Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

APPENZELL AUSSERRHODEN: «Ich würde kandidieren»

Ernst Schläpfer kann sich eine Rückkehr in seine Heimat ebenso vorstellen wie eine Kandidatur für den Ausserrhoder Regierungsrat. Sein Alter sieht der bald 61-Jährige nicht als Nachteil.
Patrik Kobler/ bruno Eisenhut
Schwingerkönig und Akademiker: Seit 27 Jahren ist Ernst Schläpfer Rektor des Berufsbildungszentrums in Schaffhausen. (Bild: BEI)

Schwingerkönig und Akademiker: Seit 27 Jahren ist Ernst Schläpfer Rektor des Berufsbildungszentrums in Schaffhausen. (Bild: BEI)

APPENZELL AUSSERRHODEN. Ernst Schläpfer, Sie wohnen seit 27 Jahren im Kanton Schaffhausen und sind Rektor des Berufsbildungszentrums. Können Sie sich eine Rückkehr ins Appenzellerland vorstellen?

Die Rückkehr ist immer ein Thema. Allerdings haben wir in Schaffhausen ein schönes Haus und einen grossen Teil unseres Bekanntenkreises. Ausserdem wohnen unsere drei Töchter mit unseren Enkeln ganz in der Nähe.

Wegzuziehen würde uns daher nicht leicht fallen. Trotzdem: Persönlich tendiere ich zu einer Rückkehr. Das Haus wird für meine Frau und mich im Alter sowieso zu gross.

Unsere Zeitung hat Ihren Namen als möglichen Ausserrhoder Regierungsrat ins Spiel gebracht. Würde Sie diese Aufgabe reizen?

Wenn eine Partei oder Gruppierung auf mich zukommt und mich unterstützt, würde ich kandidieren. Als Regierungsrat kann man am ehesten etwas bewegen im Kanton.

Welchen Bezug haben Sie noch zum Appenzellerland?

Immer noch einen grossen. Ich habe viele Kontakte im Appenzellerland und bin öfters bei meinem Bruder in Wolfhalden. Meine Schwiegermutter wohnt im Hinterland und ich bin nach wie vor Mitglied im Schwingklub Herisau, wo ich ab und an ein Training leite.

Was zeichnet für Sie das Appenzellerland aus?

Ich habe den Eindruck, dass die Appenzeller stolz sind auf ihre Herkunft. Man ist gerne Appenzeller. Mir wäre noch nie in den Sinn gekommen, mich als Schaffhauser zu bezeichnen.

Verfolgen Sie das politische Geschehen in Ausserrhoden?

Nicht gross. Wenn in Ausserrhoden über die Zukunft der Spitäler diskutiert wird, bekomme ich das zwar mit, aber eine fundierte Meinung dazu habe ich nicht. Deshalb halte ich mich zurück mit einem Kommentar. Normalerweise versuche ich eine Sache zu kennen, bevor ich mich dazu äussere.

Sie sind aber ein politisch interessierter Mensch.

Ja. Ich war bis zu meinem Wegzug sowohl in Herisau als auch später im meinem jetzigen Wohnort Neuhausen im Einwohnerrat. Als ich Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes wurde, bin ich zurückgetreten. Jetzt habe ich mich wieder aufstellen lassen. Ich war auch Kantonsrat in Schaffhausen. Dieses Amt konnte und wollte ich aber nach vier Jahren nicht mehr ausüben.

Wieso?

Einerseits durften Chefbeamte nach einer Verfassungsänderung nicht mehr im Kantonsrat mittun. Andererseits stand für mich der Rücktritt sowieso schon fest. Bei uns im Kanton Schaffhausen sind die Fronten verhärtet. Die Parteien werfen sich ständig gegenseitig Prügel zwischen die Beine. Man ist nicht fähig, Lösungen und Kompromisse zu suchen. Deshalb hatte ich das Gefühl, als Kantonsrat nicht viel bewirken zu können.

Sie haben in Schaffhausen auch für den Regierungsrat kandidiert.

Ich wäre wohl auch gewählt worden, wenn mich die Partei portiert hätte. Die Partei hatte damals aber bloss eine Einerkandidatur beschlossen, weil sie unbedingt wollte, dass eine Frau gewählt wird. Die Frau wurde zwar gewählt, die Partei hat aber den zweiten Sitz in der Regierung verloren und nie wieder zurückgewonnen.

Sie sind Mitglied der SP?

