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APPENZELL: Christbäume werden zu «Beechüe»

Jung und Alt haben am Samstag zu Messer, Säge und Feile gegriffen. Zum elften Mal hat der Kiwanis-Club zum Beechüe-Schnitzen geladen. Entstanden sind individuelle Kunst-, Sammel- und Spielobjekte.
Roger Fuchs
Konzentration bei der Herstellung der Beechüe unter den Rathausbögen in Appenzell. (Bilder: Roger Fuchs)

Konzentration bei der Herstellung der Beechüe unter den Rathausbögen in Appenzell. (Bilder: Roger Fuchs)

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch

Hansjörg Kramer aus Murten hat vor vielen Jahren im Museum Appenzell vom Beechüe-Schnitzen gehört. Diese Art der Christbaumverwertung hat ihm dermassen imponiert, dass er seither zu Hause jedes Jahr eine eigene Beechue anfertigt. 15 Stück sind inzwischen entstanden. In diesem Jahr geniesst Kramer ausgerechnet in jenen Tagen die Zeit in Appenzell, als der Kiwanis-Club zum elften Mal zum Beechüe-Schnitzen unter die Rathausbögen einlädt. «Diesen Brauch einmal vor Ort miterleben zu dürfen ist vom Ambiente her natürlich etwas anderes, als wenn ich zu Hause schnitze», bilanziert der Tourist.

Beechüe haben eine lange Tradition. Und weil jede anders aussieht, würden viele Kinder ihre «Kühe» dem Namen nach kennen und sie seien auch bestrebt, ihren Bestand jedes Jahr zu vergrössern, ist auf der Tourismuswebsite zu erfahren. In den Nachkriegsjahren sei das Wissen um diese Fertigung fast vergessen gegangen. Dass ausgerechnet der Kiwanis-Club Appenzell diesen Brauch seit einigen Jahren öffentlich pflegt, kommt gemäss der Clubpräsidentin Ilonka Löhmer nicht von ungefähr. Seit jeher setze sich ihre Organisation für Kinder ein und unterstütze regelmässig den Aufbau von Kinder- und Waldspielplätzen oder auch Feuerstellen. Und so wird beim diesjährigen Anlass denn auch für einen Kinderspielplatz auf dem Areal Schaies gesammelt. Dieser soll die geplanten Sportstätten ergänzen. Bereits an der Chilbi im vergangenen Herbst kamen dazu 5000 Franken zusammen, wie Löhmer sagt.

Vom Körper wegschnitzen

19 Clubmitglieder sind am Samstag für das diesjährige Beechüe-Schnitzen im Einsatz. Während sich die einen um die Festwirtschaft kümmern, sorgen andere für einen reibungslosen Ablauf bei den Werkbänken. Messer, Säge und Feilen sind im Dauereinsatz. Einige Eltern sorgen sich derweil um ihre Kinder. «Du musst von dir wegschnitzen», informiert eine Mutter ihren Schützling. Die für die Beechüe-Herstellung notwendigen Christbäume werden in und um Appenzell herum eingesammelt. Alles Material, das am Ende des Tages übrig bleibt, wird fachgerecht zu Holzschnitzeln verarbeitet. Dafür verantwortlich ist der Hasler Holzfachmann Beni Gemünder, der die Aktion vor elf Jahren ins Leben gerufen hat. Seinen Ausführungen zu Folge muss man mindestens eine Stunde lang werken, um eine schöne Beechue herzustellen. Streckt das Holztier seine Beine nach hinten, ist es eine Innerrhoder Beechue, streckt es sie nach aussen, eine Ausserrhoder Beechue. Natürlich haben sich die Beechüe im Verlauf der Zeit auch entwickelt. Haben die Ursprünglichen dem Namen nach nur Beine, so werden längst auch solche mit Ohren und Hörnern hergestellt — je nachdem, was der entsprechende Christbaumast hergibt. Und wer am Schluss seiner Kuh ein Glöckli oder Lederband umhängen will, kann dies ebenfalls tun.

Mitten im Geschehen ist auch Patrick Schibli aus Appenzell mit Sohn Sascha. Der Bub habe schon oft herkommen wollen, in diesem Jahr hätten sie zum ersten Mal Zeit gefunden, sagt Patrick Schibli. Und dann muss er sich auch gleich wieder dem kleinen Mann zuwenden. Ganz ohne Hilfe ist es für Kinder nicht immer möglich, die störenden Baumäste zu entfernen. Doch Spass scheinen alle zu haben. Und am Schluss resultiert in jedem Fall ein individuelles Werk, das es kein zweites Mal auf dieser Welt gibt.

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