APPENZELL AUSSERRHODEN: Industrie sieht Potenzial bei Frauen

Noch immer sind zu viele Frauen «am Herd», heisst es bei der Ausserrhoder Industrie. Es benötige bei den Firmen ein Umdenken. Männer und Frauen seien dazu bereit.

Bruno Eisenhut
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Huber + Suhner in Herisau bemüht sich mit verschiedenen Mitteln intensiv um Frauen. (Bild: SGT)

Huber + Suhner in Herisau bemüht sich mit verschiedenen Mitteln intensiv um Frauen. (Bild: SGT)

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut

@appenzellerzeitung.ch

Viele Frauen bleiben der Ausserrhoder Politik fern, weil ihnen nebst Familie und Beruf schlicht die Zeit dafür fehlt. So begründet die Frauenzentrale AR die drohende Frauenbaisse in der Ausserrhoder Politik (siehe gestrige Ausgabe). Um dies zu ändern, ­benötige es ein weitergehendes Umdenken von Frau und Mann, wenn es um die Rolle der Frau gehe.

Umdenken muss aber auch die Wirtschaft. Die häufig sehr gut ausgebildete Generation junger Frauen birgt enormes Potenzial. Dieses aufgrund von Arbeitsmodellen, die nicht mehr den Bedürfnissen entsprechen, nicht zu nutzen, wäre für die Wirtschaft fatal. Insbesondere die Industrie leidet unter Fachkräftemangel, so auch die Industriefirmen in Appenzell Ausserrhoden. Es brauche das Know-how der Frauen, ist man sich in der Industrie einig.

Auf attraktive Arbeitsmodelle setzen

Demnach sieht sich die Wirtschaft nicht nur mit den sich fortwährend ändernden Trends des Marktes konfrontiert, sie muss sich auch bereitmachen für die neuen Bedürfnisse des Personals. Die traditionellen Familien­modelle, in denen der Mann der ­alleinige Verdiener ist, werden weniger. Auch die Frauen wollen ihre Ausbildungen und ihre beruflichen Erfahrungen nutzen –auch dann, wenn sie eine Familie gründen. Es braucht Modelle, die es den Mitarbeitenden erlauben, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Einzelne Indus­triefirmen haben dies erkannt; beispielsweise Huber + Suhner in Herisau. Das Unternehmen setzt auf attraktive Anstellungsbedingungen und will so dem Fachkräftemangel begegnen. Die Firma setzt sich zum Ziel, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gesunde Balance zwischen Beruf und Elternsein erreichen. Teilzeitstellen, Jobsharing, freie Einteilung der Wochenarbeitszeit oder Home Office sind die Mittel dazu. Besonders die Führungskräfte seien mit diesen ­Modellen gefordert, heisst es bei Huber + Suhner. Bei den Mitarbeitenden würden diese Angebote aber sehr gerne genutzt. Nicht nur Frauen würden davon profitieren, auch Männer der ­jüngeren Generation nutzen die­ Gelegenheit. Bei der Personalrekrutierung gab diese Flexibilität schon mehrfach den Ausschlag, dass sich Bewerber letztlich für die Herisauer Firma entschieden haben.

Ganz besonders versucht ­Huber + Suhner aber, mit Frauen in Kontakt zu bleiben und zu kommen. Schon während der Ausbildung an den Hochschulen werden die künftigen Ingenieurinnen über die möglichen Arbeitsmodelle informiert. Bei einer Schwangerschaft werden Frauen über die weiteren Möglichkeiten informiert, und mit aus der Firma austretenden Frauen versucht die Firma in Kontakt zu bleiben. «Für die Firma ist es ein Gewinn, wenn alle Ansichten zur Sprache kommen. Gemischte Gremien decken ungleich mehr Aspekte ab. Das ist für die Firma ein sehr grosser Vorteil,» heisst es bei Huber + Suhner.

Industrie bisher von Männern dominiert

Wenige Jahre ist es her, seit insbesondere die Industriefirmen von den Männern dominiert und geprägt wurden. Die Berufsbezeichnungen verdeutlichen dies: Wer Weiterbildungen und höhere Schulen absolviert hat, erarbeitete sich den Titel «Meister», Abteilungen wurden von «Leitern» geführt. Nach und nach weichen sich diese Modelle auf. Der Antrieb liegt dabei, anders als in der Politik, im ungebrochenen Willen der Frauen, sich am Geschehen aktiv zu beteiligen.

Hinweis

Die gestrige Ausgabe hat eine Analyse zur Frauensituation in der Ausserrhoder Politik enthalten.