Nicht mehr. Ich bin ausgetreten, weil ich nicht gerne in einer Partei bin. Eine Partei vernebelt das Denken. Jedenfalls in Schaffhausen ist es so. Man getraut sich nicht, auch jemanden aus der eigenen Partei zu kritisieren. Ausserdem gibt es Vordenker, die das Gefühl haben, dass sie die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben und allen den Tarif durchgeben müssen. Das habe ich nicht mehr gebraucht. Ich habe auch festgestellt, dass die Sozis diesbezüglich nicht besser sind als andere Parteien. Man muss gewisse Grundstrukturen im Denken haben. Ich will aber die Freiheit zum selber Denken haben.

Dann kommt eine Kandidatur für die SP in Ausserrhoden nicht in Frage?

Wenn mich die SP unterstützen würde, kann ich mir vorstellen, der Partei aus Dankbarkeit wieder beizutreten. Grundsätzlich geht es mir aber nicht um die Partei, sondern darum, Lösungen zu erarbeiten.

Sie könnten also ebenso gut der FDP beitreten?

Nein, die FDP ist nicht meine Welt. Für mich sind die Freisinnigen zu wirtschaftslastig. Keine Steuern bezahlen, möglichst hohes Einkommen und Wirtschaft über alles, noch vor dem Sozialen und der Umwelt – das sind nicht meine Werte.

Welches sind Ihre Werte?

Alle sollen gesund und friedlich nebeneinander leben können. Es ist mir ein Anliegen, dass es allen gutgeht. Natürlich muss man aufpassen, was «allen» heisst. Es gibt einen kleinen Prozentsatz, der nur vom System profitieren will. Da muss man Grenzen setzen. Ich bin auch skeptisch, was das ständige Wachstum betrifft.

Wie meinen Sie das?

Wir leben in einer guten Welt. Wahrscheinlich sind wir die Generation, der es bislang am besten gegangen ist. Immer noch mehr ist nicht möglich. Wir müssen bereit sein, auch einmal etwas zurückzubuchstabieren. Als Präsident der kantonalen Pensionskasse bin ich mit Rentenkürzungen konfrontiert. Diese sind zwar hart. Aber auf der anderen Seite erhalten wir immer noch viel mehr als beispielsweise meine Eltern.

Als Ingenieur-Agronom ist Ihnen bestimmt auch der Umweltschutz ein Anliegen.

Das stimmt. Wir tragen eine Verantwortung gegenüber der nächsten Generation. Ich bin beileibe kein Sektierer, aber wenn ich beispielsweise den Erdölverbrauch sehe, ist mir nicht ganz wohl. Fast alle unsere Medikamente basieren auf Erdöl. Wenn wir kein Erdöl mehr haben, was wird dann mit unseren Arzneimitteln?

Sie werden im Dezember 61 Jahre alt. Sind Sie nicht schon zu alt für das Amt des Regierungsrates?

Ich sehe mein Alter nicht als Nachteil – im Gegenteil: Ich bin ungebunden. Selber habe ich gute Erfahrungen mit Leuten gemacht, die in einem gewissen Alter waren und es sich leisten konnten, jederzeit zurückzutreten. Diese Leute versuchen etwas zu bewegen. Sie sind nicht mehr auf Streicheleinheiten angewiesen. Das Vollamt bringt es leider mit sich, dass es zu viele Regierungsräte gibt, die aus Angst vor einer Abwahl nicht anecken wollen. Diese Leute verkaufen nicht die Idee, sondern nur sich selber.

Sie sind bekannt als Typ mit Ecken und Kanten. Was zeichnet Ihren Führungsstil aus?

Ich bin nicht sehr entscheidungsfreudig. Deshalb höre ich gut zu, was andere sagen. Wenn aber nach reiflicher Überlegung ein Entscheid gefällt ist, ziehe ich ihn durch. An meiner Schule funktioniert das hervorragend, wir haben es gut miteinander. Im Schwingverband führte dieses Prinzip hingegen zu Problemen. Wir haben zwar gemeinsam entschieden. Als es dann aber ums Umsetzen ging und man einigen Leuten auch wehtun musste, fielen mir manche permanent in den Rücken.

Welches sind Ihre Visionen?

Es gibt genügend Regierungsräte, die grosse Gedanken wälzen. Viele verstehen sich als Strategen, vernachlässigen dabei aber die Führung. Meiner Meinung nach sollte ein Regierungsrat umsetzen. Stattdessen schiebt man lieber Entscheidungen auf und sichert sich nach links und nach rechts ab. Und wenn Gegenwind droht, krebst man zurück. So geht es nicht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.