt von Marschthemen zu Beginn und im furiosen Finale, erfreuten im Tempo di minuetto typisch tschechische Volkstanzmotive und im liedhaften Andante wunderschöne Melodien. In reizvollem musikalisch-stilistischen Kontrast zur traditionellen europäischen Musik stand nach der Pause zuerst die schwungvolle Aufführung der «Candide»-Ouvertüre von Leonard Bernstein – zündende, von Jazz geprägte, echt amerikanische Musik. Ein besonders fesselndes Erlebnis und die Krönung des Abends vermittelte die mitreissende Interpretation der weltberühmten «Rhapsodie in Blue» von George Gershwin, deren swingende Themen und facettenreiche Jazzelemente die Zuhörerschaft faszinierten. Während der Pianist den originalen Solopart spielte, übernahm das Quintett den Orchesterpart und sorgte für ein kompaktes, transparentes Klangbild.

Alle Interpreten – in erster Linie der hervorragende Klaviersolist Clemens Zeilinger – bewiesen grosse musikalische und virtuose Qualitäten. Der Pianist gestaltete – assistiert vom Quintett – den anspruchsvollen Solopart sehr emotional und meisterte die erregenden Kadenzen und Akkordkaskaden bravourös. Den stürmischen Beifall quittierten die Künstler mit den Zugaben «Chanson bohémienne» aus «Carmen» und «Summertime» aus «Porgy and Bess».

Ferdinand Ortner

redaktion

@appenzellerzeitung.ch