Appenzell
«Das passt für uns beide perfekt»: Der Christbaumlieferant wird zum Verkäufer

Das traditionsreiche Vorweihnachtsgeschäft von Emil Kölbener aus Schlatt ist seit dieser Saison in neuen Händen. Ein 32-jähriger Landwirt aus dem Thurgau expandiert ins Appenzellerland.

Karin Erni und Vreni Peterer
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Miriam Majaniemi

Fast 40 Jahre lang verkaufte Emil Kölbener aus Schlatt in der Gartenwirtschaft beim Restaurant Sonne am Landsgemeindeplatz in Appenzell Christbäume. Schon länger war der 67-Jährige auf der Suche nach einem Nachfolger. Mit Markus Oettli aus Amriswil hat er nun offenbar den Richtigen gefunden.

Der 32-jährige Landwirt betreibt neben Obst- und Ackerbau auch eine Christbaumkultur von vier Hektaren. Er gehörte schon länger zu den Lieferanten von Emil Kölbener. Die beiden verstehen sich gut und darum wird Emil auch dieses Jahr noch gelegentlich auf dem Markt anzutreffen sein. Markus Oettli sagt:

«Das passt für uns beide perfekt. Er kann langsam loslassen und seine Kenntnisse und die grosse Erfahrung weiterhin an die Kunden weitergeben.»

Etwas Wehmut verspüre er nämlich schon, verrät Emil Kölbener, denn beim Christbaumverkauf habe er viele schöne Stunden erlebt. Ist ihm in all den Jahren nie ein Christbaum gestohlen worden? Die Antwort kommt blitzschnell: «Doch, drei Stück auf einmal – und zwar eingepackte, die schon von Kunden ausgewählt worden waren. Ob die Diebe wohl wirklich Freude daran hatten?»

Ökologischer Anbau wichtig

Die Familie Oettli verfügt über viel Erfahrung im Christbaumanbau. Grossvater Robert begann bereits im Jahr 1948 mit dem Verkauf kleiner Tännchen. Die Kultur sei keine einfache Sache, sagt Markus Oettli. «Von 100 gepflanzten Bäumen werden nur etwa 60 schöne Christbäume. Aus dem Rest schneiden wir Äste zum Verkaufen.»

Am meisten gefragt seien nach wie vor Nordmannstannen wegen ihrer guten Haltbarkeit und dem dichten Wuchs. «Aber wir verkaufen jedes Jahr auch einige Blau- und Rottannen. Auch die Ökologie ist dem jungen Landwirt wichtig. «Wir machen viel Unkrautvernichtung in Handarbeit, um den Herbizideinsatz zu verringern und auch Pflanzenschutzmittel setzen wir äusserst zurückhaltend ein.»

Herzblut für Knochenjob

Markus Oettli legt Wert auf gute Qualität und Frische seiner Bäume. «Wir wollen uns abheben von der Massenware, die schon längst geschnitten ist und auf lange Transportweg geschickt wurde.» Er beginne erst diese Woche mit dem Schneiden, am Samstag startet der Verkauf in Appenzell. Er rechne dieses Jahr wegen Corona eher mit einem besseren Absatz, so Oettli. «Die Leute fahren weniger in die Ferien. Das Zuhause und die Traditionen werden wieder wichtiger und dazu gehört auch ein schöner Weihnachtsbaum.»

Bäume hat er genug in seiner Plantage. «Notfalls kann ich auch noch bei Kollegen zukaufen.» Markus Oettli freut sich auf den Verkauf in Appenzell. «Die Kulisse am historischen Landsgemeindeplatz ist sensationell. Doch Christbaumverkauf sei Knochenarbeit, darüber sind sich die beiden Profis einig. «Es ist kein Nullachtfünfzehn-Job. Es steckt viel Herzblut drin. Am Abend des 24. Dezembers sind wir jeweils total kaputt.»

Was für Christbäume stehen an Heiligabend in ihren eigenen Stuben? «Eine Blaufichte, die riecht gut», verrät Emil Kölbener. Die Antwort von Markus Oettli: «Ein wilder, Naturgeküsster». Damit meint er einen Baum, der nicht in perfekter Gleichmässigkeit gewachsen ist.

Christbaumkauf

Tipps vom Fachmann

Es wird empfohlen, den Baum nicht anzuspitzen, da dabei viel Rinde entfernt wird. Mit den heutigen Ständern ist es gar nicht mehr nötig, da der Baum mit einer Seilzugmechanik fixiert wird. Der Baum sollte genügend Zeit haben, um sich an die warmen Temperaturen im Haus zu gewöhnen, damit er seine Nadeln länger behält. Für diese Akklimatisierung sollte er ins Wasser gestellt werden. Der Christbaum sollte mit dem Verpackungsnetz in die Stube getragen werden. Wenn es erst dort entfernt wird, entfaltet sich der Baum schöner. (red)

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