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In Appenzell Ausserrhoden gibt es zu viele Schüler und zu wenig Platz

Die Primarstufe in Appenzell Ausserrhoden verzeichnet seit Jahren einen Zuwachs. In einigen Gemeinden ist der Schulraum bereits knapp.
Astrid Zysset
Seit dem Jahr 2017 verzeichnet Appenzell Ausserrhoden Jahr für Jahr mehr Schulkinder. Bild: Donato Caspari

Seit dem Jahr 2017 verzeichnet Appenzell Ausserrhoden Jahr für Jahr mehr Schulkinder. Bild: Donato Caspari

In Appenzell Ausserrhoden steigen die Schülerzahlen kontinuierlich an. Dies entspricht einem nationalen Trend. Denn gemäss Prognosen des Bundes wird eine Zunahme mindestens noch bis ins Jahr 2027 verzeichnet. Das lässt sich den Szenarien 2016 bis 2025 für das Bildungssystem des Bundesamtes für Statistik entnehmen, welche vergangenes Jahr veröffentlicht wurden. Grund für den Anstieg ist die seit 2004 registrierte Geburtenzunahme.

Appenzell Ausserrhoden erlebte nach Jahren des Rückgangs die Trendwende im Jahr 2017. Damals wurden im Vergleich zum Vorjahr 30 zusätzliche Schülerinnen und Schüler registriert. Das kantonale Wachstum für Appenzell Ausserrhoden liegt durchschnittlich bei 0,6 Prozent pro Jahr, was rund 35 Lernenden entspricht. Laut des Amtes für Volksschule und Sport ist der Anstieg im Ausserrhodischen jedoch im Vergleich zu anderen Kantonen wie Bern und Zürich relativ gering. Trotzdem: Gemeinden wie Herisau, Teufen, Bühler, Gais, Trogen und Heiden verzeichnen dieses Schuljahr ein Wachstum von bis zu vier Prozent. Letzteres bedeutet beispielsweise zehn Lernende mehr in der Gemeinde Bühler.

Gemeinden unterschiedlich stark betroffen

In Herisau wurden auf dieses Schuljahr hin drei neue Klassen eingeführt. Genauer gesagt Halbklassen, wie Michael Häberli, Abteilungsleiter und pädagogischer Leiter der Schule Herisau, präzisiert. Diese Klassen weisen eine Grösse von bis zu 14 Kindern auf. Insgesamt rund 50 Schulkinder sind dieses Jahr neu in den Unterricht eingetreten. Die Schule Herisau zählt 1552 Schülerinnen und Schüler. Auf der Primarstufe sind es 62 Klassen. Die Tendenz ist ersichtlich: Die Zahlen steigen an. Bereits im nächsten Jahr wird mit 1612 Kindern gerechnet.

Gleichzeitig ist der Platz knapp. Im Schulhaus Moos sind die Bauarbeiten im Gange. Vorgängig gab es dort zwei grössere und ein kleineres Zimmer, neu werden drei grössere und ein Werkraum entstehen. Im Frühling sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sodass die Kinder vom Provisorium zurück ins Schulhaus wechseln können. Auf das Schuljahr 2020/21 werden zudem im Landhausquartier zusätzliche Schulzimmer gebaut, um den Schülerzahlen gerecht zu werden. Und im Schulhaus Kreuzweg wird die ausrangierte Hauswartswohnung für den Unterricht genutzt. «Die zunehmend leer stehenden Wohnungen der Hauswarte wollen wir nutzen», so Häberli. So könne flexibel auf die Klassengrössen reagiert werden. «Wir planen soweit, als dass die Kinder auf der Welt sind.» Sprich: Vier Jahre im Voraus. Die nächste Schulraumplanung wird Anfang Jahr angegangen.

