Appenzell Ausserrhoden
Etwas gegen den Verpackungswahnsinn unternehmen: Ohne Plastik in Trogen einkaufen

Angela Bühlmann hat als Erste in der Ostschweiz einen Laden eröffnet, der Bioprodukte unverpackt verkaufte. Der Erfolg gibt der Trogner Pionierin recht.

Rita Bolt
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Ladeninhaberin Angela Bühlmann in ihrem grösseren Ladenlokal «Bio Ohne» mitten in Trogen.

Ladeninhaberin Angela Bühlmann in ihrem grösseren Ladenlokal «Bio Ohne» mitten in Trogen.

Bild: RB

Angela Bühlmanns Bioladen liegt mitten im Dorf Trogen, ist von aussen unscheinbar. Drinnen tut sich eine eigene Welt auf. Da glänzt ein grosser Chromstahl-Kanister mit Bioolivenöl: «Es kommt aus Sardinien. Bekannte von mir stellen es her und füllen den Kanister auf, wenn sie hier sind», erklärt Angela Bühlmann.

In grossbauchigen blauen und grünen Flaschen lagern griechisches Olivenöl, das etwas milder ist, Essige und Balsamico. Auf der anderen Seite des Ladens ist eine Müsli-Station eingerichtet, es gibt zudem eine grosse Auswahl an Trockenfrüchten und Nüssen. Die Regale und Gestelle hat Angela Bühlmann mit Unterstützung ihres Vaters selber gewerkelt. «Alles Secondhand», sagt die Mutter von zwei Kindern. Unter der Trockenfrüchte-Station in einer Art Fässern lagern verschiedene Nudelsorten. «Alle Produkte sind aus biologischem Anbau und werden mir von kleinen Produzenten aus der Umgebung geliefert oder ich beziehe sie über den Biogrossverteiler», versichert die 39-Jährige.

Der Tee für jeden Tag und Konfitüren kommen aus Trogen, die zuckerfreie Schokolade aus Gossau, Gewürze und Kräuter aus St.Gallen, Seifen und Shampoos aus Heiden, Dinkel und Hafer aus Algetshausen, Naturjoghurt und Magerquark aus Demeter-Milch aus Gais. Der Gin, Williams und Rum kommen aus einer Bioschnapsbrennerei aus dem Aargau.

Etwas gegen Plastikflut unternehmen

Angela Bühlmann hat ihren «Bio Ohne» vor vier Jahren eröffnet. «Ich war die Erste in der Ostschweiz, die Bioprodukte in einem Laden unverpackt angeboten hat», sagt sie nicht ohne Stolz. Gleichzeitig habe in Winterthur ein Laden eröffnet. Heute gebe es einige solcher Geschäfte, beispielsweise den Unverpackt-Laden in St.Gallen. Sie habe sich in den vergangenen Jahren immer stärker mit Nachhaltigkeit und dem Verpackungswahnsinn mit Plastik beschäftigt und sich damit auseinandergesetzt. 450‘000 Tonnen Verpackungsmaterial würden schweizweit jährlich im Abfall landen. Sie habe sich auf das Thema eingelassen und beschlossen, etwas gegen die Plastikflut zu unternehmen. Zudem habe sie in Trogen einen Laden vermisst, der Bioprodukte anbiete.

Innerhalb von drei Monaten hat sie ein kleines Ladenlokal eingerichtet. Die Eröffnung hat sie im «Dorfblättli» publiziert. «Es sind sehr viele Leute gekommen und es haben sich gute Gespräche entwickelt», erinnert sich die Bio-Ohne-Frau. Das hat sie motiviert, weiterzumachen, in einen grösseren Raum an der gleichen Adresse umzuziehen, das Sortiment nach und nach zu vergrössern, das Netz der Lieferanten auszubauen und die Öffnungszeiten zu verlängern. Neu ist der Laden von Dienstag bis Samstag geöffnet.

Gutes Essen ist wichtig für Gesundheit

Die Gefässe können mitgebracht oder im Laden gekauft werden. Und so funktioniert es: Behälter wiegen, Behälter befüllen, Behälter wiegen, bezahlen und mitnehmen. Im Angebot sind viele Bioprodukte: Kürbis-, Sonnenblumen- und Sesamkernen, Mohn und Leinsamen. Das Getreide wird in 25-Kilogramm-Säcken angeliefert. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Hirse, Quinoa, Buchweizen, Popcorn, Grünkern, Reis- oder Couscous können aus Holzspendern in die Gefässe oder Stoffsäckli gefüllt werden. Apropos Stoffsäckli: Jene für Spaghetti kommen aus Spanien: Sie werden von der Urgrossmutter von Angela Bühlmanns Kindern genäht, erzählt die 39-Jährige lachend.

Die Biofrau lebt etwas ausserhalb von Trogen, ist gerne in der Natur, liebt ihren naturnahen Garten, in dem auch Kräuter und Gemüse wachsen. «Naturbelassene Nahrungsmittel sind gesund und unterstützen die nachhaltige Landwirtschaft», sagt Angela Bühlmann. Sie versuche, umweltbewusst zu leben. Das heisse für sie, achtsam mit den Ressourcen und der Natur umzugehen, nachhaltige Projekte zu unterstützen, und lernen zu verzichten.