Die Gemeinde Stein verzeichnet seit längerem zwischen 20 und 25 neue Schülerinnen und Schüler pro Jahr. «Die letzten anzahlmässig ‹schwachen› Jahrgänge sind heute in der 5. und 6. Klasse», so Schulpräsident Jürg Aemisegger. «Seither ist es jeden Sommer eine relativ grosse Klasse, die neu in den Schulalltag startet.» Auch die kommenden Jahrgänge sind geburtenstark. Aemisegger betont zwar, dass «alle, die bislang auf der Welt sind», problemlos in Stein beschult werden können, doch sei es Aufgabe der Politik, auf zukünftige Szenarien reagieren zu können. Und eines dieser Szenarien besagt, dass mit der neuen Überbauung Schützengarten über 40 Wohnungen entstehen. Zugleich entsteht im «Paradiesli» das neue Alterszentrum/Wohnen im Alter. Dies könnte zu einer «Verjüngung in den Quartieren» führen, wie der Schulpräsident es nennt, da viele ältere Bürgerinnen und Bürger ins Alterswohnheim umziehen und deren Wohnungen frei werden. Das gebe Platz für abermals weitere Familien.

Hinzu kommt: Der Lehrplan 21 sieht Lernen in Gruppen- und in fachspezifischen Schulungsräumen vor. Viele Schulhäuser weisen jedoch kein entsprechendes Raumangebot auf. Das betrifft auch dasjenige in Stein. Mit einem solchen würde aber auch der zunehmenden Heterogenität in den Schulklassen Rechnung getragen werden können, ist sich Aemisegger sicher.

Aus all diesen Gründen hat die Gemeinde Stein eine Arbeitsgruppe einberufen, die den künftigen Schulraum evaluieren wird. Aktuell werde eine Machbarkeitsstudie ausgearbeitet. Ein entsprechender Auftrag wurde an ein Architekturbüro vergeben. Die ersten Resultate werden Ende September erwartet, sodass im Oktober im Gemeinderat ein möglicher Projektierungskredit besprochen werden könnte. Denkbar wäre, dass das heutige Schulgebäude renoviert und erweitert wie auch ein Neubau auf dem Schulareal entstehen wird. Aemisegger hofft, dass im März 2021 der Baubeginn erfolgen kann – «reibungslose, politische Prozesse vorausgesetzt», so der Schulpräsident abschliessend.

Vorerst kein Neubau in Trogen

In Trogen überlegt man sich derzeit auch, ob aufgrund der steigenden Schülerzahlen ein neues Schulhaus realisiert werden soll oder nicht. Aus finanziellen Gründen wäre ein Erweiterungsbau jedoch nicht sofort realisierbar. Aktuell mietet die Gemeinde zwei Klassenzimmer und einen Gruppenraum in der Kantonsschule Trogen, um die prekären Platzverhältnisse in der Primarschule Nideren zu entschärfen. Für Schulpräsidentin Andrea Thalmann eine gelungene Zusammenarbeit: «Es läuft gut. Wir nutzen unser Angebot ressourcenorientiert. Und das ist sinnvoll.» Für Thalmann ist ein Neubau daher auch nicht dringend. Auf das nächste Schuljahr werden 177 Kinder die Primarstufe in Trogen besuchen. Die Entwicklung der Anzahl Kinder langfristig vorauszusagen, ist aber schwierig. Im Quartier Halden sind unlängst neue Wohnungen entstanden. Möglicherweise ziehen dort Familien ein. «Wir haben auch Gebiete, in welchen aktuell viele ältere Bürgerinnen und Bürger leben. Hier könnte es demnächst zu einer ‹Verjüngung› kommen. Aber verlässliche Prognosen können auch hier keine gestellt werden», so Thalmann.

Teufen prüft mittelfristig Ausbau der Primarstufe

In Teufen befasst man sich ebenfalls seit Jahren mit steigenden Schülerzahlen. Aktuell erfolgt der Neubau der Tagesstrukturen. Im nächsten Jahr soll das blaue Schulhaus in Niederteufen saniert werden. Und auf der Pendenzenliste steht noch das zirka 20 Millionen Franken teure neue Sekundarschulhaus, dass im Jahr 2022 bezugsbereit sein soll. Anschliessend werde überprüft, wie die Infrastruktur der Primarstufe ausgebaut werden kann. «Dieses Projekt müssen wir mittelfristig angehen», so Gemeinderätin Bea Weiler. Denn die Klassengrössen seien bereits heute in gewissen Stufen am Limit angelangt.

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